Seit rund einem Jahr sind in der ehemaligen Gaststätte „Alt Hiddenhausen“ im Ortskern von Hiddenhausen die Rolläden runtergezogen und die Türen verrammelt. Zu Beginn dieses Jahres erwarb die Gemeinde Hiddenhausen das Gebäude. Der Plan: Hier soll ein neues Dorfgemeinschaftshaus entstehen.
Seit rund einem Jahr sind in der ehemaligen Gaststätte „Alt Hiddenhausen“ im Ortskern von Hiddenhausen die Rolläden runtergezogen und die Türen verrammelt. Zu Beginn dieses Jahres erwarb die Gemeinde Hiddenhausen das Gebäude. Der Plan: Hier soll ein neues Dorfgemeinschaftshaus entstehen.
Anfang April startete das Projekt in die nächste Runde. Vor Ort trafen sich Vertreterinnen und Vertreter von über 20 Vereinen und Einrichtungen, um Gedanken und Ideen für die zukünftige Nutzung auszutauschen. Heimatverein und Schützengesellschaft Hiddenhausen, CVJM, Gesangverein Freundschaft, Kulturwerkstatt, Gemeindesportverband und viele mehr – sie alle signalisierten deutlich: Ja, wir haben großes Interesse, das neue Dorfgemeinschaftshaus zu nutzen.
„Die rege Teilnahme beweist, dass es in Hiddenhausen jede Menge Bedarf an Räumlichkeiten für die vielfältigen Aktivitäten von Vereinen und weiteren Organisationen gibt“, freut sich Ulrike Bleimund von der Gemeinde Hiddenhausen über die große Resonanz. Die derzeitigen Ideen reichen von Kulturveranstaltungen bis Eltern-Kind- Angebote, von Kochkuren bis VHS-Seminare, von Probenräumen bis Kaffeestube. Auch private Nutzungsmöglichkeiten abseits des Vereinslebens sind nicht ausgeschlossen.
Ein Haus, viele Möglichkeiten
Möglichst viele dieser Wünsche unter einem baulichen Hut zu bringen, das ist jetzt die Aufgabe in der nächsten Projektphase. Gemeinsam mit einem Architekten erstellt die Gemeinde ein Konzept, das eine multifunktionale Nutzung der Räumlichkeiten erlaubt und für eine Förderung geeignet ist. Danach geht es dann noch mal in einen Ideenaustausch mit den potenziellen Nutzern.
Noch ist also ein gutes Stück Weg zu gehen, doch Schritt für Schritt wird es konkreter: das neue Dorfgemeinschaftshaus in Hiddenhausen an einem traditionsreichen Standort.
Über 200 Jahre lang war sie das Herzstück der Hiddenhauser Dorfmitte: die Gaststätte „Alt Hiddenhausen“, manchen aus Erzählungen vielleicht noch bekannt als der „Reichstag“. Ende Mai 2024 ging dieses Stück Dorfgeschichte – zumindest vorläufig – zu Ende.
Die Anfänge reichen zurück bis ins Jahr 1813, als Hermann Heinrich Ellerbrock Hiddenhausens erste Konzession für den Branntweinausschank erhielt – mitten in der Zeit der Befreiungskriege. Neben dem Ausschankrecht bekam er auch das Salzmonopol im Dorf. Eine Getränkerechnung aus dem 19. Jahrhundert gibt Einblick in die Preisgestaltung: 1 Faß Branntwein für 42 Thaler, 11 Groschen und 8 Pfennig.
Über Generationen blieb das Haus in Familienhand. Zuerst führte Dietrich Ellerbrock die Gaststätte weiter, die später auch eine Postagentur beherbergte und Fremdenzimmer anbot. In den 1920er Jahren wurde das Lokal mangels eines Rathauses zum Treffpunkt für Gemeindevertreter. Schnell hieß es im Dorf nur noch: „Der Reichstag tagt heute wieder.“ Der Spitzname wurde zum offiziellen Namen, die „Gaststätte Hiddenhauser Reichstag“ war geboren.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Haus verkauft und die Schankkonzession vielfach neu verpachtet. Doch die „gute alte Zeit“ der Gaststätte war vorbei. Zahlreiche Wirte kamen und gingen. 2011 dann gelang Ben und Tatjana Bösel ein erfolgreicher Neustart. Unter dem Namen „Alt Hiddenhausen“ stand das Haus für hochwertige deutsche Küche und wurde unter anderem mehrfach als „Gasthof des Jahres“ in Nordrhein- Westfalen ausgezeichnet.
Aus gesundheitlichen Gründen wurde der Betrieb im vergangenen Jahr aufgegeben. Die Gemeinde Hiddenhausen hat die Immobilie inzwischen erworben – mit dem Ziel, diesen besonderen Ort in neuer Form zu erhalten. Was bis dahin bleibt: ein Haus, das viele Geschichten erzählen kann. Und ein Name, den jeder im Dorf kennt.
Text und Fotos: Gemeinde Hiddenhausen
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