Detail

Auf Tesla-Probefahrt

Technik hui - Verarbeitung Pfui?

Sind Sie schon einmal Tesla gefahren? – Nö.

Haben Sie sich die Videos dazu angeschaut? – Ja.

War gelogen. Als uns die freundliche Tesla-Frau auf die Probe gestellt hat, konnten wir einfach nicht die Wahrheit sagen. Wer weiß schon, dass man sich vor Probefahrten bei YouTube schlaumachen sollte? Und wer weiß überhaupt, dass es Tesla auch in Bielefeld gibt?

Man fährt irgendwo in Brackwede immer weiter und tiefer in ein Wohngebiet und steht dann plötzlich vor einem sehr großen Haufen Teslas mit Kennzeichen aus Berlin, Hannover und anderswo. Es sieht alles ein wenig improvisiert aus und genau so stellten wir uns auch das Innenleben eines Teslas vor. Denn jeder, dem wir im Vorfeld von der Probefahrt erzählten, warnte uns: Pass auf die Verarbeitungsqualität auf. Die ist ganz anders als alles, was wir gewohnt sind. Grausam. Billig. Abwendungswürdig.

Ganz anders, als das, was wir gewohnt sind, ist erst einmal der Einstieg. Wir haben uns das Model Y ausgesucht, weil wir alle Tesla-Karosserien nicht wirklich mögen – diese aber für uns noch am schicksten ist. Eigentlich wollten wir die Long Range-Variante fahren, aber da wir fünf Minuten zu spät waren, war ein anderer schneller – oder pünktlicher – und so mussten wir mit der Performance-Variante Vorlieb nehmen. Motto bei 3,7 Sekunden von null auf hundert: Die Letzten werden die Ersten sein.

Nachdem uns die immer noch sehr freundliche Tesla-Frau gezeigt hat, dass man den Türgriff erst drücken, dann ziehen muss, steigen wir ein, nehmen Platz und sitzen vor dem Lenkrad. Und sonst nichts. Kein Head-up-Display, kein Cockpit, kein Tacho, nichts. Dafür haben sie rechts neben uns ein Display hingenagelt, das genauso groß wie das unseres Notebooks ist: riesige 15 Zoll. An ihmlässt sich alles einstellen. Und das meint: wirklich alles. Das Handschuhfach? Nur über das Display zu öffnen. Langeweile beim Laden? Schau hier einfach deine Lieblings-Netflix-Serie.

Die perfekte Reiseroute mit dem Supercharger-Konzept, das deutsche Energie- und Autoriesen heute noch die Gesichtsfarbe in neidisches Grün wechseln lässt, einstellen? Genau hier und denkbar einfach eingestellt. Mehr Frischluft? Verschiebe einfach mit deinem Finger die Luft dahin, wo sie hingehört. Aber erst mal losfahren. Wählhebel auf D und losrollen. Ach was, losfahren? Viel besser: Losrasen. Wenn Ihre Kinder sich fragen, was sie werden sollen, raten Sie ihnen zum Orthopäden. Die Zahl der Menschen mit Halswirbelproblemen wird mit jedem verkauften Tesla steigen. Denn das, was da irgendwo unter uns, an jedem der vier Räder werkelt, bietet einen solch rasanten Antrieb, dass die Augen dahin wandern, wo sonst die Ohren sitzen. Der Hals mitsamt Wirbeln wird zur Schlangenform, das Herz verschluckt sich und das Hirn will hormonbesoffen nur mehrmehrmehr.

Wir jagen durch das Wohngebiet – die Anwohner kennen das schon –, wir sprinten auf die Autobahn und sind ein wenig sauer auf Miss Tesla. Irgendjemand hat hier den Spielverderber gespielt, die Spaßbremse eingebaut und den Wagen bei 145 abgeriegelt. Keine Ahnung, wo man das jetzt wieder freischaltet. Denn: Das Menü ist nicht wirklich selbsterklärend. Weil es einfach so viel mehr als jedes andere Auto kann und bietet. Wir ahnen aber,

wenn man sich damit befasst, sich durchklickt wie durch ein neues Handy, alles auf sich einstellt, dann werden Tesla und Fahrer schnell eins: dickste Freunde.

Die Reichweitenanzeige nennt uns 464 km und selbst bei flotter Autobahnfahrt wächst ihre Nase nicht pinocchio-gleich. Das schafft er. Und sein Long-Range-Bruder noch viel mehr. Vor allem lässt er damit die vielen deutschen Bewerber hinter sich. Wobei, eigentlich ist er selbst schon ein deutsches Auto. Wenn man ihn in Schwarz oder Weiß bestellt. Denn dann kommt er fast immer aus Brandenburg. Wer Grau wählt, erhält sein Model Y aus Shanghai. Erklärt uns Miss Tesla und will dann, aus Asien kommend, keine Gewähr für die Lieferzeit übernehmen.

Sonst aber ist der Wagen im Dezember da – und wir haben Oktober! Was die Mitbewerber ärgert, zaubert dem ein Grinsen ins Gesicht, der noch auf die Prämie hofft. Und überhaupt: wer erstmals Tesla fährt, lächelt. Weil alles so anders, manchmal ein wenig verrückt, aber alles andere als schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Autofahren neu gedacht, so fühlt es sich an. Und wenn Technik, die begeistert, nicht schon vergeben wäre, hier passte es. Und Freude am Fahren sowieso.

Bleibt am Ende nur die grauenvolle Verarbeitung. Bleiben die unlackierten Stellen, die riesigen Spaltmaße, das billige Plastik, die schlechte Federung, das laute Abrollgeräusch, das Gefühl, etwas Billi- ges zu fahren. All das? Haben wir nicht entdeckt, nicht so empfunden. Man musses wohl so sagen: Wenn ein Tesla aus Deutschland kommt, dann ist er ein verdammt gutes Auto. Ein sehr gutes sogar.Und ein hervorragend verarbeitetes. Das allemal.

Sind Sie schon einmal Tesla gefahren? – Nö.
Haben Sie sich die Videos dazu angeschaut? – Ja.

War gelogen. Als uns die freundliche Tesla-Frau auf die Probe gestellt hat, konnten wir einfach nicht die Wahrheit sagen. Wer weiß schon, dass man sich vor Probefahrten bei YouTube schlaumachen sollte? Und wer weiß überhaupt, dass es Tesla auch in Bielefeld gibt?

Man fährt irgendwo in Brackwede immer weiter und tiefer in ein Wohngebiet und steht dann plötzlich vor einem sehr großen Haufen Teslas mit Kennzeichen aus Berlin, Hannover und anderswo. Es sieht alles ein wenig improvisiert aus und genau so stellten wir uns auch das Innenleben eines Teslas vor. Denn jeder, dem wir im Vorfeld von der Probefahrt erzählten, warnte uns: Pass auf die Verarbeitungsqualität auf. Die ist ganz anders als alles, was wir gewohnt sind. Grausam. Billig. Abwendungswürdig.

Ganz anders, als das, was wir gewohnt sind, ist erst einmal der Einstieg. Wir haben uns das Model Y ausgesucht, weil wir alle Tesla-Karosserien nicht wirklich mögen – diese aber für uns noch am schicksten ist. Eigentlich wollten wir die Long Range-Variante fahren, aber da wir fünf Minuten zu spät waren, war ein anderer schneller – oder pünktlicher – und so mussten wir mit der Performance-Variante Vorlieb nehmen. Motto bei 3,7 Sekunden von null auf hundert: Die Letzten werden die Ersten sein.

Nachdem uns die immer noch sehr freundliche Tesla-Frau gezeigt hat, dass man den Türgriff erst drücken, dann ziehen muss, steigen wir ein, nehmen Platz und sitzen vor dem Lenkrad. Und sonst nichts. Kein Head-up-Display, kein Cockpit, kein Tacho, nichts. Dafür haben sie rechts neben uns ein Display hingenagelt, das genauso groß wie das unseres Notebooks ist: riesige 15 Zoll. An ihmlässt sich alles einstellen. Und das meint: wirklich alles. Das Handschuhfach? Nur über das Display zu öffnen. Langeweile beim Laden? Schau hier einfach deine Lieblings-Netflix-Serie.

Die perfekte Reiseroute mit dem Supercharger-Konzept, das deutsche Energie- und Autoriesen heute noch die Gesichtsfarbe in neidisches Grün wechseln lässt, einstellen? Genau hier und denkbar einfach eingestellt. Mehr Frischluft? Verschiebe einfach mit deinem Finger die Luft dahin, wo sie hingehört. Aber erst mal losfahren. Wählhebel auf D und losrollen. Ach was, losfahren? Viel besser: Losrasen. Wenn Ihre Kinder sich fragen, was sie werden sollen, raten Sie ihnen zum Orthopäden. Die Zahl der Menschen mit Halswirbelproblemen wird mit jedem verkauften Tesla steigen. Denn das, was da irgendwo unter uns, an jedem der vier Räder werkelt, bietet einen solch rasanten Antrieb, dass die Augen dahin wandern, wo sonst die Ohren sitzen. Der Hals mitsamt Wirbeln wird zur Schlangenform, das Herz verschluckt sich und das Hirn will hormonbesoffen nur mehrmehrmehr.

Wir jagen durch das Wohngebiet – die Anwohner kennen das schon –, wir sprinten auf die Autobahn und sind ein wenig sauer auf Miss Tesla. Irgendjemand hat hier den Spielverderber gespielt, die Spaßbremse eingebaut und den Wagen bei 145 abgeriegelt. Keine Ahnung, wo man das jetzt wieder freischaltet. Denn: Das Menü ist nicht wirklich selbsterklärend. Weil es einfach so viel mehr als jedes andere Auto kann und bietet. Wir ahnen aber,
wenn man sich damit befasst, sich durchklickt wie durch ein neues Handy, alles auf sich einstellt, dann werden Tesla und Fahrer schnell eins: dickste Freunde.

Die Reichweitenanzeige nennt uns 464 km und selbst bei flotter Autobahnfahrt wächst ihre Nase nicht pinocchio-gleich. Das schafft er. Und sein Long-Range-Bruder noch viel mehr. Vor allem lässt er damit die vielen deutschen Bewerber hinter sich. Wobei, eigentlich ist er selbst schon ein deutsches Auto. Wenn man ihn in Schwarz oder Weiß bestellt. Denn dann kommt er fast immer aus Brandenburg. Wer Grau wählt, erhält sein Model Y aus Shanghai. Erklärt uns Miss Tesla und will dann, aus Asien kommend, keine Gewähr für die Lieferzeit übernehmen.

Sonst aber ist der Wagen im Dezember da – und wir haben Oktober! Was die Mitbewerber ärgert, zaubert dem ein Grinsen ins Gesicht, der noch auf die Prämie hofft. Und überhaupt: wer erstmals Tesla fährt, lächelt. Weil alles so anders, manchmal ein wenig verrückt, aber alles andere als schlecht ist. Ganz im Gegenteil. Autofahren neu gedacht, so fühlt es sich an. Und wenn Technik, die begeistert, nicht schon vergeben wäre, hier passte es. Und Freude am Fahren sowieso.

Bleibt am Ende nur die grauenvolle Verarbeitung. Bleiben die unlackierten Stellen, die riesigen Spaltmaße, das billige Plastik, die schlechte Federung, das laute Abrollgeräusch, das Gefühl, etwas Billiges zu fahren. All das? Haben wir nicht entdeckt, nicht so empfunden. Man musses wohl so sagen: Wenn ein Tesla aus Deutschland kommt, dann ist er ein verdammt gutes Auto. Ein sehr gutes sogar.Und ein hervorragend verarbeitetes. Das allemal.

04/2022

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Samstagmorgen, Ende Oktober, Nebel liegt über den Feldern irgendwo zwischen den Ortschaften Muckum und Dono. Doch die Stille ist trügerisch.…

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