Ein Entenpaar zieht gemütlich seine Runden, „sogar Gänse haben hier schon gebrütet und im Winter taucht immer mal wieder ein großer Karpfen an der Oberfläche auf und schnell wieder ab“, sagt Holger Kenneweg, Leiter des Umweltbetriebes Hiddenhausen, der neben dem Abwasserwerk noch den Baubetriebshof umfasst, als er am sogenannten Schönungsteich steht und einen Blick ins glasklare Wasser wirft.
Ein Entenpaar zieht gemütlich seine Runden, „sogar Gänse haben hier schon gebrütet und im Winter taucht immer mal wieder ein großer Karpfen an der Oberfläche auf und schnell wieder ab“, sagt Holger Kenneweg, Leiter des Umweltbetriebes Hiddenhausen, der neben dem Abwasserwerk noch den Baubetriebshof umfasst, als er am sogenannten Schönungsteich steht und einen Blick ins glasklare Wasser wirft.
Baden? Könnte man hier wahrscheinlich. Trinken? Würde er es dann doch eher ungern. „Weil wir das Abwasser zwar in drei Stufen klären, am Ende aber immer noch bestimmte Stoffe, wie z. B. Medikamentenrückstände, nicht entfernt werden können“, erklärt der 58-Jährige und startet dann doch besser ganz von vorn, um zu erklären, wie die 1992 neu gebaute Anlage funktioniert. Das Abwasser kommt dabei nicht nur aus Hiddenhausen, sondern auch aus Teilen von Bünde und Enger. „Das ist geographisch nicht zu ändern und wird natürlich kostenmäßig verrechnet“, erläutert Holger Kenneweg und erzählt auch, dass das, was Klärwerke leisten können, in der Einheit Einwohnergleichwert, kurz EWG, beziffert wird. 22.400 davon erreicht die Kläranlage in Hiddenhausen, 6.000 die Anlage in Schweicheln. Natürlich wandert auch Abwasser aus der Gemeinde Hiddenhausen nach Herford und Enger, die Grenzen sind da im wahrsten Sinne des Wortes fließend.
„Wenn notwendig, wird die braune Brühe in Bewegung gesetzt und mit Sauerstoff angereichert – bis sie klar ist.“
Das, was in Hiddenhausen ankommt, wird erst einmal von einem Rechen von allen festen Bestandteilen befreit. Toilettenpapier und in der jetzigen Jahreszeit vor allem Blätter werden so entnommen, gewaschen, gepresst und in Säcken verpackt auf den Weg in die Verbrennungsanlage verbracht. Immer wieder ein Ärgernis dabei: feuchtes Toilettenpapier. „Egal, was der Hersteller da auf die Verpackung schreibt: Das gehört in den Müll, nicht in die Toilette“, rät Holger Kenneweg jedem, der nicht seine eigenen Leitungen verstopfen und die Arbeit des Rechens im Klärwerk erschweren möchte.
Weiter geht es mit Schlamm und Wasser an der frischen Luft oder besser in den großen, runden Bassins, in denen Bakterien dafür sorgen, dass aus trübem Wasser klares Wasser wird. Wenn notwendig, wird die noch braune Brühe in starke Bewegung gesetzt und mit Sauerstoff angereichert, ehe die Bakterien ihre volle Leistungskraft entfalten können. Danach fließt das Wasser weiter in Richtung Nachklärung und der Schlamm in große Silos des heimischen Klärwerks. Sechs Vollzeitmitarbeiter und ein Auszubildender sorgen hier dafür, dass alles läuft und vor allem überwacht wird. Mess- Stationen gibt es an jedem Becken, Werte werden online in die Zentrale übertragen, wo Kurven und Schaubilder zeigen, wie gut die stetig steigenden Richtwerte eingehalten werden.
In Klärstufte drei folgt die chemische Reinigung, hier werden Chemikalien hinzugefügt, wird gereinigt und gemessen, ehe das Wasser in den Schönungsteich fließt. 7.000 Kubikmeter Wasser umfasst die Teichanlage, die von einem Naturteich kaum zu unterscheiden ist. Von hier aus wird das Wasser in den Brandbach geleitet – und das immer mehrfach getestet und mit bestem Gewissen. „Wenn man sich anschaut, wie das Wasser bei uns ankommt und wie es uns verlässt, dann ist das schon ein sehr erstaunliches Ergebnis“, sagt dann auch Holger Kenneweg und kann deshalb in Ruhe die Besuche der Aufsichtsbehörde abwarten, die selbst über einen Anlagenschlüssel verfügt und mal tagsüber, mal nachts, vor allem aber unangemeldet mindestens fünf Mal pro Jahr hier vorbeikommt und Proben zieht.
Dabei steigen die gesetzlich zu erreichenden Richtwerte für das gereinigte Abwasser im Sinne des Naturschutzes immer weiter an, zukünftige Investitionen sind nicht auszuschließen. Aktuell aber ist alles immer im grünen Bereich, sorgen nur die warmen und vor allem trockenen Sommer dafür, dass „die Fäkalien lange in den Kanälen liegenbleiben, wir mit dem Spülen kaum hinterherkommen, und dann, wenn es plötzlich richtig regnet, hier eine große Welle ankommt.“ Dann läuft die gesamte Anlage auf Volllast, und, ja, dann kann es auch schon mal unangenehm riechen. „Daran gewöhnt man sich nur ein bisschen und natürlich kommt man hier mit Abwasser auch in Berührung. Das gehört dazu, dafür haben wir sogenannte schwarze und weiße Umkleideräume, dafür stehen hier Duschräume jederzeit zur Verfügung“, sagt Holger Kenneweg, der nach all den Jahren weiß, wie eine gut laufende Kläranlage zu riechen hat. Und wie nicht.
Damit Geruch und vor allem Abwasser hierherkommt und nicht plötzlich kniehoch im eigenen Keller steht, gibt Holger Kenneweg gerne Tipps. „Viele Menschen interessieren sich nicht für ihr Abwasser, für ihre Ablaufleitungen, Schächte und Pumpen, die sich auf ihrem Grundstück meist gut verbergen. Aber wenn man da alle paar Jahre mal einen prüfenden Blick drauf- und reinwirft, dann kann das nur gut sein“, rät der Chef des Umweltbetriebes Hiddenhausen und hofft, dass möglichst viele Hiddenhauser das beherzigen.
Sicher sind sie Ihnen schon auf Hiddenhausens Straßen begegnet: die Fahrzeuge mit dem prägnanten Aufdruck UMWELTBETRIEB HIDDENHAUSEN. Doch was verbirgt sich dahinter?
Kurz gesagt: Das Abwasserwerk und den Baubetriebshof gibt es schon viele Jahre. Beide sind Teil der Kommunalbetriebe Hiddenhausen und Ansprechpartner und Dienstleister für zahlreiche Aufgaben – vom Abwasser bis zum Winterdienst.
Im Frühjahr 2023 wurde dann beschlossen, die Betriebszweige Abwasserwerk und Baubetriebshof in UMWELTBETRIEB HIDDENHAUSEN umzubenennen. Diese eingängige Bezeichnung wird in der Darstellung nach außen verwendet, zum Beispiel auf den Fahrzeugen und in Stellenanzeigen. Seitdem gilt: UMWELTBETRIEB HIDDENHAUSEN steht drauf, Abwasserwerk und Baubetriebshof sind drin. So einfach ist das.
Mehr zum UMWELTBETRIEB HIDDENHAUSEN und seinen Leistungen unter: https://www.hiddenhausen.de/ Rathaus/Über-uns/ Kommunalbetriebe/Umweltbetrieb/
Text und Fotos: Tobias Heyer / HOCH5
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