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Heimatgeschichte kann man in unserer Gemeinde ganz unterschiedlich entdecken

Einsteigen zur Zeitreise

Sechs Dörfer. Viele Möglichkeiten. Und jede Menge Geschichte und Geschichten. Hiddenhausens Vergangenheit ist voller Interessantem und Erinnerungswertem. Wer diese Vergangenheit entdecken möchte, kann sie entweder „erlaufen“ oder sich selbst in alten Dokumenten „erlesen“. Wie das vor sich geht und was einen erwartet? Das HIER Team hat nachgeforscht und sich auf Spurensuche gemacht.

Alt und neu direkt beieinander: Sven Gerling zeigt, wie der Uhrenturm früher ausgesehen hat.

Sechs Dörfer. Viele Möglichkeiten. Und jede Menge Geschichte und Geschichten. Hiddenhausens Vergangenheit ist voller Interessantem und Erinnerungswertem. Wer diese Vergangenheit entdecken möchte, kann sie entweder „erlaufen“ oder sich selbst in alten Dokumenten „erlesen“. Wie das vor sich geht und was einen erwartet? Das HIER Team hat nachgeforscht und sich auf Spurensuche gemacht.

Sven Gerling ist in seinem Element. Über 100 Follower hängen an seinen Lippen. Nicht auf Facebook, sondern live bei seinem Dorfspaziergang in Lippinghausen. Er zeigt auf den MeyLip Uhrenturm, erzählt über das längst verschwundene Kontorhaus, lässt historische Fotos die Runde machen. Sofort werden bei den „Spaziergängern“ jede Menge Erinnerungen wach. Da war doch mal was … stimmt, so sah das hier früher aus. Noch ein paar Erklärungen zu Details, eine kurze Frage, schon zieht die Geschichtskarawane weiter.

Zu Fuß durch die Dorfhistorie

Seit März 2025 ist der gebürtige Hiddenhauser, der in Lippinghausen zuhause ist, mehrmals im Jahr mit seinen Dorfspaziergängen unterwegs. Wie alles begann? „Heimatgeschichte hat mich schon immer fasziniert, und ich habe auch bereits Stadtführungen in Herford gemacht. Im Frühjahr 2024 kam mir dann die Idee, so etwas auch in Hiddenhausen anzubieten“, blickt Sven Gerling zurück. Kurzerhand nahm er Kontakt zu Ulrike Bleimund von der Gemeindeverwaltung auf. Die ist im Rathaus nicht nur für die Pressearbeit, sondern auch für den Denkmalschutz zuständig. Ein Konzept wurde entwickelt, ein Testlauf gestartet und im März vergangenen Jahres konnte es dann losgehen. „Ich erinnere mich noch ganz genau. Es war der 23. März. Ein bedeckter Sonntagmittag. Um kurz nach halb 2 stand ich ganz alleine an unserem Treffpunkt am Sportplatz in Lippinghausen“, schmunzelt Sven Gerling: „Doch dann ging es Schlag auf Schlag. Um 2 Uhr waren über 100 Leute da. Ein wirklich toller Auftakt.“

Auch 2026 große Resonanz

Mittlerweile sind die Dorfspaziergänge aus Hiddenhausen nicht mehr wegzudenken. Jeder Spaziergang beschäftigt sich mit einem der Dörfer und gibt einen Eindruck davon, wie es hier früher aussah und wie man im Dorf lebte und arbeitete. Die Wegstrecke ist überschaubar, maximal zwei Kilometer, das Gehtempo ist genau wie die Stimmung entspannt. Erfahrungsgemäß kommen circa 75% der Teilnehmenden aus dem jeweiligen Dorf, 20% aus den anderen fünf Dörfern und 5% von außerhalb. Die Dorfspaziergänge sind also ein typisch lokales Phänomen. Sie beweisen, dass das Interesse an Heimatgeschichte in unserer schnelllebigen Zeit weiterhin da ist. Das Mitlaufen ist kostenlos.

Bilder sagen mehr als Worte

Bilder im Kopf aufbauen, Erinnerungen zum Leben erwecken – das ist das Ziel von Sven Gerling. „Dafür nutze ich gezielt alte Fotos, die ich vorab auswähle und dann an den einzelnen Stationen der Spaziergänge einsetze“, berichtet er: „Erzählen kann man schließlich viel, aber so wird das Vergangene erst wirklich vorstellbar.“

Jennifer Kröger (links) und Sarah Brünger (rechts) sichten im Lesesaal des Kommunal- archivs historische Unterlagen

Seit 2023 ist Sven Gerling geprüfter Gästeführer, Mitglied im Verein der Herforder Gästeführer und im Bundesverband der Gästeführer Deutschlands. Von daher weiß er, dass Recherche und Vorbereitung das A und O sind. Beides dauert für jeden Dorfspaziergang mehrere Wochen. Möglich ist dies alles für ihn nur mit einer großen Portion Idealismus – und weil seine Familie viel Verständnis für sein zeitintensives Hobby aufbringt und ihn bei den Spaziergängen auch tatkräftig unterstützt.

Stammgast im Kommunalarchiv Herford

„Im Internet findet sich leider relativ wenig über das „alte“ Hiddenhausen, ich durchforste viel Literatur, spreche mit Zeitzeugen … und bin quasi Stammgast im Kommunalarchiv Herford,“ gibt er einen Einblick in seine Recherchetechnik.

Kommunalarchiv Herford? Was hat das mit Hiddenhausen zu tun? Nun ja. Hier befinden sich seit 2008 die Bestände des ehemaligen Hiddenhauser Gemeindearchivs. Womit wir schon beim zweiten Teil unserer Forschungsreise zur Geschichte unserer sechs Dörfer wären. Also: Tschüß, Sven Gerling, dir weiter viel Spaß und Erfolg, und auf ins Kommunalarchiv Herford.

Ganz viel Geschichte an einem Ort

Ortswechsel. Ein regnerischer Montagvormittag mitten in Herford. Jennifer Kröger und Sarah Brünger erwarten das HIER Team in der Amtshausstraße 2. Rund drei Regalkilometer Dokumente lagern hier geschützt vor dem Zahn der Zeit, vor Schädlingen, Staub und Feuchtigkeit. Darunter auch knapp hundert Meter Unterlagen aus Hiddenhausen. „Laut Archivgesetz ist unsere Aufgabe schlicht und einfach die Dokumentation der Geschichte,“ erläutert Jennifer Kröger, seit knapp vier Jahren Leiterin des Kommunalarchivs: „Archivwürdiges amtliches Schriftgut wird von uns genauso verwahrt wie solches aus privaten Quellen, dazu Fotos, Karten, Pläne und ganze Zeitungsjahrgänge.“

Volle Konzentration ist bei der fachgerechten Reinigung von Archivalien an einer speziellen Werkbank gefragt.

Die Dokumente füllen mehrere Magazine, insgesamt acht Kolleginnen und Kollegen kümmern sich um die Bestände und eintreffende Neuzugänge. Das beginnt mit der Restaurierung eingehender Unterlagen und reicht bis zum zeitintensiven Füttern der archivinternen Datenbank. Dazu kommt: Nach und nach werden viele der Archivalien auch digitalisiert und auf dem Portal „Archive in Nordrhein-Westfalen“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Also gut wegsortiert: Jennifer Kröger und Sarah Brünger gewähren einen tiefen Einblick ins Kommunalarchiv.

Blick zurück über Jahrhunderte

Sarah Brünger ist schon seit 2013 Archivarin im Kommunalarchiv und besonders mit den Beständen aus Hiddenhausen befasst. Sie öffnet eine der zahllosen Schutzmappen. „Zu den ältesten Archivalien zählen die Consbruch-Urkunden. Manche von ihnen stammen aus dem 15. Jahrhundert,“ erklärt sie und erlaubt uns den Blick auf eine der Urkunden: „Die Consbruch-Urkunden sind eine wichtige Quelle für Heimatforscher und Historiker, beinhalten sie doch einzigartige Aufzeichnungen zu Verwaltungssachen, gutsherrlichen Rechten sowie Grundstücksangelegenheiten.“

Der erste Einstig in die Recherche beginnt oft am PC über Findbücher

Ein Paradies für Geschichtsinteressierte

Für alle, die sich selbst über ein bestimmtes Thema oder eine einzelne Epoche in Hiddenhausens Historie informieren möchten, ist das Kommunalarchiv ein Muss. Sein Lesesaal beherbergt eine Fülle an Sekundärliteratur zur Geschichte Herfords, des Kreis Herford, der Stadt Enger und der Gemeinde Hiddenhausen. Dieser Lesesaal ist für jede und jeden zugänglich. Auch Sven Gerling hat hier schon so manche Stunde seiner Freizeit verbracht.

Kniffliger wird es allerdings dann, wenn es ins Detail geht. Familien- und Ahnenforschung, überliefertes Wissen mit offiziellen Dokumenten abgleichen, Material für eine Bachelor- oder Masterarbeit sammeln – mehr als 600 solcher und ähnlicher Anfragen erreichen das Kommunalarchiv Herford jedes Jahr. Dann steigen Jennifer Kröger, Sarah Brünger und ihre Kolleginnen und Kollegen hinab in die Tiefen der Magazine und fördern das zutage, was das Archiv zu diesem Thema hergibt. Der Fairness halber muss aber gesagt werden: Was sie machen, ist lediglich eine erste Suchhilfe für die weitere Selbstsuche – und eine Wir-findenetwas- Garantie können sie nicht geben.

Und noch etwas gehört zum Auftrag des Kommunalarchivs: die historisch-politische Bildung. Deshalb veranstaltet es regelmäßig Workshops und Projekttage mit Schulen, auch Praktikantinnen und Praktikanten sind immer wieder im Archiv vor Ort – auch von der Olof-Palme-Gesamtschule.

Vorsichtig, bitte! Mit Handschuhen wird dieses alte Schriftstück der Öffentlichkeit präsentiert.
In Herford untergebracht: Historische Hiddenhauser Dokumente.

Heimatgeschichte hat viele Seiten. Die offizielle, die inoffizielle und oft auch die alternative. Institutionen wie das Kommunalarchiv Herford und Menschen wie Sven Gerling ermöglichen Ihnen eine Zeitreise in das Hiddenhausen, so wie es früher war. Also: Entdecken Sie unsere Gemeinde neu. Durch einen Blick zurück.

3 Fragen an Sven Gerling - Gästeführer in Hiddenhausen

Was treibt Sie an?

Die Beschäftigung mit Regionalgeschichte macht mir einfach einen riesigen Spaß. Diesen Spaß möchte ich anderen Menschen vermitteln und sie so für unsere Heimat begeistern.

Was ist besonders an den Dorfspaziergängen?

Bei den Dorfspaziergängen treffen sich oftmals Menschen, die sich manchmal Jahrzehnte nicht gesehen haben. Insofern ist jeder Spaziergang nicht nur Geschichte „im Vorbeigehen“, sondern ein echter Ort der Begegnung.

Gibt es schon neue Projekte für die Zukunft?

Ja. Ende des Jahres starte ich mit der VHS Vorträge zu spannenden Themen, die „dorfübergreifend“ sind – und sich deshalb nicht so gut für einen Spaziergang in einem bestimmten Dorf eignen. Hier können dann auch Menschen, die sich den Dorfspaziergang zu Fuß nicht mehr zutrauen, Hiddenhauser Geschichte ganz bequem und hautnah erleben.

DORFSPAZIERGÄNGE 2026

Sundern – exklusiv Sonntag | 12. Juli 2026 | 14:00 Uhr bis 15:30 Uhr Treffpunkt: Evangelische Kirche Sundern

Eilshausen – Denkmaltour Sonntag | 13. September 2026 | 11:00 Uhr bis 12:30 Uhr Treffpunkt: Evangelische Kirche Eilshausen

Lippinghausen – das Bauerndorf Sonntag | 08. November 2026 | 14:00 Uhr bis 15:30 Uhr Treffpunkt: Sportplatz Lippinghausen

Die Teilnahme ist kostenlos. Bitte seien Sie einfach pünktlich am Treffpunkt. Mehr unter: hiddenhausen.de/Kultur/Dorfspaziergänge

IHR KONTAKT ZUM KOMMUNALARCHIV

Sie möchten eine Suchanfrage an das Kommunalarchiv Herford stellen? Am einfachsten geht das per E-Mail an: kommunalarchiv@kreis-herford.de

Sie finden das Archiv im Kreishaus an der Amtshausstraße 2, 32051 Herford.

Öffnungszeiten des Lesesaals: Montag bis Freitag, 08:30 Uhr bis 12:30 Uhr Montag bis Donnerstag, 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Weitere interessante Info-Quellen: Auf dem Online-Portal „Archive in Nordrhein- Westfalen“ finden Sie das Kommunalarchiv unter archive.nrw.de/kommunalarchiv-herford

Einen digitalen Zugang zu rund 20 Millionen Lokalzeitungsseiten ermöglicht Ihnen das Zeitungsportal „Zeitpunkt NRW“ unter zeitpunkt.nrw

Text: Gemeinde Hiddenhausen Fotos: Tobias Heyer / HOCH5

02 / 2026

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