Stefan Bulk gehört, rein organisatorisch gesehen, der Vogelwarte Helgoland an. Und doch sitzt er an diesem Donnerstagnachmittag vor dem Feuerwehrmuseum in Häver und wendet den Kunststoffring in seinen Händen, mit dem er in diesem Jahr das letzte Storchenküken beringen will.
Stefan Bulk gehört, rein organisatorisch gesehen, der Vogelwarte Helgoland an. Und doch sitzt er an diesem Donnerstagnachmittag vor dem Feuerwehrmuseum in Häver und wendet den Kunststoffring in seinen Händen, mit dem er in diesem Jahr das letzte Storchenküken beringen will. „Wir bekommen immer eine bestimmte Anzahl an solchen Ringen, die mit einem Code versehen sind, der auch aus der Ferne, mit Fernglas oder Teleobjektiv, gut zu erkennen ist,“ erzählt der Ornithologe, der sich seit Jahrzehnten für die Störche im Kreisgebiet einsetzt. Genau drei Vogelwarten gibt es in ganz Deutschland, die diese Ringe ausgeben und bei einer Sichtung kontaktiert werden sollten. „Und auch wenn es ungewöhnlich klingt, ist eben die in Helgoland auch für Ostwestfalen mit zuständig“, erzählt Stefan Bulk und steigt in den Korb der Hebebühne, die das Kirchlengeraner Unternehmen Arbeitsbühnen Bollmeyer nun schon seit Jahren kostenlos für diese Zwecke zur Verfügung stellt.
Schnell sind die vielen Höhenmeter überwunden, die den Boden von dem Nest trennen, aus dem ein Alttier die Aktion erst kritisch beäugt, ehe es dann doch davonfliegt. Zurück bleibt ein Jungtier, das sich instinktiv geduckt hinlegt. „Echten Stress bereiten wir ihm nicht, wenn wir schnell arbeiten“, sagt Bulk und setzt den Ring mit der Codierung 5V604 an, der den Storch nun sein Leben lang begleiten wird. Schnell noch den Schnabel reinigen, das Tier einmal anheben und feststellen, dass er „in einem wirklich guten Zustand und wohl genährt ist“, so der Fachmann. Dann nimmt er noch ein Ei mit, das nicht ausgebrütet, wurde und die Gondel kann sich wieder zurück zur Erde bewegen.
„In den kommenden Tagen wird das Jungtier, das anfangs noch ein Geschwisterkind hatte, mit den ersten Flugübungen beginnen und dann erstmals abheben“, erklärt Stefan Bulk, als er wieder am Boden angekommen ist und sich mit Bürgermeister Rüdiger Meier austauscht, der ebenfalls mit der Gondel zum Horst hochfahren und sich den neuen, gefiederten „Bürger Kirchlengerns“ anschauen wird. Bereits zum zweiten Mal ist so eine Aufzucht in Quernheim gelungen, nachdem auch im Vorjahr ein Storchenjunges großgezogen wurde. „Damals hatte ich keinen Ring mehr übrig“; so Bulk, der nun von insgesamt 11 Brutpaaren und 22 Jungtieren im Kreisgebiet spricht. „Wenn man sich hier in Häver aus luftiger Höhe umschaut, dann sieht man, wie perfekt dieser Ort für ein Storchenpaar ist“, so der Ornithologe, der hofft, dass das Jungtier auf seinen Wegen immer mal wieder beobachtet und seine Ringcodierung und die genau Position an die Vogelwarte in Helgoland weitergegeben wird.
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