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So funktioniert Wochenmarkt24 in Bielefeld

Keiner da. Alles drin.

Der Sturm hat gerade Pause. Die Rolltore sind heruntergefahren, die Eingangstür ist verschlossen, hinten weiter surren die Ladestationen, die die E-Transporter mit Strom versorgen. Es ist quasi Ebbe. Ein ganz normaler Dienstagabend, noch herrscht hier bei Wochenmarkt24, im Hub in Bielefeld-Ummeln, eine gespenstische Stille, ehe es in ein paar Stunden ganz anders aussehen wird.

Der Sturm hat gerade Pause. Die Rolltore sind heruntergefahren, die Eingangstür ist verschlossen, hinten weiter surren die Ladestationen, die die E-Transporter mit Strom versorgen. Es ist quasi Ebbe. Ein ganz normaler Dienstagabend, noch herrscht hier bei Wochenmarkt24, im Hub in Bielefeld-Ummeln, eine gespenstische Stille, ehe es in ein paar Stunden ganz anders aussehen wird.

Wir stehen etwas alleingelassen auf dem großen Hof, nicht wirklich viel erinnert hier an einen Hofladen, an das Einkaufen direkt beim Produzenten, an die Idee, all das, was die heimischen Gemüsebauern und Bäcker, Fleischer und Molkereien zu bieten haben, direkt zum Kunden zu bringen. Dann bahnt sich doch ein Scheinwerferpaar den Weg durch den Nebel, Michael Wüllner steigt aus dem, natürlich, E-Auto, kurzes Hallo, kurzer Abgleich mit der Logistik, die eben auch eingetroffen ist, und die Tour kann beginnen.

Dabei ist die Logistik von Wochenmarkt24 das eigentliche Herzstück der Genossenschaft, hier dreht sich im wahrsten Sinne des Wortes alles, wird angeliefert, umgebaut, ausgeliefert. Lagerhaltung? Gibt es hier nicht. Kein Spitzkohl, keine Nudel, keine Kartoffel wartet am Lager darauf, eingepackt und weggeschickt zu werden. Das Prinzip ist eher das genaue Gegenteil – und lässt sich am besten erleben und erfahren gleichzeitig, wenn man sich auf den Beifahrersitz von Michael Wüllner schwingt, der normalerweise für den Vertrieb zuständig ist, heute aber ausnahmsweise mal den Wochenmarkt24-Fahrer für uns macht.

Es geht nur einige Kilometer durch die Nacht, aber die Zeit reicht, um ein bisschen über die Historie zu plaudern. Geboren wurde die Idee vom Wochenmarkt24, der zu dir nach Hause kommt – und das erstaunt dann doch – beim Fleischriesen Tönnies.

Mitinhaber Robert Tönnies und Projektleiter Eike-Claudius Kramer sinnierten darüber, wie man regionalen Produzenten aus der Landwirtschaft mehr Luft unter die Flügel pusten könnte. Und gleichzeitig den Käufern den Einkauf bei mehreren regionalen Anbietern auf einmal bieten könne. Herausgekommen ist dabei Wochenmarkt24, als Genossenschaft organisiert, wer produziert, der nimmt auch teil, bestimmt mit, lenkt ein Unternehmen, das sich gerade in Westfalens Süden in Richtung Beckum und Hamm ausbreitet, sogar mal in München zu Hause war.

Wir rollen bei dem ersten Produzenten vor, ein Bewegungsmelder erfasst unseren Bulli und sorgt für Licht auf dem sonst verlassen daliegenden Bauernhof. Den Produzenten, seine Mitarbeiten selbst? Triffst du nur bei Hoffesten, bei Genossenschaftsversammlungen. Aber eigentlich nie nachts. Sagt Michael Wüllner und lenkt den Transporter vor eines der großen Scheunentore. Hier stehen gut versteckt große Transportrollwagen mit schwarzen Thermoboxen, in denen das wartet, was wir mitnehmen. Vorher aber: Leerboxen austauschen, alles nachzählen, checken, abhaken. Das Prinzip ist dabei immer dasselbe: Der Einkäufer hat bis 18 Uhr Zeit, im Onlineshop zu schnuppern und zu shoppen. Die Produzenten stellen sich hier vor, es gibt Alltägliches und Ausgefallenes, vor allem aber frisch Geerntetes, frisch Gemolkenes, Gebackenes. Kein Apfel, dessen genaue Herkunft nicht bekannt ist, keine Mandarine, die Kleine Süße heißt und nicht zuckersüß schmeckt. Um 18 Uhr dann der große, virtuelle Kassensturz, spätestens jetzt gehen die Bestellungen raus an die über hundert Produzenten, die sofort packen und beschriften, QR-Codes generieren und auf Marmelade und Milch, Pflaumenkuchen und Kartoffeltüten kleben. Schwarze Boxen werden so gepackt, Kühlpacks dazu gelegt und alles an den vereinbarten Abholort geschoben. Michael Wüllner vergleicht und hakt noch einmal ab, zählt nach und lädt ein und weiter geht es lautlos durch die Nacht.

Mit ihm fahren im Schnitt rund 30 E-Transporter von Wochenmarkt24 fünf Tage die Woche durch die Nacht, laden ein und nehmen mit. Alle nicht in Bielefeld startend, sondern nach einem ausgeklügelten Prinzip überall über das große Verkaufsgebiet zwischen Wiehengebirge und Soest so tagsüber geparkt und aufgeladen, dass die nächtlichen Routen möglichst kurz und effizient sind.

Das Ziel aber ist für alle immer der Hub in Bielefeld-Ummeln. Dahin machen wir uns jetzt auch auf den Weg, eigentlich würden wir noch weitere Produzenten abklappern, aber heute ist weder eigentlich, noch normal, also zurück zum Standort. Hier ist die Ebbe längst Geschichte, fluten die anfahrenden Transporter die großen Hallen mit all den schwarzen Boxen, die sie zuvor eingesammelt haben. Über Rollbänder bahnen sie sich ihren Weg zu den passenden Packstationen, Scanner piepen, flinke Hände packen aus, sortieren neu und stellen zusammen, was vor ein paar Stunden noch im virtuellen Einkaufskorb der Kunden lagerte. Die sind – statistisch gesehen – gut 40 Jahre alt, meist weiblich und darauf bedacht, sich gesund, frisch und regional zu ernähren. Ihnen fehlt die Zeit, auch wochentags fröhlich pfeifend über den heimischen Wochenmarkt zu schlendern und per Drucktest bei der Birne festzustellen, ob sie reif ist oder nicht. Also entscheiden sie sich für Wochenmarkt24, besuchen nicht nur einen, sondern mehr als 80 Hofläden auf einmal per Mausklick – und das sogar mit einer Ladenpreisgarantie. Soll heißen, erklärt Michael Wüllner: Der Preis ist derselbe.

Heißt auch: Die Lieferung nach Hause gibt es on top, es gibt keine Aboverpflichtung, nur den Mindestbestellwert von 20 Euro, damit sich nicht nur das Abholen, das Umpacken, sondern auch das Anliefern lohnt. Und das geht so: Stehen die ersten schwarzen Boxen bereit zur Auslieferung, wird der Transporter wieder vollgeladen, geht es raus zu denen, die gerade schlafen. Bis 6 Uhr an Werk-, 8 Uhr an Sams- und bis Mitternacht an Feiertagen werden die Boxen vor Haustüren, in Garagen, an all den vereinbarten Stellen abgestellt, an denen sie auch tatsächlich stehenbleiben. Schwund? Ist erstaunlich gering. Sagt Michael Wüllner. Er wohnte früher direkt in Bielefeld in einem Mehrfamilienhaus und bestellte fleißig bei Wochenmarkt24. Ausfallquote? Genau 0 Prozent. Kurz noch ein Foto von Kiste und Ablageort schießen, rüber damit in den Hub, wo eine Person nur Fotos und Vorgaben ver- und abgleicht, dafür sorgt, dass die Position auch die richtige ist und der Käufer eine E-Mail erhält. Sicher ist sicher.

Wenn morgens die Boxen reingeholt, ausgepackt werden, liegt das große, graue Gebäude in Bielefeld-Ummeln wieder in tiefem Schlaf. Strom fließt in Autobatterien, Kühlaggregate summen, sonst aber: Ebbe. Vor der nächsten, großen, nächtlichen Flut.

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