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Wie Antonia Berndt Bielefeld zum Lächeln bringt

Buntes Garn. Bunte Truppe. Bunter Hund.

Wenn Antonia Berndt durch die Bielefelder Stadt radelt, lächelt sie. Selbst dann, wenn sie überholt wird. Oder zumindest dann, wenn derjenige, der sie überholt, einen Bunten Hund trägt. Bunter Hund deshalb, weil die so genannte Warnweste in blau, gelb und orange leuchtet. Lächeln deshalb, weil sie sich genau diese Warnweste, diesen Bunten Hund ausgedacht hat. Und immer mehr solcher Hunde auf dem Rad durch die Innenstadt flitzen und Antonia immer häufiger lächeln lassen.

Wenn Antonia Berndt durch die Bielefelder Stadt radelt, lächelt sie. Selbst dann, wenn sie überholt wird. Oder zumindest dann, wenn derjenige, der sie überholt, einen Bunten Hund trägt. Bunter Hund deshalb, weil die so genannte Warnweste in blau, gelb und orange leuchtet. Lächeln deshalb, weil sie sich genau diese Warnweste, diesen Bunten Hund ausgedacht hat. Und immer mehr solcher Hunde auf dem Rad durch die Innenstadt flitzen und Antonia immer häufiger lächeln lassen.

Näht und näht und näht: Antonia Berndt ist ausgebildete Maßschneiderin und Schnittdirektrice.

2009 hat sich das genau anders angefühlt. Das Jahr war, da wird Antonia gerne deutlich, total beschissen. Nichts lief. Und wenn, dann schief und schlecht. Zeit also, vieles hinter sich zu lassen, sich trotz des Master of Arts in politischer Kommunikation noch einmal komplett neu orientieren. Damals schon wohnte sie mit Julia Meinert zusammen, saß häufiger an der Nähmaschine und genau damals wunderte sich Julia schon darüber, dass ihre Mitbewohnerin ein Kleidungsstück an ihr schön fand, es sich auslieh und in wenigen Minuten nachschneiderte.

Warum also nicht Hobby zum Beruf machen? Was sich in Zeiten von Instagram & Co. schon viel zu häufig wiedergekäut anhört und deutlich einfacher zu lesen, denn zu praktizieren ist, wurde für Antonia Berndt zur Passion. Also: Ausbildung zur Maßschneiderin machen, Gesellenprüfung ablegen, Weiterbildung zur Schnittdirektrice, im Job arbeiten und dann feststellen, dass das nicht so wirklich Zukunft hat Im Handwerk keine Kohle, in der Industrie meist Massenproduktion in Asien. Als Antonia dann ihre erste Warnweste für sich selbst nähte und ihre Freunde erst staunten, dann bettelten, ob sie denn nicht auch so eine bekommen könnten, war klar: So könnte es weitergehen.

Viele Jahre später steht Antonia in ihrem Concept Store in der Meindersstraße, Bielefelder Westen, wo sonst? Aus der Ein- Frau-Näherin ist anju geworden, 2021 als GbR gegründet und tatsächlich mit Ex-Mitbewohnerin Julia an Bord, die irgendwie müde ob des eigenen Jobs und neugierig war, was Antonia da so machte. Wir sind, da sind sich die beiden heute einig, naiv an die Sache herangegangen. Empfehlen? Können sie das irgendwie nicht. Richtig geschadet? Hat es aber auch nicht. Wenn sie gewusst hätten, wie viele Steine, echte Brocken, da immer wieder vor ihnen lagen, in den Weg gerollt sind – vielleicht hätten sie dann erst gar nicht angefangen. So aber wurde es immer mehr. Das mit den Aufträgen. Und das mit den Steinen. Aber auch ein steiniger Weg kann schön sein. Und es war sogar der Mut da, hier zu rufen, als die Vermieterin fragte, ob die beiden die gerade frei werdenden Räumlichkeiten der angrenzenden Tierarztpraxis übernehmen wollten.

Wenn sich Antonia und Julia heute so in ihrem Concept Store umschauen, wundern sie sich manches Mal selbst. Über ihren Optimismus - und über das, was sie da alles geordert haben, was schnell weggeht, was viel zu lange liegenbleibt. Es sei irgendwie ein großes Experiment, eines, das von Herzblut und Leidenschaft getragen, eigentlich die sinnvolle Weiterentwicklung der Näherei sei. Aber warum die Emailletasse niemand will, die Handtücher mit ähnlichen Motiven aber immer wieder ausverkauft sind, bleibt ein Rätsel. Nicht nur für die beiden. Aber besser nicht zu viel rätseln, lieber die zwei Stufen hoch in die Werkstatt gehen. Hier arbeiten noch zwei Kolleginnen auf integrativen Arbeitsplätzen mit, stapeln sich die neonfarbenen Stoffbahnen, die sie in so großer Meterzahl gekauft haben, dass sie extra einen Kredit aufnehmen mussten. Denn gute Preise gibt es nur bei großen Mengen. Auch beim schwedischen Lieferanten der recycelten Stoffe. Und der Bunte Hund verkauft sich auch heute noch gut. Und eigentlich sogar immer besser. Dabei wird er immer noch per Hand produziert. Schneidet die große (elektrische) Schere professionell geführt an den Schablonen entlang, hämmert die Nähmaschine surrend den leuchtend orangefarbenen Faden in den Stoff. Nur die kleinen, silbernen und vor allem reflektierenden Stoffflächen stammen aus China – da fehlt noch die Alternative aus der Nachbarschaft. Sonst aber: alles möglichst nachhaltig eingekauft und produziert. Und mittlerweile natürlich nicht nur in einer Passform, sondern auf Wunsch auch mit Stehkragen oder als Sonderanfertigung für etwas beleibtere Radfahrer erhältlich. Selbst für Hunde gibt es ein Exemplar, ein bunter Hund im Bunten Hund also. Der Hund von Antonia fungierte als Muster und Modell zugleich.

Mehr als 500 solcher Warnwesten wechseln Jahr für Jahr den Besitzer. Meist hier im Store, aber auch bei Wiederverkäufern, bei Radläden, im Internet. Und wer genau ist der typische Käufer? Eine 40-jährige Radfahrerin. Sagt Antonia. Irgendwie seien Frauen immer noch mutiger, wenn es um die Verknüpfung von Farbe und Bekleidung gehe. Im Dezember aber wendet sich das Blatt. Dann kommen mehr Männer her. Um dann am Ende doch wieder Warnwesten für Frauen zu kaufen – als Weihnachtsgeschenk.

Längst ist der Bunte Hund zum Markenzeichen für anju geworden. Die beiden hauen dem auf die Finger, der kopiert, ohne rot zu werden, entwerfen immer wieder neue Modelle, suchen nach neuen Stoffen, neuem Garn. Was dabei fehlt? Die Zeit. Für die Suche. Und alles andere, was eben nicht von der Tagesroutine aufgefressen werde. Selbst im Sommer – die eigentliche Saison starte und ende ja mit Beginn und Ende der Winterzeit – sitzen sie hier und nähen, damit sich das Lager für die dunkle Jahreszeit füllt.

Zeit für ein bisschen Radfahren bleibt dann aber doch. Und für das Lächeln dabei sowieso.

Antonia Berndt lächelt. Und das nicht nur beim Radfahren.

Winter 2025

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Winter/2025

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