Kirchlengern. Dienstagabend an der Else. Immer wieder fahren Autos vor, Menschen bleiben kurz stehen, schauen neugierig ans Wasser und fragen nach, was hier passiert. Mitglieder des Angelvereins Kirchlengern e. V. tragen Eimer ans Ufer, fotografieren die kleinen Fische, bevor sie vorsichtig in die Else gleiten. Keine große Bühne, kein lautes Spektakel und doch eine besondere Naturschutz-Aktion für den Fluss.
Kirchlengern. Dienstagabend an der Else. Immer wieder fahren Autos vor, Menschen bleiben kurz stehen, schauen neugierig ans Wasser und fragen nach, was hier passiert. Mitglieder des Angelvereins Kirchlengern e. V. tragen Eimer ans Ufer, fotografieren die kleinen Fische, bevor sie vorsichtig in die Else gleiten. Keine große Bühne, kein lautes Spektakel und doch eine besondere Naturschutz-Aktion für den Fluss.
Denn in nicht einmal 30 Minuten setzt der Verein insgesamt 1.000 junge Quappen an mehreren Stellen entlang der Else aus. Etwa die Hälfte der Tiere kommt im Bereich der Brausemühle ins Wasser, die übrigen werden später am Staubecken, am Elsesportplatz und am Brandbach verteilt. Danach kehrt schnell wieder Ruhe ein. Die Autos fahren wieder, die wenigen Zuschauer gehen ihrer Wege als wäre nichts gewesen. Für den Verein steckt hinter diesen kurzen Momenten allerdings ein Projekt mit großer Bedeutung. Ziel der Aktion ist es, einen heimischen Fisch wieder in der Else anzusiedeln und gleichzeitig gegen eine invasive Art vorzugehen, die sich seit Jahren massiv ausbreitet.
Die Quappe (Lota lota) ist ein Knochenfisch aus der Familie der Quappen (Lotidae) und galt früher auch in der Else als heimisch. Seit den 1960er-Jahren ist sie dort jedoch nahezu verschwunden. Nun soll sie helfen, das ökologische Gleichgewicht im Gewässer wieder zu stabilisieren. Denn die Else hat ein Problem: die Schwarzmundgrundel (Neogobius melanostomus). Die ursprünglich aus dem Schwarz- und Kaspischen Meer stammende invasive Süßwasserfischart hat sich in Europa stark verbreitet, so auch in der Else. Die Grundeln fressen den Laich anderer Fischarten und verdrängen heimische Arten zunehmend. „Wir können in zwei Stunden locker mehr als 50 Grundeln fangen, aber kaum noch andere Arten“, beschreibt Gewässerwart Daniel Lange die Entwicklung am Wasser.
„Wir versuchen, mit einem heimischen Fisch die invasive Art zurückzudrängen“, erklärt der zweite Vorsitzende Frank Hagedorn. Die eingesetzten Tiere stammen aus einem Aufzuchtprojekt des Landesfischereiverbandes und wurden von Vereinsmitgliedern persönlich in Minden abgeholt. Die jungen Quappen sind erst rund vier Monate alt, können aber bereits im ersten Jahr auf etwa 20 Zentimeter wachsen. Für den Angelverein ist es die erste Aktion dieser Art. Rund ein halbes Jahr liefen Vorbereitungen, Genehmigungen und Abstimmungen mit Behörden. “Das waren viele Gespräche und Anträge, aber alle Behörden wissen Bescheid”, erklärte Hagedorn. Insgesamt investierte der Verein etwa 1.400 Euro in das Projekt.
Begleitet wird die Maßnahme auch wissenschaftlich. Biologen des Landesfischereiverbandes wollen die Entwicklung der Bestände regelmäßig kontrollieren und beobachten, ob sich die Quappe dauerhaft in der Else etablieren kann und ob sie tatsächlich hilft, die Grundelpopulation einzudämmen. Auch Gewässerwart Daniel Lange sieht darin mehr als nur einen Fischbesatz: „Es geht darum, das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Else soll wieder vielfältiger werden.“ Die Quappe selbst steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten und darf nicht geangelt werden. “Ziel ist vielmehr, einen stabilen Bestand aufzubauen, der sich langfristig selbst fortpflanzen kann.” Mitglieder und Angler werden informiert, dass die Quappe nicht geangelt werden darf.
Mit rund 120 Mitgliedern zeigt der Angelverein Kirchlengern damit, wie lokales Engagement und Naturschutz zusammenwirken können. Die Hoffnung: Dass die Quappe ihren Platz in der Else zurückerobert und die Grundeln künftig nicht mehr das Gewässer dominieren.
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