Detail

Auf Schlittenfahrt mit Huskys

Schnell unterwegs

Samstagmorgen, Ende Oktober, Nebel liegt über den Feldern irgendwo zwischen den Ortschaften Muckum und Dono. Doch die Stille ist trügerisch. Als Martin Otto die Geschirre aus dem großen Transporter holt, gibt es kein Halten mehr.

allesamt Huskys, springen, jaulen, bellen, heulen, hecheln, hüpfen, zerren und wollen vor allem eins: los. Dabei dauert es noch ein wenig, ehe der Rödinghauser Martin Otto gemeinsam mit seiner Frau Ramona den Trainingswagen, der über vier grobstollige Räder verfügt, startklar macht. Zeit, sich zu unterhalten, bleibt in der Hektik nicht – hören würde man eh nicht, was der andere sagt. Denn den Huskys ist die Vorfreude anzusehen und vor allem zu hören. Also noch ein paar schnelle Handgriffe, Trainingswagen in Position, Hunde davor, ein paar knappe, laut gerufene Kommandos und die Hatz kann beginnen. Auf knappe 40 Stundenkilometer bringen es die vier Huskys am Start, jagen die Allee hinunter, dann scharf rechts, durch eine Senke, weiter über die Feldwege und dann sind sie schon am Horizont verschwunden.

Gute zehn Minuten und knapp fünf Kilometer dauert dieser Trainingsvormittag, der Hunde und Fahrer auf das vorbereitet, was in der kommenden Hundeschlittensaison auf sie wartet. Martin Otto ist eher zufällig an seinen ersten Husky gekommen. Im Bünder Tierheim konnte er den Blicken nicht widerstehen und nahm ihn mit. Husky Nummer zwei folgte von der Polarhundehilfe und heute wohnen neun ausgewachsene Schlittenhunde mit Ehepaar Otto zusammen und wollen vor allem eins: ziehen und rennen. Spazierengehen ist dagegen gar nicht so einfach. „Das Ziehen steckt in den Hunden einfach drin. Wer da nicht aufpasst, kommt mit einem ordentlichen Schmerz oder Muskelkater im Arm wieder nach Hause“, weiß Martin Otto aus schmerzlicher Erfahrung. Also begann er schon vor Jahren damit, seine Hunde vor das zu spannen, was der Fachmann Scooter nennt und was wie ein

Mix aus Fahrrad und Roller aussieht. Mal nimmt er zwei von ihnen vor das Gefährt. Dann wieder nutzt er das vierräderige Etwas, das jetzt gerade an den Windrädern in Muckum vorbeijagt. Vorne wird der Antrieb langsam langsamer, wenn erst einmal der erste Dampf runter ist, wird die Fahrt ruhiger. Dabei geben Ace, Dash, Edge und D-Jay bei solchen Trainingsfahrten längst nicht alles. „Wenn sie an der Startlinie stehen, wenn der Adrenalin-Pegel steigt, sie die anderen Gespanne sehen und zum Startschuss runtergezählt wird, dann setzt das noch mal Extrakräfte frei“, sagt Martin Otto, dessen Können darin liegt, dafür zu sorgen, dass der Trainingswagen vorne nicht abhebt, die Hunde nicht überdrehen, sich Zugkraft in Speed umsetzen lässt. Dass er das so gut wie wenige beherrscht, zeigt sich in seiner Wettkampfbilanz.

Er ist Vize-Norddeutscher Meister im Scooter mit zwei Hunden, belegte beim Rennen in Bad Harzburg Rang drei, in Ströhen trotz Sturz Platz vier. In diesem Winter kann es gerne so weiter-, wenn nicht noch besser gehen. Dazu trainieren Hunde und Halter fleißig, jetzt, wo die Temperaturen eigentlich fallen sollten. „Aber aktuell ist es noch viel zu warm“, sagt Martin Otto, als er wieder am Startpunkt angekommen ist. Kleidung und Gesicht: Mit braunen Dreckspritzern übersäht. „Es ist eher ein dreckiger Sport“, sagt Otto und muss lachen. Dabei geht es seinen Hunden nicht anders. Auch ihre Schnauzen zieren Dreckspritzer, die Zungen hängen he- chelnd aus dem Maul heraus, alles wartet auf die erste Stärkung des Tages. Die gibt es ein paar Minuten später in Form einer fettigen Suppe – das Fleisch dafür lassen sich die Huskyfreunde extra aus Schweden schicken. Auch sonst bekommen die

neun Huskys nur Besonderes in den Napf; meist Spezialkraft- und Hochleistungsfutter. Das, gepaart mit dem vielen Training, sorgt dafür, dass die Huskys drahtig, fast dürr aussehen. „Wenn die meisten von Huskys sprechen, dann haben sie den Siberian Husky vor Augen. Unsere Huskys sind ganz anders, dünner, schmaler, aber eben auch deutlich agiler, zugkräftiger, schneller und ausdauernder“, so Martin Otto. Als Familienhund eignen sich Huskys seiner Ansicht nach auch – wenn man ein paar entscheidende Dinge beachtet. Ein

Husky ist ein Rudelhund. Und mag es nicht gerne allein. Der Jagdtrieb steckt immer noch sehr tief in ihm – von der Leine kann man ihn eigentlich nie lassen. Er dekoriert die Wohnung nach seinen Vorstellungen um, fängt gerne Mäuse, buddelt viel undwacht wenig, „sonst aber ist er perfekt“, sagt Martin Otto und muss selbst lachen.

Vor allem aber ist er kein Zwingerhund. Mal kommen zwar auch seine Tiere in den selbst gebauten, riesigen Auslauf draußen. Aber eben nur stundenweise. Deutlich häufiger lagern sie auf dem Sofa, schlafen in der Küche oder schauen neugierig aus den Fenstern. Immer auf der Hut, immer hoffend, dass Martin und Ramona den extra für die Tiere ausgebauten Transporter packen, die Hunde in Boxen gepackt werden und es abgeht. Mal nur nach Dono, dann zu den Rennen in ganz Deutschland. Hauptsache, sie dürfen rennen, ziehen, sprinten. Ramona Otto kümmert sich dabei als sogenannter Doghandler um die Vorbereitung und Versorgung der Hunde vor und nach dem Rennen. Besonders Wasser und Energie sind für die Tiere wichtig. Ohne Ramonas Unterstützung, für die er sehr dankbar ist, könnte Martin Otto den Sport gar nicht betreiben.

Der Nebel hat sich verzogen, die Tiere dampfen und hecheln noch. Erst einmal runterkommen, dann eine zweite Portion Suppe und dann ab nach Hause zum Ausruhen. Der Wettkampfplan für Martin Otto und seine Huskys steht bereits, jede Woche sind sie irgendwo unterwegs, um entweder zutrainieren oder um Pokale und Bestzeiten zu kämpfen. Eins allerdings fehlt: der Schnee. Noch einmal so ein Winter wie 2021, noch einmal Tiefschnee, keine fahrenden Autos, dafür Huskys, die tief in sich spüren: das ist das perfekte Wetter. Hätte Martin Otto einen Wunsch frei, er nähme den Schnee. Oder, tatsächlich schon gewünscht und vielleicht doch irgendwann in die Tat umgesetzt: Er wandert aus nach Schweden. Mit Frau, mit Hab, Gut und vor allem: den neun Huskys. Sie würden sich dort wohlfühlen. Sogar noch ein bisschen mehr als an diesem viel zu warmen Samstagmorgen in Dono.

Samstagmorgen, Ende Oktober, Nebel liegt über den Feldern irgendwo zwischen den Ortschaften Muckum und Dono. Doch die Stille ist trügerisch. Als Martin Otto die Geschirre aus dem großen Transporter holt, gibt es kein Halten mehr.

allesamt Huskys, springen, jaulen, bellen, heulen, hecheln, hüpfen, zerren und wollen vor allem eins: los. Dabei dauert es noch ein wenig, ehe der Rödinghauser Martin Otto gemeinsam mit seiner Frau Ramona den Trainingswagen, der über vier grobstollige Räder verfügt, startklar macht. Zeit, sich zu unterhalten, bleibt in der Hektik nicht – hören würde man eh nicht, was der andere sagt. Denn den Huskys ist die Vorfreude anzusehen und vor allem zu hören. Also noch ein paar schnelle Handgriffe, Trainingswagen in Position, Hunde davor, ein paar knappe, laut gerufene Kommandos und die Hatz kann beginnen. Auf knappe 40 Stundenkilometer bringen es die vier Huskys am Start, jagen die Allee hinunter, dann scharf rechts, durch eine Senke, weiter über die Feldwege und dann sind sie schon am Horizont verschwunden.

Gute zehn Minuten und knapp fünf Kilometer dauert dieser Trainingsvormittag, der Hunde und Fahrer auf das vorbereitet, was in der kommenden Hundeschlittensaison auf sie wartet. Martin Otto ist eher zufällig an seinen ersten Husky gekommen. Im Bünder Tierheim konnte er den Blicken nicht widerstehen und nahm ihn mit. Husky Nummer zwei folgte von der Polarhundehilfe und heute wohnen neun ausgewachsene Schlittenhunde mit Ehepaar Otto zusammen und wollen vor allem eins: ziehen und rennen. Spazierengehen ist dagegen gar nicht so einfach. „Das Ziehen steckt in den Hunden einfach drin. Wer da nicht aufpasst, kommt mit einem ordentlichen Schmerz oder Muskelkater im Arm wieder nach Hause“, weiß Martin Otto aus schmerzlicher Erfahrung. Also begann er schon vor Jahren damit, seine Hunde vor das zu spannen, was der Fachmann Scooter nennt und was wie ein
Mix aus Fahrrad und Roller aussieht. Mal nimmt er zwei von ihnen vor das Gefährt. Dann wieder nutzt er das vierräderige Etwas, das jetzt gerade an den Windrädern in Muckum vorbeijagt. Vorne wird der Antrieb langsam langsamer, wenn erst einmal der erste Dampf runter ist, wird die Fahrt ruhiger. Dabei geben Ace, Dash, Edge und D-Jay bei solchen Trainingsfahrten längst nicht alles. „Wenn sie an der Startlinie stehen, wenn der Adrenalin-Pegel steigt, sie die anderen Gespanne sehen und zum Startschuss runtergezählt wird, dann setzt das noch mal Extrakräfte frei“, sagt Martin Otto, dessen Können darin liegt, dafür zu sorgen, dass der Trainingswagen vorne nicht abhebt, die Hunde nicht überdrehen, sich Zugkraft in Speed umsetzen lässt. Dass er das so gut wie wenige beherrscht, zeigt sich in seiner Wettkampfbilanz.

Er ist Vize-Norddeutscher Meister im Scooter mit zwei Hunden, belegte beim Rennen in Bad Harzburg Rang drei, in Ströhen trotz Sturz Platz vier. In diesem Winter kann es gerne so weiter-, wenn nicht noch besser gehen. Dazu trainieren Hunde und Halter fleißig, jetzt, wo die Temperaturen eigentlich fallen sollten. „Aber aktuell ist es noch viel zu warm“, sagt Martin Otto, als er wieder am Startpunkt angekommen ist. Kleidung und Gesicht: Mit braunen Dreckspritzern übersäht. „Es ist eher ein dreckiger Sport“, sagt Otto und muss lachen. Dabei geht es seinen Hunden nicht anders. Auch ihre Schnauzen zieren Dreckspritzer, die Zungen hängen hechelnd aus dem Maul heraus, alles wartet auf die erste Stärkung des Tages. Die gibt es ein paar Minuten später in Form einer fettigen Suppe – das Fleisch dafür lassen sich die Huskyfreunde extra aus Schweden schicken. Auch sonst bekommen die
neun Huskys nur Besonderes in den Napf; meist Spezialkraft- und Hochleistungsfutter. Das, gepaart mit dem vielen Training, sorgt dafür, dass die Huskys drahtig, fast dürr aussehen. „Wenn die meisten von Huskys sprechen, dann haben sie den Siberian Husky vor Augen. Unsere Huskys sind ganz anders, dünner, schmaler, aber eben auch deutlich agiler, zugkräftiger, schneller und ausdauernder“, so Martin Otto. Als Familienhund eignen sich Huskys seiner Ansicht nach auch – wenn man ein paar entscheidende Dinge beachtet. Ein
Husky ist ein Rudelhund. Und mag es nicht gerne allein. Der Jagdtrieb steckt immer noch sehr tief in ihm – von der Leine kann man ihn eigentlich nie lassen. Er dekoriert die Wohnung nach seinen Vorstellungen um, fängt gerne Mäuse, buddelt viel undwacht wenig, „sonst aber ist er perfekt“, sagt Martin Otto und muss selbst lachen.

Vor allem aber ist er kein Zwingerhund. Mal kommen zwar auch seine Tiere in den selbst gebauten, riesigen Auslauf draußen. Aber eben nur stundenweise. Deutlich häufiger lagern sie auf dem Sofa, schlafen in der Küche oder schauen neugierig aus den Fenstern. Immer auf der Hut, immer hoffend, dass Martin und Ramona den extra für die Tiere ausgebauten Transporter packen, die Hunde in Boxen gepackt werden und es abgeht. Mal nur nach Dono, dann zu den Rennen in ganz Deutschland. Hauptsache, sie dürfen rennen, ziehen, sprinten. Ramona Otto kümmert sich dabei als sogenannter Doghandler um die Vorbereitung und Versorgung der Hunde vor und nach dem Rennen. Besonders Wasser und Energie sind für die Tiere wichtig. Ohne Ramonas Unterstützung, für die er sehr dankbar ist, könnte Martin Otto den Sport gar nicht betreiben.

Der Nebel hat sich verzogen, die Tiere dampfen und hecheln noch. Erst einmal runterkommen, dann eine zweite Portion Suppe und dann ab nach Hause zum Ausruhen. Der Wettkampfplan für Martin Otto und seine Huskys steht bereits, jede Woche sind sie irgendwo unterwegs, um entweder zutrainieren oder um Pokale und Bestzeiten zu kämpfen. Eins allerdings fehlt: der Schnee. Noch einmal so ein Winter wie 2021, noch einmal Tiefschnee, keine fahrenden Autos, dafür Huskys, die tief in sich spüren: das ist das perfekte Wetter. Hätte Martin Otto einen Wunsch frei, er nähme den Schnee. Oder, tatsächlich schon gewünscht und vielleicht doch irgendwann in die Tat umgesetzt: Er wandert aus nach Schweden. Mit Frau, mit Hab, Gut und vor allem: den neun Huskys. Sie würden sich dort wohlfühlen. Sogar noch ein bisschen mehr als an diesem viel zu warmen Samstagmorgen in Dono.

04/2022

Dieser Artikel erschien in:

Artikel aus dieser Ausgabe

Samstagmorgen, Ende Oktober, Nebel liegt über den Feldern irgendwo zwischen den Ortschaften Muckum und Dono. Doch die Stille ist trügerisch.…

Artikel lesen

Sind Sie schon einmal Tesla gefahren? – Nö.

Haben Sie sich die Videos dazu angeschaut? – Ja.

War gelogen. Als uns die freundliche…

Artikel lesen
Die Agentur hinter
          den Beiträgen
Zurück
Jetzt zu HOCH5 wechseln!
Du suchst etwas Neues? Möchtest die Werbeagentur wechseln? Dein Projektvorhaben mit uns besprechen? Werbung, die wirkt?

Na dann los. Wir freuen uns.

Auf deine Anfrage. Auf dich.


Und melden uns. Direkt.

Schneller, als du erwartest.
Versprochen.

Jetzt wechseln

Kleine Pause gefällig?
Am besten mit einem klitzekleinen Tipp:
Wir von HOCH5, die wir das hier machen, machen noch viel mehr.
Mehr Content, mehr Werbung, mehr Print und Web.
Neugierig? Dann hier entlang, zur Website unserer Werbeagentur.
Und ansonsten:
Viel Freude beim Weiterlesen!

HOCH5HOCH5HOCH5HOCH5