An Weihnachten verbringen die meisten Menschen Zeit im Kreis von Familie oder Freunden und versuchen, die Tage etwas ruhiger zu gestalten. Für den Krisenstab der Verwaltung und die Feuerwehr war das anders: Sie waren über Weihnachten im Einsatz.
An Weihnachten verbringen die meisten Menschen Zeit im Kreis von Familie oder Freunden und versuchen, die Tage etwas ruhiger zu gestalten. Für den Krisenstab der Verwaltung und die Feuerwehr war das anders: Sie waren über Weihnachten im Einsatz.
Es zeichnete sich schon im Vorfeld der Festtage eine ernste Bedrohungslage ab. „Durch den ungewöhnlich feuchten Herbst betrug der mittlere Pegel der Else Anfang Dezember bereits über 100 cm und war damit doppelt so hoch wie in den Monaten zuvor. Ergiebige Regenfälle führten anschließend zu einem stetigen Anstieg der Else, bis am 23. Dezember 2023 erstmals in diesem Jahr die Warnstufe von 250 cm erreicht wurde“, erläutert Geschäftsbereichsleiter Daniel Müller von der Gemeindeverwaltung.
„Ein Großteil der Bäche und Gräben in Rödinghausen entwässert letztlich über zwei Durchlässe an der Osnabrücker Straße in die Else. Auch das geklärte Wasser des Abwasser.Betriebes wird hierüber abgeleitet. Bei einem Hochwasserereignis drückt jedoch die Else in entgegengesetzter Richtung und verhindert das weitere Abfließen unseres Niederschlagswassers. Dies führt dann zu vollgelaufenen Kellern und überfluteten Straßen in Bruchmühlen. Hinsichtlich der Kläranlage besteht dabei auch eine Gefahr für das gesamte Gemeindegebiet, da die Anlage rund 10.000 Liter gereinigtes Wasser je Minute abgibt“, erklärt Daniel Müller.
Am späten Nachmittag des 23. Dezembers traf der Krisenstab der Gemeinde die Entscheidung, umgehend Maßnahmen gegen eine weitere Stauung des Wassers einzuleiten.
Wie im Hochwasseralarmplan festgelegt, wurden zunächst die beiden Else-Durchlässe mit Spundwänden geschlossen. „Die Gefahr des Zurückdrückens der Else in unsere Gewässer war damit verhindert. Allerdings konnten die Bäche und Gräben auch kein Wasser mehr an die Else abgeben“, so Marcel Breitenfeld, Leiter der Rödinghauser Feuerwehr. Daher sieht der Alarmplan parallel vor, das weiter anfallende Wasser mittels Pumpen über die Osnabrücker Straße der Else zuzuführen. Aufgrund der andauernden Niederschläge und der damit verbundenen Wassermenge hat der kurzfristig einberufene Krisenstab der Gemeinde Rödinghausen den Wasserförderzug NRW aus dem benachbarten Kreis Minden-Lübbecke, beheimatet in Rahden und Espelkamp, schon sehr frühzeitig über die Bezirksregierung angefordert und wurde danach sehr schnell durch die immer weiter eskalierenden Wasserund Pegelstände in der getroffenen Lageeinschätzung bestätigt. Rödinghausen war somit die erste Kommune im Kreis Herford, die auf diese Krisensituation reagieren musste und sowohl den eigenen Notfallplan und danach auch den Katastrophenschutz NRW in Gang setzte.
An anderen Durchlässen pumpte die Rödinghauser Feuerwehr mit mehreren Tragkraftspritzen und elektrisch betriebenen Tauchpumpen das Wasser zurück in die Else. Während der Einsatzdauer wurde die Lage regelmäßig kontrolliert und bewertet. Unterstützt wurden die Kräfte dabei durch das THW und das DRK, die mit technischen Geräten ergänzten und die nächtliche Erstverpflegung sicherstellten.
Insgesamt dauerte der Kampf gegen das Wasser drei Tage. „Wir waren abwechselnd im Schichtdienst vor Ort“, sagt Marcel Breitenfeld, „sodass die Einsatzkräfte zumindest teilweise Weihnachten feiern konnten.“ Tolle Geste: Während des Einsatzes versorgten die umliegenden Gewerbetreibenden die Kräfte und auch Anwohnerinnen und Anwohner schenkten Kekse, Mandarinen und belegte Brötchen. Und es gab grundsätzlich viel Zuspruch für die Arbeit der Feuerwehr. Am Tag nach Weihnachten (27. Dezember 2023) sank der Pegel der Else wieder dauerhaft unter die Marke von 250 cm, sodass die errichteten Sperren wieder entfernt und das Überpumpen eingestellt werden konnten. „Insgesamt war der Einsatz ein voller Erfolg. Die getroffenen Maßnahmen zeigten Wirkung, da es zu keinen Feuerwehreinsätzen bei Anliegern und Gewerbetreibenden kam. Auch der Abwasser.Betrieb war zu keinem Zeitpunkt in einem kritischen Zustand. Die gewonnenen Erkenntnisse werden wir beim Fortschreiben des Alarmplanes berücksichtigen“, stellen Daniel Müller und Marcel Breitenfeld abschließend fest.
„Ich bedanke mich herzlich bei allen Kameradinnen und Kameraden unserer freiwilligen Feuerwehr sowie bei den Kollegen von Umwelt.Betrieb und Abwasser. Betrieb, die an den Weihnachtsfeiertagen im unermüdlichen und vielfach freiwilligen Einsatz waren“, lobt Bürgermeister Siegfried Lux. „So wurde auf interkommunaler Ebene und gemeinsam mit externen Einsatzkräften eine herausragende Arbeit geleistet, die uns im Nachgang auch vom Landrat noch mal bestätigt wurde und die es uns erlaubte, zu jeder Zeit vor der Lage zu bleiben – auch wenn es manchmal schon sehr kritisch wurde. Allen weiteren Helfenden – vom THW über das DRK und die DLRG, die Händler vor Ort und weiteren Wehren – gilt meine höchste Anerkennung. Einen souverän agierenden Krisenstab und eine engagierte, effiziente Feuerwehr zu haben und dann auch noch zu sehen, dass das Zusammenspiel vieler Hilfskräfte so herausragend und erfolgreich geklappt hat: Das erfüllt mich nicht nur mit Stolz, sondern auch mit großer Dankbarkeit“, so der Bürgermeister weiter.
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