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Ein Atelierbesuch bei der Musikerin und Malerin Waltraud Rau

Klangfarben und Farbklänge

Stellen Sie sich vor: Jemand beschäftigt sich sein Leben lang intensiv mit Musik. Was entsteht wohl, wenn diese Person die Malerei für sich entdeckt? Kunst, wie sie in jeder x-beliebigen Galerie hängt? Wohl kaum. Aber was sonst …?

Stellen Sie sich vor: Jemand beschäftigt sich sein Leben lang intensiv mit Musik. Was entsteht wohl, wenn diese Person die Malerei für sich entdeckt? Kunst, wie sie in jeder x-beliebigen Galerie hängt? Wohl kaum. Aber was sonst …?

Ach ja: Solch eine Person gibt es seit vielen Jahren in Hiddenhausen: Waltraud Rau, gebürtige Fränkin und ehemalige Oboistin der Nordwestdeutschen Philharmonie. HIER hat die Musikerin und Malerin in ihrem Atelier im beschaulichen Oetinghausen besucht. Das Ergebnis: Kein Interview. Keine Reportage. Stattdessen der Versuch, etwas zu beschreiben, das sich jeglichem kreativen Schubladendenken entzieht.

Das fliessende der Malerei steht in Korrelation mit dem Fluss der Musik

Waltraud Rau

Waltraud Rau malt nicht irgendwelche Aquarelle. Sie kreiert Klangbilder, von Musik inspiriert und mit jeder Menge Raum für Assoziationen und Interpretationen. Wie sie das macht? Einfach CD einlegen, Musik an und losmalen? Keinesfalls.

„Über vier Jahrzehnte habe ich als Orchestermusikerin inmitten von Musik gelebt – diese Musik hat mich nicht nur umgeben, sondern auch durchdrungen. Ein unerschöpflicher Schatz an Erfahrungen, Eindrücken, Emotionen, der in mir auch heute noch nachwirkt. Aus all dem entstehen die musikalischen Impulse, die den Anstoß zu meinen Werken geben“, beschreibt die Künstlerin, wo ihre Klangbilder ihren Ursprung haben.

Anders gesagt: Waltraud Rau horcht quasi „in sich hinein“ und aktiviert das dort Gespeicherte. Teils bewusst, zum Beispiel bei der Farbwahl. Überwiegend aber intuitiv, ein kreativer Prozess, an dessen Ende immer ein so nicht wiederholbares Unikat steht.

Von eher greifbar bis durch und durch spielerisch

Obwohl grundsätzlich abstrakt, muten manche ihrer Klangbilder doch bildhaftkonkreter an. So wie das Aquarell „In der Halle des Bergkönigs“, welches das gleichnamige Orchesterstück aus der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg in Farben und Formen übersetzt. Oder die von der Kraft und Energie des Rhythmus getragene Darstellung zur 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Von diesem komponiert unter dem Eindruck des Endes der Französischen Revolution.

Ein anderes Mal ist es die musikalische und bildnerische Fantasie, die Waltraud Rau zu neuen Ideen anregt. Aus der musikalischen Struktur einer Fuge entsteht so ein Bild mit dem Titel „Struktur“, in der nächsten Arbeit finden sich variierende Rhythmen als „Variationen“ wieder.

Aus musikalischen Impulsen entstehen die malerischen Werke von Waltraud Rau

Am freiesten und experimentellsten jedoch ist das, was Waltraud Rau musikalische Abstraktionen nennt. Spielereien mit Farbe, die mit der Hand aufgetragen wird, vergleichbar mit dem sich Einspielen auf einem Instrument. Melodien werden zu Linien oder oszillieren über das Papier. Dynamik zeigt sich in kreisenden Bewegungen. Die Freude am Spielen und Improvisieren ist hier im malerischen Flow allgegenwärtig.

Ich setze die Magie der Musik in die Magie der Farbe um.

Waltraud Rau

Kreativität kennt keinen Stillstand 

Während wir uns unterhalten, gibt Waltraud Rau einen kleinen Einblick in ihre Arbeitstechnik: „Aquarellfarben erlauben mir die Beweglichkeit und Leichtigkeit, die ich für meine Art von Ausdruck brauche“, sagt sie. Pinselstrich für Pinselstrich entsteht eines ihrer uniquen Werke. Und sie geht auf ihr jüngstes Thema ein: „Musik lebt von Strukturen.

Also versuche ich neuerdings, strukturgebende Elemente immer stärker in meine Klangbilder zu integrieren. Ein neuer Blickwinkel … und für mich persönlich ein äußerst inspirierender Ansatz.“

Der Schnupperkurs im Atelier vergeht wie im Flug. Sicherlich ließe sich noch seitenweise schreiben über Waltraud Rau, ihre Klangfarben und Farbklänge. Aber mal ehrlich: Macht das wirklich Sinn? Am Ende ist es eben Kunst. Und die braucht sowieso keine kleinteiligen Erklärungen und kein Sezieren unter dem Mikroskop. Die muss man einfach selber sehen, fühlen, erleben.

HIER sagt einfach nur: „Danke Frau Rau – für Ihre Zeit und für die vielen Denkanstöße, die wir von diesem besonderen Besuch mitgenommen haben.“

Waltraud Rau: Gemälde und Workshops

Zum Malen kam Waltraud Rau vor rund 15 Jahren. Die Kinder waren groß und aus dem Haus. Noch mal etwas Neues entdecken, auf eine neue Art kreativ sein, das war der Antrieb. Die Brücke zur Musik schlägt sie seit nunmehr acht Jahren. Mit ihren Klangbildern ist sie regelmäßig auf Ausstellungen und bei Kunsttreffen in der Region präsent.

In ihren Workshops in ihrem Atelier in Oetinghausen macht Waltraud Rau Interessierte mit der Aquarellmalerei vertraut. Hier sind die Motive weniger abstrakt, sie reichen von Landschaften bis Stillleben – je nach Interesse der Teilnehmenden.

Mehr über Waltraut Rau, Ihre Arbeit und Ihre Workshops unter www.waltraud-rau.de

Text: Gemeinde Hiddenhausen 
Fotos: Tobias Heyer / HOCH5

02 / 2025

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