Ist der Wahnsinn. Sagt die, die auf dem Gut Wilhelmsdorf, man darf es so sagen, den Hofladen rockt. Jahrelang verkaufte hier ein Pächter, aber jetzt, wo nebenan auf dem großen Hof mit Friederike, Maike, Jan und Caro die im wahrsten Sinne des Wortes kommende Generation langsam das Ruder in die Hand nimmt,
Die Augen sind ein wenig kleiner als sonst. Was kein
wirkliches Wunder ist. Die vergangenen Wochen?
Viel Arbeit.
Wenig Schlaf.
Aber sie lachen.
Also die Augen.
So wie das ganze Gesicht von Friederike Hegsel.
Die steht hinter der Käsetheke, sucht aus, berät,
schneidet ab und auf und ist in ihrem Element.
Ist der Wahnsinn. Sagt die, die auf dem Gut Wilhelmsdorf, man darf es so sagen, den Hofladen rockt. Jahrelang verkaufte hier ein Pächter, aber jetzt, wo nebenan auf dem großen Hof mit Friederike, Maike, Jan und Caro die im wahrsten Sinne des Wortes kommende Generation langsam das Ruder in die Hand nimmt, die Kühe bei den Hörnern packt, war es an der Zeit, einen großen Strich zu ziehen. Wenn schon Ökoland wirtschaft, dann auch richtig. Dann nicht nur mit eigenem Liefer dienst, mit rund 200 Kühen, eigenen Kartoffeln und bald schon mit Bienen, Honig und Käse. Sondern auch mit einem Hofladenkonzept, das nicht fremdgesteuert, sondern das Herz auf dem Hof ist.
Eine Woche blieb, um aus dem, was war, das zu machen, was wird. Alles rausreißen, alles neu streichen, putzen, in Schuss bringen, Regale aufstellen, Kühlbereiche einrichten, den Hof pflastern, Schilder anbringen, Gemüsekisten stapeln, Lebensmittelauf kleber bestellen, Wasserrohrbruch abdichten, Wände einreißen, alles und noch viel mehr Neues einsortieren und dann hoffen: Kommen viele? Zum ersten Tag, zur Eröffnungsfeier, immer wieder? All das an sehr, sehr langen Tagen. Und in ebenso kurzen Nächten. Es packten alle mit an. Und alle meint nicht nur die, die hier arbeiten. Sondern alle, deren Herz für das Projekt, das Gut, den Hofladen schlägt. Eltern, Freunde und Freundesfreunde packten mit an und sorgten dafür, dass Friederike am ersten Tag nicht direkt hinter der Käsetheke einschlief. Sondern nur fast.
Die Kunden kammen.
Und wie.
Drängten sich in den Hofladen, stopften sich die juten Jutetaschen voll, staunten über ein Sortiment, das noch einmal kräftig angewachsen ist. Selbst Babykleidung findet sich jetzt im Hofladen, Gemüse von befreundeten Landwirten, Lebensmittel in jeglich erdenklicher Bio Form. Zwei Bio Bäckereien liefern Gebackenes und natürlich steht die Milch, die nur ein paar Meter entfernt gemolken wird, hier im Regal. Die, die schon immer hierhergekommen sind, müssen ein wenig suchen, ehe sie das finden, was sie früher schneller gefunden haben. Aber das gibt sich. Weiß Friederike Hegselmann, die sich die Leitung des Hofladens mit Maike Schumacher teilt. Beide echte Bio Über zeugungstäterinnen, beide nicht grün naiv unterwegs, sondern grün vor Hoffnung. Dass viele erkennen, dass der Weg hierher lohnt, dass man nicht nur anders einkaufen, sondern auch anders Kaffee trinken, Kuchen essen kann. Wir sind kein Café. Sagt Friederike Hegselmann. Was sie nicht sagt: Noch nicht. Was sie meint: Es gibt keine Bedienung draußen, kein Kännchen Kaffee, das an die Tische gebracht wird. Aber wer mag, der schnappt sich seinen Pott Kaffee, sein Stück Kuchen und setzt sich nach draußen. Hört drüben die Kühe blöken, schaut den Traktoren zu, die über den Hof tuckern, schaut ins große Rund und versteht, was nachhaltige Landwirtschaft heute bedeutet.
Wenn die Milch nicht von Irland aus per LKW und Schiff aufs Festland kommt, wenn Joghurt nicht durch die Republik gekarrt wird, sondern da ein gekauft wird, wo er eben noch produziert wurde.
All das: Nicht wirklich neu. Aber eben um die Ecke. Muss man heute – also gerade heute – wirklich noch erklären, dass regional besser ist als global? Sicher nicht. Aber man muss es auch leben. Wenn du heute Menschen fragst, wie sie sich ernähren wollen, dann sagen sehr viele: Möglichst gesund. Sagt Friederike. Und weiß auch: Wenn sie dann vor den Supermarkt regalen stehen, wenn das Pfund Butter ohnehin schon 2 Euro 50 kostet und die Biobutter noch mal nen Euro mehr, dann schaut man schnell verstohlen nach links, dann nach rechts, und dann nicht mehr hin, wenn man zur Billigbutter greift, die längst alles ist, nur nicht billig.
Längst ist durchgesickert, dass wir Deutschen im europäischen Vergleich viel weniger Geld für Lebensmittel als andere Nationen ausgeben. Dass der Deutsche mit dem Porsche zu McDonalds, der Franzose mit dem alten 2 CV ins Sternerestaurant fährt. Aber auch hier ändert sich gerade einiges. Sonst wären nicht die Massen gekommen, hätten sich aufgemacht, hätten gestaunt, wie nah doch das Gut Wilhelmsdorf gelegen, wie groß die Auswahl, wie wenig „gewollt öko“ das Angebot ist. Ja doch, es gibt süße Haselnusscreme für das Frühstücksbrötchen. Nur eben nicht von Nutella. Es gibt auch Tiefkühlpizza. Auch Fleisch, das ebenso wie die Kartoffeln direkt vom Hof kommt. Das Ganze sei wie ein sehr großer Kreislauf auf sehr kleiner Fläche. Sagt Friederike Hegselmann, zieht sich die Schürze mit dem eingestickten Logo wieder glatt und geht rüber zu ihrer Tante, die gerade mit dem neuen Kassensystem kämpft. Die – die Tante, nicht die Kasse – erfüllt sich hier auch einen Lebenstraum.
Groß geworden in einem, man darf das so sagen, Tante Emma Laden, zog es sie später in die Stadt, nach Hamburg. Jetzt stellte sie noch einmal alles auf null, verkauft das hanseatische Haus, zog nach Bielefeld und steht ab sofort im Hofladen. Deine Wurzeln wirst du nicht los. Und deine Leidenschaft sowieso nicht.
Es wird noch ein wenig dauern, bis der Schlaf nach geholt ist, bis der Alltag eingezogen ist in dem Hofladen. Hoffentlich kommen die, die zum ersten Mal hier waren, immer wieder. Wünschen sich Maike und Friederike. Auch, weil es dann noch weiter gehen könne. Die Pläne für eine Ausweitung liegen schon in der nicht nur sprichwörtlichen Schublade. Aus den Hockern am Fenster, aus den weiteren Sitz gelegenheiten draußen könnte ein richtiges Café für all die Spaziergänger und Radfahrer werden, die
hier durchkommen. Vielleicht rückt auch das Obst aus der grünen Kiste näher an den gutseigenen Joghurt und geht eine leckere Verbindung ein. Der hofeigene Honig wird in die Regale einziehen und schnell wird der ein oder andere merken: Wenn ich hier einkaufe, kaufe ich kaum noch woanders ein.Was die Augen von Friederike dann schnell größer
werden lässt.
Und leuchten lässt.
Die Augen sind ein wenig kleiner als sonst. Was kein
wirkliches Wunder ist. Die vergangenen Wochen?
Viel Arbeit.
Wenig Schlaf.
Aber sie lachen.
Also die Augen.
So wie das ganze Gesicht von Friederike Hegsel.
Die steht hinter der Käsetheke, sucht aus, berät,
schneidet ab und auf und ist in ihrem Element.
Ist der Wahnsinn. Sagt die, die auf dem Gut Wilhelmsdorf, man darf es so sagen, den Hofladen rockt. Jahrelang verkaufte hier ein Pächter, aber jetzt, wo nebenan auf dem großen Hof mit Friederike, Maike, Jan und Caro die im wahrsten Sinne des Wortes kommende Generation langsam das Ruder in die Hand nimmt, die Kühe bei den Hörnern packt, war es an der Zeit, einen großen Strich zu ziehen. Wenn schon Ökoland wirtschaft, dann auch richtig. Dann nicht nur mit eigenem Liefer dienst, mit rund 200 Kühen, eigenen Kartoffeln und bald schon mit Bienen, Honig und Käse. Sondern auch mit einem Hofladenkonzept, das nicht fremdgesteuert, sondern das Herz auf dem Hof ist.
Eine Woche blieb, um aus dem, was war, das zu machen, was wird. Alles rausreißen, alles neu streichen, putzen, in Schuss bringen, Regale aufstellen, Kühlbereiche einrichten, den Hof pflastern, Schilder anbringen, Gemüsekisten stapeln, Lebensmittelauf kleber bestellen, Wasserrohrbruch abdichten, Wände einreißen, alles und noch viel mehr Neues einsortieren und dann hoffen: Kommen viele? Zum ersten Tag, zur Eröffnungsfeier, immer wieder? All das an sehr, sehr langen Tagen. Und in ebenso kurzen Nächten. Es packten alle mit an. Und alle meint nicht nur die, die hier arbeiten. Sondern alle, deren Herz für das Projekt, das Gut, den Hofladen schlägt. Eltern, Freunde und Freundesfreunde packten mit an und sorgten dafür, dass Friederike am ersten Tag nicht direkt hinter der Käsetheke einschlief. Sondern nur fast.
Die Kunden kammen.
Und wie.
Drängten sich in den Hofladen, stopften sich die juten Jutetaschen voll, staunten über ein Sortiment, das noch einmal kräftig angewachsen ist. Selbst Babykleidung findet sich jetzt im Hofladen, Gemüse von befreundeten Landwirten, Lebensmittel in jeglich erdenklicher Bio Form. Zwei Bio Bäckereien liefern Gebackenes und natürlich steht die Milch, die nur ein paar Meter entfernt gemolken wird, hier im Regal. Die, die schon immer hierhergekommen sind, müssen ein wenig suchen, ehe sie das finden, was sie früher schneller gefunden haben. Aber das gibt sich. Weiß Friederike Hegselmann, die sich die Leitung des Hofladens mit Maike Schumacher teilt. Beide echte Bio Über zeugungstäterinnen, beide nicht grün naiv unterwegs, sondern grün vor Hoffnung. Dass viele erkennen, dass der Weg hierher lohnt, dass man nicht nur anders einkaufen, sondern auch anders Kaffee trinken, Kuchen essen kann. Wir sind kein Café. Sagt Friederike Hegselmann. Was sie nicht sagt: Noch nicht. Was sie meint: Es gibt keine Bedienung draußen, kein Kännchen Kaffee, das an die Tische gebracht wird. Aber wer mag, der schnappt sich seinen Pott Kaffee, sein Stück Kuchen und setzt sich nach draußen. Hört drüben die Kühe blöken, schaut den Traktoren zu, die über den Hof tuckern, schaut ins große Rund und versteht, was nachhaltige Landwirtschaft heute bedeutet.
Wenn die Milch nicht von Irland aus per LKW und Schiff aufs Festland kommt, wenn Joghurt nicht durch die Republik gekarrt wird, sondern da ein gekauft wird, wo er eben noch produziert wurde.
All das: Nicht wirklich neu. Aber eben um die Ecke. Muss man heute – also gerade heute – wirklich noch erklären, dass regional besser ist als global? Sicher nicht. Aber man muss es auch leben. Wenn du heute Menschen fragst, wie sie sich ernähren wollen, dann sagen sehr viele: Möglichst gesund. Sagt Friederike. Und weiß auch: Wenn sie dann vor den Supermarkt regalen stehen, wenn das Pfund Butter ohnehin schon 2 Euro 50 kostet und die Biobutter noch mal nen Euro mehr, dann schaut man schnell verstohlen nach links, dann nach rechts, und dann nicht mehr hin, wenn man zur Billigbutter greift, die längst alles ist, nur nicht billig.
Längst ist durchgesickert, dass wir Deutschen im europäischen Vergleich viel weniger Geld für Lebensmittel als andere Nationen ausgeben. Dass der Deutsche mit dem Porsche zu McDonalds, der Franzose mit dem alten 2 CV ins Sternerestaurant fährt. Aber auch hier ändert sich gerade einiges. Sonst wären nicht die Massen gekommen, hätten sich aufgemacht, hätten gestaunt, wie nah doch das Gut Wilhelmsdorf gelegen, wie groß die Auswahl, wie wenig „gewollt öko“ das Angebot ist. Ja doch, es gibt süße Haselnusscreme für das Frühstücksbrötchen. Nur eben nicht von Nutella. Es gibt auch Tiefkühlpizza. Auch Fleisch, das ebenso wie die Kartoffeln direkt vom Hof kommt. Das Ganze sei wie ein sehr großer Kreislauf auf sehr kleiner Fläche. Sagt Friederike Hegselmann, zieht sich die Schürze mit dem eingestickten Logo wieder glatt und geht rüber zu ihrer Tante, die gerade mit dem neuen Kassensystem kämpft. Die – die Tante, nicht die Kasse – erfüllt sich hier auch einen Lebenstraum.
Groß geworden in einem, man darf das so sagen, Tante Emma Laden, zog es sie später in die Stadt, nach Hamburg. Jetzt stellte sie noch einmal alles auf null, verkauft das hanseatische Haus, zog nach Bielefeld und steht ab sofort im Hofladen. Deine Wurzeln wirst du nicht los. Und deine Leidenschaft sowieso nicht.
Es wird noch ein wenig dauern, bis der Schlaf nach geholt ist, bis der Alltag eingezogen ist in dem Hofladen. Hoffentlich kommen die, die zum ersten Mal hier waren, immer wieder. Wünschen sich Maike und Friederike. Auch, weil es dann noch weiter gehen könne. Die Pläne für eine Ausweitung liegen schon in der nicht nur sprichwörtlichen Schublade. Aus den Hockern am Fenster, aus den weiteren Sitz gelegenheiten draußen könnte ein richtiges Café für all die Spaziergänger und Radfahrer werden, die
hier durchkommen. Vielleicht rückt auch das Obst aus der grünen Kiste näher an den gutseigenen Joghurt und geht eine leckere Verbindung ein. Der hofeigene Honig wird in die Regale einziehen und schnell wird der ein oder andere merken: Wenn ich hier einkaufe, kaufe ich kaum noch woanders ein.Was die Augen von Friederike dann schnell größer
werden lässt.
Und leuchten lässt.