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Schwimmmeister Martin Kretschmar leitet das Freibad Hiddenhausen

Der Mann mit dem Überblick

Wer durch das Drehkreuz am Hiddenhauser Freibad geht, kann auf eine persönliche Begrüßung setzen. Nicht nur ein freundliches Kopfnicken, sondern meist wünscht Martin Kretschmar einen schönen Tag, kennt und nennt den Vornamen seines Gegenübers. „Hier ist alles doch sehr familiär. Wenn man das so lange macht wie ich, dann kennt man die, die hierherkommen“, erzählt der gerade mal 36-Jährige, der seit 2016 das Freibad als Schwimmmeister leitet.

Wer durch das Drehkreuz am Hiddenhauser Freibad geht, kann auf eine persönliche Begrüßung setzen. Nicht nur ein freundliches Kopfnicken, sondern meist wünscht Martin Kretschmar einen schönen Tag, kennt und nennt den Vornamen seines Gegenübers. „Hier ist alles doch sehr familiär. Wenn man das so lange macht wie ich, dann kennt man die, die hierherkommen“, erzählt der gerade mal 36-Jährige, der seit 2016 das Freibad als Schwimmmeister leitet.

Dabei ist er ganz anderes gewohnt. In dem Bad in Nordhorn, in dem er gelernt hat, waren zu Spitzenzeiten fast 10.000 Gäste in Becken und auf den Wie sen – in Hiddenhausen sind es maximal 850. „Da bringt mich so schnell nichts mehr aus der Ruhe“, erzählt der große Mann mit dem Vollbart, der meist im blauen Poloshirt am Beckenrand steht und zwei wachsame Augen auf die Schwim merinnen und Schwimmer wirft. Vollständig beschrieben ist sein Aufgabenbereich damit aber noch lange nicht.

Auch das Nehmen und Analysieren von Wasserproben gehört zu den Aufgaben des Badleiters.

„Es gibt ja das landläufige Vorurteil, dass wir Schwimmmeister immer in der Sonne sitzen und den Mädels hinter herschauen.“

„Was aber wirklich hinter dem Beruf steht, mit welch einer Verantwortung er verbunden ist, wissen und ahnen nur wenige“, erzählt Martin Kretschmar und kann dennoch drüber schmunzeln. Sein Arbeitstag startet weit vor dem Eintreffen der ersten Früh schwimmgruppe. Und auch wenn das Bad schließt, ist längst noch kein Feierabend. Selbst nachts war er schon im Freibad, denn er wohnt direkt nebenan – und bekommt so mit, wenn nachts die kommen, die Nervenkitzel und Abkühlung suchen. „Aber das wird immer seltener. Hat sich doch rumgesprochen, dass ich hier direkt wohne und einen leichten Schlaf habe“, so der Badleiter lachend. Aber auch wenn er Nacht und manches Mal auch Nacktschwimmer antrifft, dann hält er es so wie immer, wenn Probleme auftauchen: Erst einmal reden, auf Verständnis setzen, die Polizei aus dem Spiel lassen. Das kommt an. Und wirkt. Auch sonst setzt Kretschmar vor allem auf eins: Gelassenheit. Was wohl daran liegt, dass er schon viel erlebt hat. Als Kind und Jugendlicher schwamm er im Leistungssportbereich, ging schon mit 18 Jahren aus der Heimat in Görlitz an der polnischen Grenze nach Nordhorn und wusste: Das hier, das ist mein Traumberuf. Der Liebe wegen ging es weiter in den Kreis Herford, wo er erst in einem anderen Bad, dann im Hiddenhauser Freibad landet. Apropos Liebe: es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. „Man muss sich hier nur umschauen. Der nahe Wald, die Liegewiese, das Überschaubare, das überzeugt doch einfach“, so Martin Kretschmar. Dass bei all der Arbeit, beim Betreuen derer, die sich Knie aufgeschürft haben, etwas übermütig vom Beckenrand gesprungen sind, beim Rückschnitt der Hecken und dem Überprüfen der Wasserqualität das eigene Schwimmtraining etwas kurz ist, stört dann nur kurz. „Eigentlich findet sich immer mal wieder Zeit – entweder früh morgens oder abends, wo ich in die Badehose schlüpfen und ein paar Bahnen ziehen kann“, sagt der 36 Jährige, der sich vor allem im Bruststil zuhause fühlt, aber auch als Schwimmallrounder bezeichnet.

Dass er während seiner Dienstzeit ins Wasser springen muss, ist sehr selten. Dabei stellt auch er fest, dass immer mehr Badbesucher nicht schwimmen können. „Wir schieben das teilweise auf den Corona-Effekt und sehen jetzt einen hohen Nachholbedarf bei den Schwimmkursen, die wir anbieten und die meist alle ausgebucht sind. Aber allein daran kann es nicht liegen“, so Kretschmar nachdenklich. Also haben er und seine Kollegen die, die nicht schwimmen können, aber doch abtauchen wollen, noch stärker im Blick. Doch Gefahren lauern nicht nur im und unter Wasser. Drei Mal musste Martin Kretschmar schon Menschen reanimieren – einen davon unter der Dusche. Auf die Frage, ob es geklappt habe, versteinert sich das Gesicht des ansonsten häufig lachenden Erstretters. „Zweimal ja, einmal nein“, so die knappe Antwort.

Vielleicht sind diese besonderen Situationen, das Arbeiten am Wochenende und im Schichtdienst die Dinge, die viele die Ausbildung nicht abschließen, den Job wechseln lassen. Was Martin Kretschmar nicht wirklich verstehen kann. „Man ist hier immer an der frischen Luft, begegnet Menschen, die den Aufenthalt hier genießen – und das auch zeigen.

Wenn ich hier unsere beiden Frühschwimmergruppen sehe, die bei Geburtstagen am Beckenrand stehen und ein selbst getextetes Ständchen bringen, die jeden Monat ein Frühstück veranstalten, bei dem auch für uns mal Brötchen abfallen, dann muss ich sagen: eigentlich gibt es keine schönere Aufgabe.

Bleibt am Ende nur die Frage, was Martin Kretschmar macht, wenn das Bad Ende September schließt. Die Antwort überrascht dann doch: er wechselt von der Sonne in die Kälte. „Dann fahre ich in der Herforder Eishalle mit der Eismaschine und sorge für frisches Eis für Eishockeyspieler und Hobbyläufer – als echten Kontrast zur Arbeit in der Sonne.“

August 2023

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