Es sind nur ein paar Treppenstufen. Aber das, was der Besucher dann betritt, scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Und richtig, wer Dr. Dieter Scheuer besucht, betritt nicht nur ein ganzes Kellergeschoss voller cineastischer Geschichte, sondern ein vergangenes Jahrhundert. „Das hier ist meine allererste Fotokamera – die habe ich mir mit 12 Jahren für 30 Mark gekauft. Das war damals unglaublich viel Geld“, erzählt der heute 85-Jährige weiter, als er vor einer seiner Vitrinen steht, in denen sich historische Foto- und Videokameras drängen.
Es sind nur ein paar Treppenstufen. Aber das, was der Besucher dann betritt, scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Und richtig, wer Dr. Dieter Scheuer besucht, betritt nicht nur ein ganzes Kellergeschoss voller cineastischer Geschichte, sondern ein vergangenes Jahrhundert. „Das hier ist meine allererste Fotokamera – die habe ich mir mit 12 Jahren für 30 Mark gekauft. Das war damals unglaublich viel Geld“, erzählt der heute 85-Jährige weiter, als er vor einer seiner Vitrinen steht, in denen sich historische Foto- und Videokameras drängen.
Ein paar Meter weiter: unausgepackte Video-Leerkassetten, Filmrollen in den Formaten 35, 16 und 8 mm. „Damit hat meine Leidenschaft für das Filmen begonnen“, sagt der ehemalige Gynäkologe und greift zu einer 8-mm-Kamera. Mit ihr filmte er erst bei Familienfeiern, ehe er auf dem Schulweg den damaligen Inhaber des Kinos in Kirchlengern traf. Der Dialog soll sich so zugetragen haben: Fahren Sie nach Kirchlengern? Ja. Können Sie mich mitnehmen? Natürlich. Und als sie dann so im Auto saßen, kam die Sprache irgendwann auf die Film-Leidenschaft, die beide längst erfasst hatte. Man müsste mal einen Film über unser Schützenfest drehen. Sagte der eine. Das dürfte ja kein Problem sein. Entgegnete Dieter Scheuer, der damals das Gymnasium in Bielefeld besuchte. Ein paar Tage später trafen sie sich im Kino, Scheuer brachte seinen Projektor mit und stand vor der Herausforderung, 22 Meter zwischen Film und Leinwand überbrücken zu müssen. „Ein 8-mm-Film ist gerade mal 4,8 mm breit, die Leinwand hatte eine Breite von 4,80 Meter. Da hat man schnell ein Gefühl, was das technisch bedeutete“, rechnet der Filmemacher heute noch vor. Das Experiment glückte, ein paar Wochen später fand sich Dr. Scheuer mit seiner Bolex-Filmkamera auf dem Schützenfest wieder und hielt fest, was nun wieder aus dem Archiv gezogen, bei einer Matinee gezeigt wird. „Hier kommen immer mal wieder Menschen vorbei, die sich für die alten Filme interessieren. Da war irgendwann die Idee geboren, sie noch einmal in einem etwas größeren Rahmen zu zeigen“, erzählt Dr. Dieter Scheuer. Am 14. Januar ist es so weit, dann werden noch ein paar Stuhlreihen mehr ins Kino Lichtblick geschoben, um all denen, die sich dafür interessieren, einen Platz in einer sehr besonderen Vorführung bieten zu können. Neben dem gut 20-minütigen Film über das Schützenfest werden auch drei Filmrollen über das alte Südlengern in den Bolex M8-R Projektor gespannt, den Dr. Scheuer aus seinem Filmkeller mitbringen wird. Archiviert hat er diese Filme in lichtdichten Filmrollen aus Metall, hat sie kühl gelagert und natürlich auch auf das VHS-Format überspielt, „aber wenn man wirklich in die Filmgeschichte eintauchen will, dann ist das Abspielen mit einem 8-mm-Projektor die einzig richtige Variante“, so der 85-Jährige.
Wer sich in seinem Keller herumführen lässt, wer nicht nur auf dem ausladenden Sofa Platz nimmt, die stilecht vor ihm stehenden Salzletten bestaunt, der landet irgendwann auch im Vorführraum. Da drängen sich Projektoren von winzig bis riesengroß, herausgekauft aus dem Nachlass eines großen Kinos und immer noch bestens in Schuss. Dr. Scheuer kennt jeden Knopf, jeden Handgriff, mit dem sie bedient werden wollen. Ein paar Meter weiter ein Schneidetisch, der seinem Namen noch alle Ehre macht. Mit Schere, Schneidemaschine und Tesafilm setzt Dr. Scheuer hier zusammen, was er auch heute noch auf Film dreht, entwickeln lässt. Eine Tür weiter: die eigene Werkstatt, in der der Gynäkologe im Ruhestand auch mal zum Lötkolben greift, wenn ein Projektor nicht mehr so möchte, wie er vor vielen Jahren noch sollte. „Das Schöne an der Technik von damals ist ja, dass der Anteil an Elektronik noch überschaubar ist – da kann man noch vieles selber machen“, so Dr. Scheuer. Der wird am 14. Januar auch selbst zum Mikrofon greifen, die Zuschauer nicht nur persönlich begrüßen, sondern ihnen auch erzählen, wie die Aufnahmen damals zustande gekommen sind. Aufregung, Lampenfieber gar? Verspürt er nicht. Nur Vorfreude. Und die Hoffnung, dass möglichst viele Junggebliebene kommen, um sich die Filme, die einer komplett anderen Zeit entstammen, anzusehen. Und wenn es mehr Interessenten als Plätze gibt? „Dann zeigen wir sie einfach noch einmal. Die Technik ist ja schnell aufgebaut“, sagt Dr. Scheuer. Und muss nicht mal lachen.
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