Seit ein paar Wochen ist Ihre zweite Amtszeit gestartet, was sind jetzt die ersten Projekte, die Sie jetzt weiterführen und/oder starten möchten? Zunächst empfinde ich Dankbarkeit und auch Demut angesichts des Vertrauens, das mir erneut geschenkt wurde. Eine Wiederwahl mit einem solchen Ergebnis ist kein Automatismus – sie ist ein starkes Zeichen und zugleich Ansporn, Verpflichtung und Motivation. Rödinghausen ist und bleibt mein Herzensort, und mein Ziel ist es, dass unsere Gemeinde ein lebenswerter Raum für alle Generationen bleibt.
Seit ein paar Wochen ist Ihre zweite Amtszeit gestartet, was sind jetzt die ersten Projekte, die Sie jetzt weiterführen und/oder starten möchten?
Zunächst empfinde ich Dankbarkeit und auch Demut angesichts des Vertrauens, das mir erneut geschenkt wurde. Eine Wiederwahl mit einem solchen Ergebnis ist kein Automatismus – sie ist ein starkes Zeichen und zugleich Ansporn, Verpflichtung und Motivation. Rödinghausen ist und bleibt mein Herzensort, und mein Ziel ist es, dass unsere Gemeinde ein lebenswerter Raum für alle Generationen bleibt.
Ein zentraler Schwerpunkt zu Beginn meiner zweiten Amtszeit ist die konsequente Weiterführung und Vollendung wichtiger Infrastrukturprojekte. Dazu zählt vor allem der flächendeckende Glasfaserausbau. Die sogenannten „Weißen Flecken“ sind bereits geschlossen, und der privat-wirtschaftliche Ausbau schreitet erfreulich schnell voran und die meisten der dort vorgesehenen Haushalte konnten inzwischen erfolgreich aktiviert werden. Mit dem voraussichtlichen Baustart des „Grauen-Flecken-Programms“ im kommenden Jahr beginnt die letzte Phase der Erschließung. Damit senden wir ein klares Signal: Rödinghausen soll digital zukunftsfähig sein – und zwar nahezu flächendeckend.
Auch die Modernisierung unserer Gesamtschule bleibt ein zentrales Vorhaben. Seit 2022 modernisieren wir das Gebäude abschnittsweise, um den Unterrichtsbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. 2026 steht nun der letzte Bauabschnitt im C-Trakt an. Mit dieser Investition schaffen wir einen modernen, energetisch optimierten Lernort, der den Bedürfnissen unserer Kinder und Jugendlichen Rechnung trägt, aber auch den Ansprüchen der Lehrkräfte in jeder Hinsicht gerecht wird.
Ein weiteres Großprojekt ist der Bau eines dringend erforderlichen neuen Feuerwehrhauses mit geplanter Rettungswache im Norden der Gemeinde. Die bisherigen Standorte in Rödinghausen und Schwenningdorf sind baulich überholt, erfüllen heutige Anforderungen nicht ansatzweise und liegen strategisch ungünstig. Das aktuelle Provisorium der Rettungswache am Jugendgästehaus zeigt deutlich, wie dringend hier Handlungsbedarf besteht, aber auch wie wichtig ein örtlicher Standort für schnelle Hilfeleistung ist. Die Vorplanungen für eine kombinierte Feuerund Rettungswache laufen bereits. Dieses Projekt wird uns herausfordern und in den kommenden Jahren intensiv begleiten.
So wichtig diese Projekte sind: Die wirklich große, übergeordnete Herausforderung liegt bei den finanziellen Rahmenbedingungen der Kommunen. Die kumulierten Defizite lassen sich vor Ort allein nicht ausgleichen. Hier müssen Land und Bund endlich verlässliche und auskömmliche Finanzierungsgrundlagen schaffen. Nur wenn ein größerer Teil der bei uns erwirtschafteten Mittel tatsächlich vor Ort bleibt und der Grundsatz der Konnexität endlich wieder konsequent angewandt wird, also: Wer Aufgaben überträgt, muss sie auch finanzieren – dann können wir als Kommunen unsere Aufgaben dauerhaft und vollumfänglich erfüllen. Es geht dabei um nichts Geringeres als die Zukunft der kommunalen Selbstverwaltung, dem Herzstück unserer Demokratie.
Und wie sieht es mit dem Radverkehrskonzept aus? Auch das kochte 2024 hoch, scheint aber nicht mehr so brisant zu sein.
Das Radwegekonzept ist natürlich weiterhin ein sehr wichtiges Thema für uns. Wir sind inzwischen dabei, das Konzept Schritt für Schritt mit Leben zu füllen. Ein Bürgerradweg soll an der L557, besser bekannt als Hansastraße, im Bereich „Neue Mühle“ entstehen. Hierfür fand im November ein Abstimmungstermin mit dem Landesbetrieb Straßen NRW statt – mit positivem Ergebnis. Entgegen bisherigen Aussagen werden nun doch kurzfristig finanzielle Mittel von Straßen NRW zur Verfügung gestellt und eine entsprechende Vereinbarung zur Umsetzung des Bürgerradweges – interkommunal im Zusammenspiel mit Preußisch Oldendorf – soll geschlossen werden. Außerdem haben wir Anträge für sichere Übergänge bei den Straßenbaulastträgern gestellt. Zusätzlich haben wir einen Runden Tisch zum Thema „Sichere Schulwege“ organisiert. Aus den Ergebnissen sind Anträge an den Kreis Herford gestellt worden, die weiterbearbeitet werden – wie beispielsweise ein Tempolimit auf einem Teilstück der Ostkilverstraße. Als weitere konkrete Maßnahme wird der Rad-/ Gehweg zwischen Am Holtacker und dem Friedhof Schwenningdorf verbreitert. Mit diesen und weiteren Schritten sorgen wir dafür, dass unser Radwegekonzept nicht nur ein Papier bleibt, sondern sich nach und nach bemerkbar macht.
In wieweit wirkt sich die wirtschaftlich angespannte Lage aller Kommunen allgemein und in Rödinghausen im speziellen auf diese Pläne aus?
Ich hatte bereits im vergangenen Jahresinterview gesagt, dass wir alle den Gürtel enger schnallen müssen. Das ist auch nach wie vor der Fall. Aber das bedeutet nicht, dass wir keine Investitionen mehr tätigen werden. Wir werden weiterhin dort investieren, wo es sinnvoll ist und das mit Augenmaß: in unsere Infrastruktur, in unsere Bildungs- und Betreuungslandschaft und in die Sicherheit für unsere Bürgerinnen und Bürger.
Die Landesregierung hat jetzt ja finanzielle Mittel in Aussicht gestellt – allerdings wohl weniger als erwartet. Hilft das dennoch weiter?
Das Land NRW gibt an, 68 Prozent der Bundesmittel an die Kommunen weiterzuleiten – tatsächlich aber handelt es sich nur bei rund 47 Prozent um wirklich neue und zusätzliche Gelder. Diese Vorgehensweise fördert nicht das Vertrauen in eine verlässliche kommunalfreundliche Politik des Landes, sondern vor allem eines: Bürokratie. Anstatt die Kommunen eigenverantwortlich handeln zu lassen, werden erneut Fördertöpfe geschaffen, für die aufwändige Anträge gestellt und umständliche Verwendungsnachweise erbracht werden müssen. Das ist kein Zeichen des Vertrauens, sondern Ausdruck eines zentralistischen Steuerungswillens, der die kommunale Selbstverwaltung behindert. Das Investitionsprogramm ist ein Anfang, aber kein großer Wurf. Wenn das Land es wirklich ernst meint mit der Stärkung der Kommunen, dann braucht es endlich eine ehrliche, strukturelle Reform – und nicht nur das ständige Bekenntnis dazu, wie schwierig sie sei. Hand aufs Herz: Leicht kann jeder. Doch dieser Mangel an verantwortungsbewusstem Gestalten lässt die meisten Kommunen in NRW im Regen stehen. Wir brauchen dringend Lösungen und wieder eine verlässliche Finanzausstattung, die den tatsächlichen Aufgaben der Kommunen gerecht wird und die eine faire Beteiligung an den Steuereinnahmen, die vor Ort erwirtschaftet werden, zum Ziel haben muss.
Wie groß sind denn aktuell und mit Blick auf 2026 die Handlungsspielräume der Gemeinde generell. Was kann man sich erlauben, was eher nicht, obwohl es notwendig oder wünschenswert wäre?
Die in Aussicht gestellten Mittel des Landes mögen kurzfristig ein wenig Druck herausnehmen, sie lösen jedoch nicht das zentrale Problem der Kommunen in Nordrhein- Westfalen. Wir leiden nicht an einem einmaligen Engpass, sondern an einer strukturellen und seit Jahren bestehenden Unterfinanzierung. Genau deshalb helfen Sonderprogramme zwar punktuell, aber sie stabilisieren das System nicht.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während das Land NRW seine eigenen Schulden um 5,4 Milliarden Euro reduziert hat, sind die kommunalen Verbindlichkeiten allein im vergangenen Jahr um über sechs Milliarden Euro gestiegen, die Zukunftsaussichten sind entsprechend düster: Nur noch 2,5 Prozent der NRW-Kommunen bewerten ihre Haushaltslage als gut. Mehr als 300 Städte und Gemeinden – darunter auch Rödinghausen – sprechen von einer mangelhaften finanziellen Perspektive.
Trotzdem zeigen wir nicht nur mit dem Finger auf andere, sondern versuchen mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl dort anzupacken, wo sich auch bei uns noch Optimierungsansätze ergeben – und wir werden im Schulterschluss mit allen, die in Rödinghausen Verantwortung übernehmen – den Rahmen möglicher Spielräume erschließen und nutzen.
Mit dem Ergebnis der Kommunalwahl hat sich der Rat der Gemeinde doch deutlich verändert. Wie gestalten sich die ersten Wochen mit dieser neuen Konstellation?
Der Rat hat sich erfolgreich konstituiert. Die Fachausschüsse sind gebildet und besetzt, die Vorsitzenden stehen fest. Damit kann die politische Arbeit starten. Natürlich werden die Ratsmitglieder nicht immer einer Meinung sein – das ist gelebte Demokratie und gehört dazu. Wichtig ist nur, dass wir uns mit Respekt begegnen und im Blick behalten, dass es nicht um persönliche Interessen geht, sondern um das Wohl unserer Gemeinde. Ich wünsche mir, dass wir in den kommenden Jahren nicht nur nach Lösungen suchen, sondern auch bereit sind, sie zu finden. Und dass wir Entscheidungen treffen, die langfristig tragen – ökonomisch, ökologisch und sozial.
Zurück zum den vergangenen Wochen und Monaten. Was ist Ihnen beim Rückblick auf 2025 besonders in Erinnerung geblieben?
Wenn ich auf das Jahr 2025 zurückblicke, dann stehen für mich – neben den bedrückenden Kriegsschauplätzen dieser Welt und der erschreckenden politischen Entwicklung in den USA – sowohl die Bundestagswahl als auch der intensive Kommunalwahlkampf im Vordergrund. Vor allem aber bleiben jene Augenblicke haften, die mich persönlich tief bewegt haben – politisch wie privat. Sehr gerne denke ich dabei an meine deutliche Wiederwahl zum Bürgermeister der Gemeinde Rödinghausen zurück. Dieses klare Vertrauenssignal war für mich weit mehr als ein Wahlergebnis. Es fühlte sich an wie ein starkes Zeichen der Wertschätzung, über das ich mich wirklich gefreut habe. Zugleich gehörte in diesem Jahr aber auch das Abschied nehmen von mir sehr nahestehenden Menschen zu meiner Realität – Momente, die mich nachdenklich gemacht und zugleich daran erinnert haben, wie wichtig Nähe, Verbundenheit und gemeinsame Zeit sind.
Welche Themen sind 2025 in den Fokus gerückt, bzw. werden 2026 aktueller denn je?
Rödinghausen ist auf einem guten Weg, doch viele Entwicklungen sind noch nicht abgeschlossen. Besonders wichtig ist uns Glasfaseranbindung im Ort und die Digitalisierung. Schon heute können viele Anliegen online erledigt werden, und wir werden unser digitales Angebot für die Bürgerinnen und Bürger erweitern. Die Transformation innerhalb der Verwaltung und der Change hin zu noch mehr Bürgernähe ist bereits angestoßen.
Ein weiteres zentrales Zukunftsthema ist die kommunale Wärmeplanung, die wir vorantreiben. Gleichzeitig stehen die kommunalen Finanzen im Fokus. Der Haushaltsentwurf für 2026 wird voraussichtlich in der März-Sitzung des Gemeinderates eingebracht. Klar ist: Die Kommunen in NRW werden weiterhin nicht ausreichend für die Aufgaben finanziert, die sie übernehmen sollen. Trotzdem werden wir verantwortungsvoll wirtschaften und genau prüfen, wo wir mit Augenmaß sparen können, und haben dabei die Entwicklung der Gemeinde im Blick.
Auch 2025 haben die Volksfeste, Veranstaltungen wie Karneval und die Kulturprogramme gezeigt: Rödinghausen ist ein Publikumsmagnet. Was ist hier das Erfolgsgeheimnis und wie geht es 2026 damit weiter?
Das Erfolgsrezept von Rödinghausen ist hier ganz einfach: aktive und engagierte Menschen bringen Menschen zusammen. Auf dem Kilver Markt, beim Tag der Regionen, bei den Weihnachtsmärkten und bei den Festen in Bruchmühlen oder den beliebten Prunksitzungen – überall erleben wir, wie sehr diese Begegnungen unsere Gemeinde lebendig halten. Diese Feste gehören zur gelebten DNA Rödinghausens, und ich bin sicher, dass sie auch 2026 wieder ein voller Erfolg werden.
Aus aktuellem Anlass haben wir die Sicherheitskonzepte für große Volksfeste wie den Märkten und den Tag der Regionen überprüft und weiter verbessert. So schaffen wir die Voraussetzungen für unbeschwerte und gut organisierte Veranstaltungen. Auch das angesprochene Kulturprogramm lockt nicht nur Einheimische immer wieder nach Rödinghausen.
Ein echtes Highlight war für mich unsere Premiere von „Sport im Park“. Die sportliche Veranstaltung zeigt perfekt, was ich unter „Mehr miteinander möglich machen“ verstehe: Nur dank der Zusammenarbeit mit den Vereinen, dem Gemeindesportverband, dem Kreissportbund und etlicher Sponsoren wurde daraus ein voller Erfolg. Und natürlich bleibt es nicht bei der Premiere – „Sport im Park“ wird 2026 fortgeführt.
Gleiches gilt für unsere Ausbildungsmesse, die bereits zweimal erfolgreich stattgefunden hat. Sie bietet jungen Menschen wertvolle Einblicke in die beruflichen Möglichkeiten direkt vor Ort und den persönlichen Austausch mit Unternehmen.
Wie sind Ihre ganz persönlichen Erwartungen an 2026?
Meine persönlichen Erwartungen für das neue Jahr verbinde ich zuerst mit einem tiefen Wunsch: dem Wunsch nach Frieden. Ein Wunsch, den viele teilen – menschlich wie politisch. Ein Wunsch, der uns eint und doch nie selbstverständlich ist. Frieden muss immer wieder neugestaltet, behütet und gemeinsam erarbeitet werden. Umso mehr, weil wir lange daran gewöhnt waren, ihn als gegeben anzusehen – und nun schmerzlich erkennen, wie fragil diese Gewissheit geworden ist.
Es ist gleichzeitig der Wunsch nach einem Leben in Würde, Sicherheit und gegenseitigem Respekt – privat, gesellschaftlich und politisch. Und da braucht es mehr an Wahrheit, Transparenz und die Bereitschaft, die Menschen wirklich mitzunehmen. Und auch mehr Vertrauen in unsere starke Gemeinschaft, der wir ruhig mehr an Ehrlichkeit als bisher zumuten dürfen.
„Genau das aber brauchen wir wieder: mehr gegenseitiges Verständnis, mehr Zuhören, mehr Bereitschaft zu Kompromissen – und auch den Willen, sie wirklich finden zu wollen.“
Vielleicht zeigt sich aber die eigentliche Herausforderung unserer Zeit gerade auch darin, dass uns die Fähigkeit zuzuhören still und leise entglitten ist. Eine Folge davon: Polarisierungen führen dazu, dass Argumente gar nicht mehr gehört, sondern nur noch bekämpft werden. Jeder ist sofort zutiefst beleidigt, wenn der eigenen Meinung nicht vollumfänglich entsprochen wird und die eigene Position wird dabei sehr häufig auf das Schild der Moral gehoben. Positionen verhärten sich, weil kaum jemand bereit ist, innerlich einmal den Stuhl zu wechseln und die Perspektive des anderen einzunehmen. Genau das aber brauchen wir wieder: mehr gegenseitiges Verständnis, mehr Zuhören, mehr Bereitschaft zu Kompromissen – und auch den Willen, sie wirklich finden zu wollen.
Wenn uns das gelingt, dann wird 2026 ein Jahr, in dem mehr miteinander möglich machen nicht nur eine politische Formel bleibt. Dann wird es zu einer Haltung, die uns hier vor Ort und auch unser Land zusammenführt mit mehr Sicherheit, in sozialer Verantwortung und im respektvollen Miteinander aller Generationen.
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