Von unten betrachtet sieht die Startrampe schon hoch aus, von hier oben aber wirkt der schmale Asphaltweg, der direkt nach der Startanlage kommt, noch etwas steiler. Oben bringt Dante Widdel sein BMX-Rad in Position, wartet auf das schrille Startsignal, ehe sich die Barriere, das sogenannte Gate, vor seinem Vorderrad blitzschnell absenkt und er lostreten kann.
Von unten betrachtet sieht die Startrampe schon hoch aus, von hier oben aber wirkt der schmale Asphaltweg, der direkt nach der Startanlage kommt, noch etwas steiler. Oben bringt Dante Widdel sein BMX-Rad in Position, wartet auf das schrille Startsignal, ehe sich die Barriere, das sogenannte Gate, vor seinem Vorderrad blitzschnell absenkt und er lostreten kann.
Das macht der sechsjährige Kirchlengeraner so gut und schnell, dass er mittlerweile in der BMX-Bundesliga mitfährt – und hier die Tabelle aktuell anführt. „Ich liebe es einfach, schnell zu fahren und mit dem Rad abzuheben“, erzählt der blonde Junge mit den Rastalocken, als er luftholend wieder im Zielbereich steht. Vor zwei Jahren hat er mit dem Sport BMX Race begonnen, ist einfach mit seinem größeren Bruder mit zur Anlage in Rödinghausen gefahren und war sofort infiziert. „Bei Dante gab es schon da kein Halten mehr“, erzählt dann auch Mutter Esther Widdel, die seitdem immer mehr Zeit auf BMX-Strecken, aber auch auf der Autobahn verbringt. „Anfangs waren die Rennen ja alle hier in der Umgebung. Aber jetzt fahren wir kreuz und quer durch Deutschland, damit Dante an möglichst vielen Bundesligarennen teilnehmen kann“, erzählt seine Mutter.
Ein Rennen besteht immer aus drei Vorläufen und einem Finale. Bereits bei der Startphase entscheidet sich häufig, wer am Ende als Erster die Ziellinie überquert. „Da musst du schnell sein und dich durchsetzen“, weiß der Sechsjährige, der hier, beim Training der Race Hawks Melle in Rödinghausen eher einer der Kleinsten ist. Auf der Strecke kommt es aber nicht auf Größe, sondern auch Schnelligkeit, auf Koordination und Kraftausdauer an. Am ersten Hügel heben direkt beide Räder ab, Dante fliegt weit, landet sanft und ist vor allem direkt wieder da, tritt in die Pedale und jagt auf die erste 180-Grad-Kurve zu, die es möglichst schnell zu durchfahren gilt.
Stürze? „Ja, die gibt es auch, das passiert schon mal. Deshalb trage ich ja den Helm und die Schutzkleidung unter den weiten Klamotten“, erzählt der Schüler der Forscherhaus Grundschule in Herford.
Nachdem er nur ein paar Mal mittrainiert hatte, war er seiner Trainerin schon aufgefallen. Wochen später startete er beim ersten Rennen und seitdem geht es mit seiner BMX-Karriere steil bergauf. So steil, dass bald schon ein neues BMX-Rad erworben werden muss, um weiterhin konkurrenzfähig zu sein. „Dieses hier haben wir gebraucht für ein paar hundert Euro gekauft. Das nächste wird eher ein paar Tausender kosten“, rechnet Esther Widdel vor. Nicht nur sie, auch der Verein könnte gut noch Sponsoren gebrauchen, die die Jungs und Mädels unterstützen, die hier fast täglich über die Anlage flitzen. Auf einer provisorischen Abstellfläche lagern die Trinkflaschen der BMX-Sportler, per Knopfdruck wird der hydraulische Startmechanismus betätigt – mehr Extras hat die Bahn nicht zu bieten. Dafür geht es aber in rasanter Fahrt über die Strecke, mal ist es wellig, pumpen sich die Fahrerinnen und Fahrer durch die Asphalt-Täler und über die kleinen Hügel, ehe der Schlusssprint ansteht.
Lange Zeit zum Durchatmen gönnen sich im Zielbereich aber nur die wenigsten. Meist geht es schiebend wieder direkt rauf auf den Starthügel und ab auf die Strecke. „Du bekommst davon irgendwie nicht genug“, sagt Dante, setzt sich den großen Helm auf die Rasta-Frisur und ist schon wieder verschwunden. „Das Gute an seinen Haaren ist, dass man ihn im Rennen immer sofort daran erkennt“, sagt seine Mutter. Dabei gibt es noch ein weiteres, gut sichtbares Merkmal: Wenn Dante im nächsten Jahr in der Bundesliga antritt, trägt sein Rad vorne ein goldenes Plate der Bundesliga.
Das hat er für den Gesamtsieg 2024 in seiner Altersklasse erhalten und darf es im kommenden Jahr bei allen Bundesligarennen tragen. Am Ende muss es dann verteidigt werden.
Für das große Ziel aber ist auch diese Nummer nicht entscheidend. „2026 finden in Australien die Weltmeisterschaften statt. Und genau für die will ich mich qualifizieren“, so der junge BMX-Fahrer aus Stift Quernheim. Dafür muss er vor allem im kommenden Jahr möglichst viele Qualifikationspunkte sammeln. „Ob das wirklich klappt, ist natürlich ungewiss. Aber wenn man national ganz vorne mitfährt, dann will man natürlich irgendwann auch international starten“, zeigt Mutter Esther volles Verständnis für die Ambitionen des Juniors. Dabei geht es schon jetzt immer mal wieder nach Belgien oder in die Niederlande, um internationale Luft zu schnuppern. „Die Kilometer, die wir für die BMX-Begeisterung unseres Sohnes jährlich fahren, zählt man besser nicht“, sagt sie noch, nimmt die Trinkflasche von Dante entgegen, der ein paar Augenblicke später schon wieder sein Rad auf den Starthügel schiebt, das Signal kaum erwarten kann und davonjagt.
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