Normalerweise richtet sich hier der Blick viele Jahrzehnte, Jahrhunderte gar zurück in die Vergangenheit. Jetzt aber schauen die Verantwortlichen der Museumsschule Hiddenhausen nach vorn, besser gesagt: auf den kommenden Tag des Offenen Denkmals, den 13. September. Denn dann öffnet die Museumsschule nicht nur ihre historischen Türen, sondern feiert auch den 25. Geburtstag.
Normalerweise richtet sich hier der Blick viele Jahrzehnte, Jahrhunderte gar zurück in die Vergangenheit. Jetzt aber schauen die Verantwortlichen der Museumsschule Hiddenhausen nach vorn, besser gesagt: auf den kommenden Tag des Offenen Denkmals, den 13. September. Denn dann öffnet die Museumsschule nicht nur ihre historischen Türen, sondern feiert auch den 25. Geburtstag.
„Unsere Eröffnung fand am 9. September 2001 statt“, erzählt die zweite Vorsitzende Christa Gante. Der damalige Vorsitzende Christian Meinhold, der sich viele Jahre in der Museumsschule engagiert hat, begrüßte die Gäste. Damals kam NRW-Minister Michael Vesper nach Hiddenhausen, „und wir haben schon erste Kontakte geknüpft und die Zusage erhalten, dass er auch nach 25 Jahren wieder mit dabei ist“, freut sich Vorstandsmitglied Regina Wachowiak. Selbst die Kinder, die im Jahre 2000 eine Stunde lang die frühere Schulstunde simulierten, sind wieder angefragt worden. „Das wird ein herrliches Bild, wenn die Viertklässler von damals heute wieder die historischen Schulbänke drücken werden“, so Schriftführerin Gisela Hering-Bejaoui. Dabei soll es im kommenden September keine volle Schulstunde, sondern eine Vorführung über rund 20 Minuten geben, ehe sich die Gäste und Besucher in der Schule umschauen können, die von 1847 bis 1904 in Betrieb war.
Die Vorgeschichte
„Nach der offiziellen Schließung – für mehr als 100 Schülerinnen und Schülern war die Schule einfach zu klein geworden – haben hier verschiedenen Lehrkräfte gewohnt, ehe das Gebäude für Flüchtlinge und die Unterbringung von Obdachlosen genutzt wurde“, erzählt Christa Gante aus der Schulgeschichte. Als dann der Abriss bevorstand, „war glücklicherweise eine engagierte Denkmalpflegerin vor Ort und hat dem einen Riegel vorgeschoben“. Auf den ersten Blick hatte sie erkannt, dass das Baudenkmal eine typische preußische Dorfschule jener Zeit in Westfalen präsentiert. Auch der bauhistorisch seltene Umstand, dass sich im Keller ein Backofen befand, sorgte für diese Einstufung, die auch eine angedachte Bebauung des vorderen Teils des Grundstücks unmöglich machte. „Es stand schnell fest, dass hier eine andere Lösung gefunden werden musste. Also erfolgte erst Ende 1999 ein Ausflug nach Bergisch Gladbach, wo mehrere Zwergschulen aufgelöst und in einer Museumsschule zusammengefasst wurden, ehe wir uns hier in der neuen Grundschule trafen und uns sicher waren: Wir verlassen den Raum erst wieder, wenn ein Verein gegründet und vor allem ein Vorstand gefunden worden ist“, berichtet Christa Gante heute.
Mobiliar war schnell gefunden
Danach folgte eine umfassende, zeitraubende und vor allem behutsame Instandsetzung des Gebäudes, eine sehr aufwändige Suche nach Schulbänken, Tafel, Utensilien und geschichtlich passenden Einrichtungsgegenständen für die ebenfalls zu besichtigende Lehrerwohnung. „Zu Beginn war es beschwerlich, die wirklich passenden Sachen zu finden. Heute ist es fast umgekehrt – uns wird sehr viel angeboten, was wir immer ablehnen müssen. Wir sind heute wirklich umfassend ausgestattet und haben kein Archiv, um eine kleine Sammlung aufzubauen“, stellt Regina Wachowiak klar.
Gesucht werden also keine alten Schulgegenstände – dafür aber helfende Hände. „Was uns fehlt, sind Menschen, die sich hier in unserem Verein, in der Museumsschule engagieren wollen“, sagt Christa Gante. Die Interessenten müssten keinen pädagogischen Hintergrund oder eine solche Vergangenheit vorweisen können, denn „auch im und rund um das Haus fallen immer wieder Arbeiten an, für die wir Helfer benötigen“. Eine Voraussetzung dabei ist aber, dass das Engagement auf Dauer angelegt ist und die Menschen, die sich hier ehrenamtlich engagieren wollen, nicht viele Kilometer entfernt leben. „Die Erfahrung hat einfach gezeigt, dass die Nähe dafür sorgt, dass die Menschen lange am Ball bleiben“, weiß Gisela Hering-Bejaoui.
Froh sind die Frauen aus dem Vorstand, dass sie mit Ulrich Ewering in ihren Reihen auch einen Mann haben, der in die Rolle des Lehrers schlüpfen kann. „Wir erklären den Besuchern ja sonst immer, dass wir als Frauen hier eigentlich gar nicht sitzen können – es gab hier damals ja gar keine weiblichen Lehrkräfte“, erklärt Christa Gante. Die, die dann Platz auf den historischen Schulbänken einnehmen, sind meist Grundschulkinder aus ganz Ostwestfalen. Auch Geburtstage – für Jung und Alt – werden hier gefeiert, selbst Trauungen finden hier statt. „Die Schule ist so zu einem echten Ort der Begegnung und der Zeitreise geworden – und bleibt dies hoffentlich noch sehr lange“, wünschen sich die Vorstandsmitglieder nach mehr als 25 Jahren erfolgreicher Vereinsarbeit.
Text und Fotos: Tobias Heyer / HOCH5
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