Wir trinken keinen Kaffee. Noch nie. Was die Sache etwas kompliziert macht. Dachten wir zumindest, als wir an einem windigen Morgen nach Zürich reisen, im Gepäck eine wundervolle Reiseanleitung. Wir sollten den Flughafen in Richtung Bahnhof verlassen, den Zug nach Altstetten nehmen, dann den Bus No. 31, dann seien wir schon da.
Wir trinken keinen Kaffee.
Noch nie.
Was die Sache etwas kompliziert macht.
Dachten wir zumindest, als wir an einem windigen Morgen nach Zürich reisen, im Gepäck eine wundervolle Reiseanleitung. Wir sollten den Flughafen in Richtung Bahnhof verlassen, den Zug nach Altstetten nehmen, dann den Bus No. 31, dann seien wir schon da.
Der Zug fuhr pünktlich. Altstetten war schnell erreicht, nur den Bus haben wir absichtlich verpasst, sind die paar hundert Meter gelaufen und stehen nun vor, in einem Gebäude, in dem die Schweizer Bahn früher ihre Personenwagen aufpolstern ließ, in dem sich jetzt die niedergelassen haben, die gerade starten, nicht nur kreativ denken, sondern auch produzieren.
Wir stehen im Lager. In der Warenannahme. Und irgendwie auch im Weg.
Willkommen bei ZURIGA.
Hinter einer Tür mit Bullauge sehen wir Stephie, die auf uns zuläuft.
Hallo.
Händedruck.
Hereinspaziert.
Stéphie ist ein gutes Jahr lang tagein, tagaus am ZURIGA-Shop ein paar Kilometer entfernt in der Züricher Innenstadt vorbeigelaufen, auf dem Weg zum Zug, zur Arbeit. Und wusste: Wenn sich hier irgendwann die Möglichkeit ergibt, mitzuarbeiten, in der Kommunikation etwas dafür zu tun, dass die Marke, die Kaffeemaschinenmanufaktur noch bekannter wird, dann bin ich dabei. Sowas von. Irgendwann war die Stelle frei, also bewerben, hinlaufen, ein bisschen aufgeregt sein, überzeugen, Job bekommen, Kaffeemaschine mit nach Hause nehmen, durchstarten.
Kaffeemaschine deshalb, weil Moritz, der Gründer, jeder Kollegin, jedem Kollegen zu Beginn eine seiner Maschinen in die Hand drückt. Damit der Tag schon daheim perfekt startet. Und jeder wisse, schmecke, fühle, worum es gleich, bei der Arbeit geht.
ZURIGA deshalb, weil Moritz vor zehn Jahren der Neugierde wegen seine 08 / 15 Maschine zuhause aufschraubte. Und sich als studierter Umweltingenieur die lockigen Haare raufte. Das sollte Ingenieurskunst sein? Und dann auch noch so viel kosten?
Dass man das viel besser machen kann, vermutete er in dem Augenblick. Und konnte einfach nicht glauben, warum es bis dahin keine schnelle, präzise, kleine und sorgfältig verarbeitete Maschine gab. Bis er die erste fertige Maschine in den Händen hielt, dauerte es anderthalb Jahre.
Bis sie serienreif, produzierbar, online verkaufbar war, noch mal die gleiche Zeit.
Zeit, in der er die Idee mal verfluchte, dann beseelt von ihr war. In der die angesparten 100.000 Franken alle waren, Investoren anklopften und ehrlich sagten, dass sie gerne mit von der Partie wären – aber es ihm nicht empfehlen könnten, sich abhängig zu machen, abzugeben.
Moritz ist bis heute allein. Was die Firmenanteile angeht. Und in bester Gesellschaft. Was das Team angeht. Hat die gefunden, die etwa den Job als Türsteher an den Nagel hängten, um hier mitzuschrauben, neu zu denken, zu konzipieren, auszuprobieren, in Serie und doch per Hand zu produzieren. Acht, vielleicht zehn Maschinen werden hier pro Tag aus mehr als 300 Einzelteilen, geschickt von mehr als 50 Lieferanten, zusammengebaut. Mit dem Akkuschrauber. Mit Leidenschaft. Das, was sie hier eine Fertigungslinie nennen, ginge bei der Konkurrenz nicht mal als Lehrlingswerkstatt durch. Und doch bestellen die Mitbewerber über den Onlineshop – unter falschen Namen, versteht sich. Schrauben auf, tauchen ein in das Innere einer puristischen Außenhaut, die es in genau zwei Farben gibt. Chrom oder Schwarz. Ohne Ausnahme. Zwei Knöpfe, eine Brüheinheit, ein Handgriff, gefertigt aus geöltem Walnussholz aus dem Berner Oberland, der schöner wird, desto häufiger man ihn in die Hand nimmt. Innendrin: Technik auf engstem Raum. Vom Feinsten. So konzipiert, dass die Maschine nicht mal zwei Minuten braucht, um einsatzbereit zu sein. Auch so konzipiert, dass der Boiler nun, bei Generation Nummer 2, entbehrlich ist.
Echte Probleme hat er in der Schweiz nie gemacht. Aber in Deutschland sah es anders aus, da wurden die ZURIGA-Pakete von hastigen Zustellern allzu häufig geworfen, verschob sich trotz aufwändiger Verpackung und Sicherung der Boiler nach dem Aufprall nur um wenige Nanometer und so war nicht nur die Balance, sondern auch die ausgereifte Technik dahin. Jetzt läuft das Wasser über eine Art heiße Spirale, die wurfresistent ist. Und noch schneller als bisher aufheizt. Die sich aber dennoch wie alles ausbauen, inspizieren, austauschen lässt. Zwei Jahre Garantie geben Moritz und sein rund 30-köpfiges Team mit auf den Weg. Kommt sie zum Service zurück, legen sie direkt noch ein Jahr drauf. Sie kaufen sogar Maschinen von denen auf, die auf Weltreise gehen, weiterhin Besitzer sein wollen, aber irgendwie nicht mehr können. Schauen nach, tauschen aus, möbeln auf, putzen ab und sorgen dafür, dass auf einer sehr langen Warteliste sehr wenige glücklich werden – es gibt deutlich mehr Menschen, die eine gebrauchte ZURIGA wollen, als die, die eine gebrauchte abgeben.
Dabei muss auch der warten, der eine neue ZURIGA erstehen möchte. Der schlägt, statistisch gesehen, erzählt Stéphie, nicht online, nicht in den Shops in Zürich, Wien oder München direkt zu, sondern schleicht erst einmal drum herum. Schläft drüber. Probiert aus. Überdenkt noch einmal. Rechnet nach. Spart an. Bringt den Partner mit. Und ist längst verliebt. Sagt Stéphie. Und klingt auch ein wenig so.
Aktuell sind vier Monate die Wartezeit,
und die steigt gerade von Woche zu Woche.
Bei der Mühle – gleiches Design, gleiche einfache Bedienung und eingebaute Waage – geht es ein bisschen schneller. Aber meist wird eh im Doppelpack geordert. Und vier Monate, das ist ja noch wenig. Anfangs, als die Produktionsstraße noch kürzer war, betrug sie, die Warterei, auch mal neun. Eine schwere Geburt also? Ach was. Der Kunde wartet gerne. Genießt erst die Vorfreude, dann die Maschine, dann den Kaffee.
Dann könne der Kaffeegenießer bei der Bohnenauswahl seine nerdige Seite ausleben, sagt Stéphie. Sicher, sie verkaufen gerne auch ihre Hausmischung, empfehlen aber tun sie nichts. Da sei jeder Einzelne gefragt. Sollte sich Zeit nehmen, den perfekten Mahlgrad herauszufinden, an der Durchlaufzeit arbeiten. Mehr einstellen, variieren? Kann man nicht. Und muss man eigentlich auch nicht. Ist sich Moritz sicher.
Der stellt dafür umso mehr Knöpfe und Weichen in der Firma, hat versucht, einiges aus der Hand zu geben und gelernt, dass es nicht so einfach ist, Prozessverantwortung zu übertragen. Vier Tage in der Woche heißt es also, jedes noch so kleine Rädchen zumindest mitzudrehen. Tag fünf? Gehört den Kindern. Wo die Reise hingeht? Schulterzucken. Sicher ist: In zwei Jahren wird umgezogen, eine Halle weiter, auf mehr Quadratmeter. Sicher auch: Kommendes Jahr kommt eine ZURIGA mit zwei Brüheinheiten. Aber das sollten wir besser noch nicht schreiben. Mehr Kolleginnen und Kollegen werden kommen, ein Shop in Kopenhagen, in London, an der Ost-, an der Westküste? Wer weiß.
Der Sommer war, bleiben wir im Kaffee-Jargon, eher eine kleine Durststrecke. Aber jetzt fließt, strömt es wieder. Die Mitbewerber schauen neidvoll auf den brummenden Onlineshop, die Lieferzeiten wachsen, die Kapazitäten lassen sich aber nicht steigern, nur sachte anpassen. Es ist und bleibt eben eine Manufaktur.
Wir haben hier Spaß.
Und nehmen genau das sehr ernst.
Sind sich nicht nur Moritz und Stéphie,
sondern alle hier einig.
Man fühlt es.
Man sieht es.
Und man schmeckt es wohl auch.
Wir trinken auch weiterhin keinen Kaffee.
Auch zukünftig nicht.
Und haben uns doch eine ZURIGA bestellt.
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Ein Mal hupen, ein bisschen warten, dann öffnet sich das Schloss, die schwere Kette, das große Tor – und der Weg ist frei auf einen Platz,…
Wir trinken keinen Kaffee. Noch nie. Was die Sache etwas kompliziert macht. Dachten wir zumindest, als wir an einem windigen Morgen nach…
Wir haben geschmunzelt.
Würfeln? Das macht doch niemand mehr.
Zumindest nicht, wenn man als Journalist anfragt, ob man mal vorbeikommen,…
Man muss schon etwas in die Jahre gekommen sein, um kurz innezuhalten. In sich zu horchen. Zuzuschauen, wie sich die Haare auf den…
Na dann los. Wir freuen uns.
Auf deine Anfrage. Auf dich.
Und melden uns. Direkt.
Schneller, als du erwartest.