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Auf der Suche nach dem Feuersalamander

Geduld gefragt

„Wenn ich eine finde, schreie ich“, sagt Jennifer Heermann und richtig – wir müssen nicht lange warten, dann erschallt der Schrei durch das kleine Wäldchen in Dono. Aber besser der Reihe nach. Jennifer Heermann ist Ökologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Biologischen Station und heute mit uns in Rödinghausen unterwegs, um sich auf die Suche nach Feuersalamandern zu begeben.

Winzig klein ist die Feuersalamander-Larve, die Biologin Jennifer Heermann erst gesichtet, dann gekeschert und am Ende in diesen Behälter gesetzt hat – ehe es für das seltene Tier natürlich zurück in den Bach ging.

„Wenn ich eine finde, schreie ich“, sagt Jennifer Heermann und richtig – wir müssen nicht lange warten, dann erschallt der Schrei durch das kleine Wäldchen in Dono. Aber besser der Reihe nach. Jennifer Heermann ist Ökologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Biologischen Station und heute mit uns in Rödinghausen unterwegs, um sich auf die Suche nach Feuersalamandern zu begeben. Die Amphibien sind selten geworden, gelten als stark gefährdet, und „dann gibt es da noch die Salamanderpest, die zwar bei uns noch nicht angelangt ist, die aber eine sehr große Gefahr für die Tiere darstellt“, erklärt uns Jennifer Heermann, während wir uns die Gummistiefel anziehen. Es handelt sich dabei um eine Hautpilz-Erkrankung, die sich stark verbreitet und bei Feuersalamandern zum Tod führt. Ein paar Minuten spazieren wir einen Waldweg im Herzen Rödinghausens in Richtung Wehmerhorstbach entlang. „Hier sollte es die Tiere eigentlich geben“, verrät die Ökologin und hat sich passenderweise Kescher und Behältnis mit in die Umhängetasche gesteckt, damit wir uns die Larven – um die geht es hier vor allem – näher anschauen können. „Die Alttiere sind vor allem nachts aktiv und verstecken sich tagsüber in Wurzelwerken und in Überhängen“, erklärt uns Jennifer Heermann und nimmt uns so die Hoffnung, eines dieser schwarzen Tiere mit den signalgelben Flecken vor die Linse zu bekommen. Wobei, eins fotografieren wir dann doch, allerdings als Spielzeug aus Kunststoff. „Als wir gesehen haben, dass die Firma Schleich nun auch Salamander als Spielfiguren rausgebracht hat, haben wir uns damit erst einmal eingedeckt, um Kindern erklären zu können, was wir suchen und schützen“, erzählt die 37-Jährige, zieht das lebensgroße Tier aus der Tasche und lässt es gleich wieder darin verschwinden. Es soll ja um echte Lebewesen gehen. Um den Bestand am besten erkunden und einschätzen zu können, bietet sich das sogenannte Larvenmonitoring an. Dazu beugt sich Jennifer Heermann, am Wehmerhorstbach angekommen und direkt am Uferrand stehend, vorne über und schaut genau hin. Und schaut noch ein wenig genauer. „Hier müssten sie eigentlich sein“, sagt sie fast zu sich selbst und lässt ihre Blicke weiter über die Bereiche im Bach wandern, in denen das Wasser nicht allzu schnell fließt. Zwischen zwei und sechs Zentimetern sind die Tiere groß, die lebend geboren werden und dann sofort allein auf sich gestellt sind.

Schon als Feuersalamander zu erkennen: Die Larve verbringt viel Zeit im Wasser, ehe sie ausgewachsen an Land wechselt.

Ihre Nahrung, kleine Bachflohkrebse, finden wir ebenso wie eigentlich perfekte Lebensbedingungen – nur die Larven selbst bleiben versteckt. „Vielleicht gehen wir den Bach noch mal weiter hoch und runter“, nimmt sich Jennifer Heermann vor, aber auch hier: Fehlanzeige. Leider ist im Kreis nur wenig über die einzelnen Populationen, über die geschätzte Anzahl der Feuersalamander bekannt. Mal finden sich ausgewachsene Tiere in Krötensammelbehältern, mal werden bei Gewässerbegehungen Larven eher zufällig entdeckt. „Aber der Feuersalamander rückt jetzt mehr in unseren Fokus und wir werden jedes Jahr schauen, wo er in welcher Anzahl vorkommt“, haben sich Jennifer Heermann und ihre Kollegen von der Biologischen Station vorgenommen. Fürs Erste packen wir aber Kescher, Behälter und Kamera wieder ein und gehen zurück zum Auto. „Eine Chance haben wir aber noch“, verrät die Gewässerbiologin und fährt mit uns in ein kleines Wäldchen irgendwo in Dono. „Der Bachlauf hier ist so klein, dass er nicht mal über einen Namen verfügt“, sagt Jennifer Heermann, als wir durch die nahezu unberührte Natur zu dem Bach spazieren. Wir teilen uns auf, einer geht bachabwärts, einer in die Gegenrichtung – und starren wieder ins Wasser. Schwarz sollen sie sein, die Larven. Sollen regungslos auf dem Grund stehen und Stöckchen ähneln, die es hier massenhaft gibt. Dann: Der Schrei. Und ein paar Augenblicke später die Gewissheit: In der weißen Schale von Jennifer Heermann schwimmt eine Feuersalamanderlarve. Gut zu erkennen an dem großen Kopf und den Kiemenbüscheln, an den winzigen Füßen und einer Form, die schon an die Alttiere erinnert. Mehrere Monate leben sie so in Bachläufen, ehe sie zum fertigen Salamander werden, das Wasser verlassen und nur noch zum Gebären des Nachwuchses hierherkommen. Das wird hoffentlich auch unsere Larve tun, die schnell fotografiert wird, ehe wir sie behutsam zurücksetzen. „Es gibt sie hier also doch“, sagt Jennifer Heermann und nickt zufrieden. Durch die zunehmende Trockenheit sind die Tiere vielerorts selten geworden, gelten längst als „besonders geschützt“ und dürfen weder gefangen noch getötet werden. Um die Ausbreitung der Krankheitserreger zu verhindern, ist es wichtig, die Feuersalamander nicht anzufassen und ihre Land- und Wasserlebensräume nicht zu betreten. Solange sie sich aber so gut verstecken wie hier, in diesem namenlosen Bach im Nordosten Rödinghausens, ist Jennifer Heermann guter Dinge, dass der Bestand stabil bleiben wird.

Wo verstecken sich die Larven?
Sieht echt aus, ist aber nur Spielzeug.

06/2024

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