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Wie aus einem intensivpädagogischen Angebot das bundesweit ausgezeichnete PEER PROJEKT entstand

Werrepiraten entern Berlin

Berlin, 20. Januar 2025. Da stehen sie nun im Scheinwerferlicht, die Werrepiraten aus Schweicheln-Bermbeck. Preisverleihung des „Großen Stern des Sports 2024 in Gold“, Platz 2 für ihr PEER PROJEKT. Der Bundespräsident gratuliert, die Medien berichten bundesweit. Doch was und wer steckt hinter diesem Erfolg?

Berlin, 20. Januar 2025. Da stehen sie nun im Scheinwerferlicht, die Werrepiraten aus Schweicheln-Bermbeck. Preisverleihung des „Großen Stern des Sports 2024 in Gold“, Platz 2 für ihr PEER PROJEKT. Der Bundespräsident gratuliert, die Medien berichten bundesweit. Doch was und wer steckt hinter diesem Erfolg?

Gut 30 Jahre ist es her, da etablierte Bernhard Bunte, seines Zeichens Lehrer an der Eickhofschule, ein neues intensivpädagogisches Angebot: Kajakfahren. Für Schulsport eher ungewöhnlich, in diesem Fall wegen des schuleigenen Hallenbads jedoch auch irgendwie naheliegend.

Über die Jahre hinweg gewinnt das Angebot mehr und mehr an Beliebtheit. Mit den Werrepiraten wird sogar ein eigener Verein gegründet. Kooperationen mit anderen Schulen werden angeschoben, es gibt Trainings für Mitglieder, Schülerinnen und Schüler der Eickhofschule und weiterer Bildungseinrichtungen. Kajaktouren werden organisiert. Dabei ist Kajakfahren mehr als „nur“ ein mitreißender Sport: Es ermöglicht den Heranwachsenden positive Selbsterlebnisse und fördert das Vertrauen in sich und andere. Für eine Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung – und das ist die Eickhofschule – von zentraler Bedeutung. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Mittlerweile trainieren die Werrepiraten im H2O Erlebnisbad in Herford. Mit Johannes Lömke engagiert sich ein Lehrer der Eickhofschule schon lange intensiv im Verein. Auch die 1. Vorsitzende Isabelle Alfano gehört zum Kollegium der Schule. Der vorläufige Höhepunkt der Vereinsarbeit startet dann 2022: das preisgekrönte PEER PROJEKT.

Vom Außenseiter zum Ausbilder: das PEER PROJEKT

Eickhof-Schulzeit vorbei, Schluss mit dem Kajakfahren? Nicht mit uns, sagen sich Toni, Justin, Leon und Ilyas. Der Kajak-Virus hat sie infiziert. Der Sport gibt ihnen so viel, das möchten sie einfach nicht verlieren.

Johannes Lömke hat eine Idee. „Wie wäre es mit der C-Lizenz für Wildwasser, vom DOSB anerkannt. Werdet Kajaktrainer … wie ich“. Für die vier klingt das erstmal gewaltig. Schließlich ist diese Lizenz die intensivste Qualifizierung im deutschen Kajaksport auf der CEbene, die Ausbildung dauert zwei Jahre. Doch danach können sie alles machen, was Johannes Lömke auch macht: Kids und andere im Kajak führen, Gruppen auf Wildwasser leiten, Lehrkäfte für den Kanusport qualifizieren, Abenteuerfahrten begleiten.

Vor allem aber können sie eines tun – und das ist ihnen besonders wichtig: Das, was sie selber so sehr weitergebracht hat, weitergeben an Kids und Jugendliche, die sozial benachteiligt sind. Ganz nach dem Leitsatz des PEER PROJEKTS: Wildwasser nachhaltig nutzen. PEER bedeutet im Englischen übrigens so viel wie ebenbürtig. Lernen, sich auf Augenhöhe zu begegnen, spielt also im Projekt eine große Rolle.

Drei anstrengende Jahre bis zum Erfolg

Also sagen die vier Ja. Eine Förderung durch die Bildungschancen GmbH wird organisiert, los geht es mit anspruchsvollen Theorie- und Praxismodulen. Quasi nebenbei arbeiten die angehenden Trainer noch am Kinderschutzkonzept für die Werrepiraten mit und auch eine App für die Trainings-Orga wird entwickelt. Im Herbst 2024 schließen sie ihre Qualifizierung erfolgreich ab. Und schon steht mit dem 18-jährigen Mubarik und dem 17-jährigen Omed die zweite Generation potenzieller PEER PROJEKTler in den Startlöchern.

Übrigens: Auch abseits des PEER PROJEKTs sind Leon, Ilyas, Justin und Toni auf Kurs. Einer von ihnen zum Beispiel arbeitet als Rettungsschwimmer im H20, ein anderer startet demnächst bereits in seine zweite Berufsausbildung. Mit dieser Story sind die Peer-Trainer Vorbild und Orientierung für jetzige Schülerinnen und Schüler der Eickhofschule.

PEER PROJEKT als Vorzeigebeispiel für gesellschaftliches Engagement

Was die Werrepiraten als Sportverein auf die Beine gestellt haben, wurde jetzt verdientermaßen ausgezeichnet bei den von DOSB sowie Volks- und Raiffeisenbanken ausgerichteten „Sternen des Sports“: Erst mit dem „Großen Bronzenen Stern“ auf Regionalebene, dann mit dem „Großen Silbernen Stern“ in NRW – und schließlich mit dem 2. Platz beim Bundesfinale „Großer Stern des Sports in Gold“. HIER gratuliert nochmals nachträglich!

Was unsere PEER_Trainer leisten, geht weit über den Sport hinaus. Sie geben perspektive und machen Mut!

Noch ist das Wasser der Werre sehr kalt – da ist das Tragen eines Neoprenanzuges sehr wichtig.

Warum gerade Kajak?
Ein Blick auf die Erlebnis-Pädagokik

„Kajakfahren ist nicht nur eine faszinierende Sportart, sondern trägt auch unheimlich viel zur Persönlichkeitsentwicklung bei“, erläutert Johannes Lömke, Erlebnispädagoge und Lehrer an der Eickhofschule: „Dabei geht es um zwei Dinge. Erstens: Im Boot bist du vollkommen auf dich gestellt, bewegst dich gezielt im Grenzbereich. Du musst Situationen beurteilen und Entscheidungen treffen. Diese Grenzerfahrung verändert deine innere Haltung. Das hilft dir auch in vielen Alltagssituationen. Du agierst überlegter, ruhiger, verantwortungsvoller, gewinnst ein Gefühl dafür, was du wirklich kannst und machst dir die Tragweite deiner Entscheidungen mehr bewusst.“

Und der zweite Punkt? „Kajakfahren ist Teamwork. Du kannst dich dieser Extremsituation auf dem Wasser nur aussetzen, wenn du dich in der Gemeinschaft absolut sicher fühlst. Wenn du weißt: Im Zweifel sind die anderen für dich da. Auch hierdurch verändert sich deine Einstellung. Du entwickelst mehr Vertrauen in andere Menschen, lernst soziale Situationen besser einzuschätzen und dich selber einzuordnen. Deine kognitive und emotionale Analysefähigkeit verbessert sich“, erklärt Johannes Lömke. Und betont: „All dies hat auch einen Impact darauf, wie wir in unserer Gesellschaft miteinander umgehen.“ That’s it.

3 Fragen an Justin Preuß

peer.Trainer der 1. Generation

Wie kamst du zum PEER PROJEKT? 

Nach der Schulzeit war mir klar: Ohne Kajak bringt es das nicht. Als Jojo dann mit dem Vorschlag um die Ecke kam, habe ich erstmal geschluckt. Aber eigentlich wusste ich sofort: Da bin ich dabei.

Deine Learnings aus dem PEER PROJEKT? 

Ich bin insgesamt ruhiger geworden. Früher hatte ich schnell Blockaden gegenüber Menschen und in bestimmten Situationen. Das ist nun anders. Und: Mir macht es jetzt Spaß, Verantwortung zu übernehmen.

Deine Gefühlslage bei der Preisverleihung in Berlin?

Ganz ehrlich – als ich im Saal saß, habe ich erst gedacht: Mann, was geht hier denn ab? Aber dann war es natürlich toll, diese Wertschätzung zu bekommen

Förderer und Projektpartner gesucht

Die Werrepiraten ermöglichen Kajaksport ohne Rücksicht auf den persönlichen Kontostand. Eine Mitgliedschaft im Verein ist schon ab 1,50 € pro Monat möglich.

Damit dies auch in Zukunft so bleibt, suchen die Werrepiraten für ihre ehrenamtliche Vereinsarbeit und die Fortsetzung des PEER PROJEKTs weitere Förderer und Projektpartner. Also: Support your locals. Nähere Infos gibt es bei:

Johannes Lömke
johannes@werrepiraten.org

Isabelle Alfano 
isabelle@werrepiraten.org

Text: Gemeinde Hiddenhausen 
Fotos: Tobias Heyer / HOCH5

02 / 2025

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