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Bike Lounge von Marcel Harz und Renan Dinibütünoglu

Abgefahren

Das Hobby zum Beruf machen?

So gewinnst du nen tollen Beruf. Und bist ganz nah am eigenen Hobby.

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Auf dem Mountainbike haben Marcel Horz und Renan Dinibütünoglu schon lange nicht mehr gesessen. Dabei fuhren sie jahrelang Downhill, nahmen an den Deutschen Downhill-Meisterschaften teil und verbrachten jede freie Freizeitminute im Harz – oder noch weiter entfernt. Heute sitzen sie in Bünde. Nicht nur in der Woche, sondern auch am Wochenende. Es hätte auch Enger sein können. Oder Spenge. Aber irgendwie passten Laden und Angebot in Bünde am besten und so sitzen sie jetzt mit ölig-schwarzen Händen auf der Ledersofa-Garnitur und erzählen davon, wie es dazu kam, dass sie die Bike-Lounge Abgefahren eröffneten.

Der eine, Renan, arbeitet lange schon in der Branche, war Verkaufsleiter im Geschäft eines Filialisten und wusste tief in sich: wenn ich so was mal allein, auf eigene Rechnung mache, dann mache ich alles anders. Und viel mehr richtig.

Marcel, gelernter Zweiradmechaniker, war 14 Jahre lang selbstständig in der Baubranche. Aber es zog ihn wieder zurück zu den Fahrrädern, insbesondere zu den Mountainbikes. Dahin, wo die Vernunft aufhört und die Leidenschaft anfängt. Wo es nicht der Weg zur Arbeit, der Weg über Asphalt ist. Sondern abseits der ausgetrampelten Straßen weitergeht

Und wie. Die Marken, die die beiden in ihrem Geschäft „Abgefahren“ anbieten, sind solche für Insider. Aber Geschäft? Das trifft es eigentlich nicht. Laden vielleicht? Um Gottes willen. Werkstatt? Auch nicht. Es sei eben eher eine Lounge, ein Treffpunkt. Hinsetzen, Downhill-Videos von Red Bull gucken, ne Koffein-Limonadendose dazu aufmachen, fachsimpeln

Die wenigsten, die hier reinkommen wissen nicht, was sie wollen. Weiß der 36-jährige Renan. Gut, eine Testfahrt nehmen sie schon gerne mit, radeln rüber zur Else, schwingen, federn, sprinten, cruisen. Und lassen dann hier noch etwas an- und dort noch etwas abbauen, ehe sie einkaufen, zuschlagen. Dabei haben Renan und Marcel meist schon vorab Hand angelegt, haben serienmäßige Vorderradbremsen beim Dirtbike abgebaut, weil sie eh niemand nutzt, sie die Lenkerfreiheit einschränken und man schon gut abbauen kann, was der Kunde eh abschrauben will. Und wird. Entscheidet er sich später um, findet er die Bremse originalverpackt im Karton – sicher ist sicher. NS Bikes gibt es hier, ein polnischer Produzent und eine Marke, die die beiden früher in Rennen, sie bis zum Zerreißen der Decken gefahren sind. Testen nennen sie das. Quälen könnte man es auch nennen. Auch mit den Rädern vom spanischen Hersteller Mondraker, von Lobito und Knolly gehen die beiden alles andere als zimperlich um, wenn sie ein neues Modell aus dem Karton ziehen, es aufgebaut haben und die erste Testfahrt wartet.

Wir verkaufen, was wir lieben, nicht, was wir müssen. Sagen die beiden. Dabei wissen sie auch: Der Fahrradboom nimmt gerade, nach den fetten Corona-Jahren, wieder ab. Aber eben nicht der für hochwertige Sportbikes. Sind sich die beiden sicher. Dabei können sie natürlich nicht mit den Preisen der Riesen der Branche mithalten, gerade wenn es ums Zubehör geht. Aber dafür werfen sie jede Menge Erfahrung, Service und Beratungsleistung in die Waagschale. Und es komme für den Kenner, den Freak, eben nicht auf den letzten Cent, sondern auf das perfekte Gesamtpaket an. Und wer einen Blick auf die Werkstattpreise wirft, der weiß: Hier bekomme ich mehr fürs Geld. Sagen die beiden und sind davon überzeugt, dass es auch bei ihnen und der Selbstständigkeit und dem Geldverdienen klappt. Am besten so, dass sie bald auch wieder selbst aufs Rad, in Richtung Harz, auf die Downhillstrecke kommen. Damit der Beruf auch irgendwie Hobby bleibt.

Nr 32

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