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Hendrik Single und nachhaltige Pizzakartons von Pizzabow

Es rappelt im Karton

Angefangen hat, irgendwie passend, alles im Internat. Das Abendessen war eher so geht so und so bestellten Hendrik Single und seine Kumpels verbotenerweise Pizza. In rauen Mengen und so verpackt, dass sich die Bestellungen nur schwer verheimlichen ließen. Irgendwann haben wir die ausgedienten, sperrigen Pizzakartons dann hinter Schränke und in jede sich bietende Ritze gesteckt. Erzählt Hendrik Single heute und wusste damals wie heute: Schön ist das nicht. Aber irgendwie auch normal.

Angefangen hat, irgendwie passend, alles im Internat. Das Abendessen war eher so geht so und so bestellten Hendrik Single und seine Kumpels verbotenerweise Pizza. In rauen Mengen und so verpackt, dass sich die Bestellungen nur schwer  verheimlichen ließen. Irgendwann haben wir die ausgedienten, sperrigen Pizzakartons dann hinter Schränke und in jede sich bietende Ritze gesteckt. Erzählt Hendrik Single heute und wusste damals wie heute: Schön ist das nicht. Aber irgendwie auch normal.

Auch heute ist das Problem geblieben. Kein Park im Sommer, in dem nicht zwei, drei Pizzakartons einen kompletten Papierkorb so verstopfen, dass der Müll sich vor ihm stapelt. Das muss doch nicht sein. Dachte sich der heute 30-Jährige schon damals, und die Idee von der Pizza ohne Schachtel ließ ihn nicht mehr los. Nicht, als er Produktionstechnik an der FH in Lemgo mit dem Schwerpunkt Kunststofftechnik studierte. Und auch nicht, als er in den elterlichen Betrieb einstieg. Erst recht nicht, als er ihn wieder verließ, um sich selbstständig zu machen. Da war immer diese eine Idee: Wie bekomme ich etwas Besseres als diesen meist beschichteten Karton hin, der sich in Pizzerien stapelt, der eben nicht im Altpapier, sondern im Restmüll landen muss?

Herausgekommen ist dabei, nach einigen Versuchen und noch viel mehr Gesprächen, PizzaBow. Also eine Verpackung aus Kunststoff, mit Deckel, hygienisch, haltbar und mit einem Pappeinsatz so konzipiert, dass rund 60 Prozent Pappe gespart werden. Das Ganze funktioniert so: Der Pizzabäcker legt in die Kunststoffverpackung die Pappe, faltet einen kleinen Winkel, passend zur Pizzagröße auf, damit sich das gute Stück nicht beim Transport verschiebt und legt am Ende entweder einen Deckel auf oder stapelt die nächste Verpackung obendrauf. Am Ziel angekommen entnimmt der Kunde dann Pizza mitsamt Pappe und gibt die Verpackung direkt dem Fahrer wieder mit – ohne Pfand, ohne Säuberung, einfach so. Klingt perfekt und vor allem im Sinne des Gesetzgebers, der gerade bei Einwegkaffeebechern und Einweggeschirr im Imbissbereich nachhaltige, sprich wiederverwertbare Alternativen, tja, eben nur fordert. Aber nicht vorschreibt. Der Kunde wird also vor die Wahl gestellt. Wenn überhaupt. Sagt der Herforder Hendrik Single und weiß auch: Dann wählt der Kunde weiterhin die Pappschachtel. Und so falten und verpacken in Deutschland weiterhin tausende von Pizzerien dampfend Warmes in Schachteln, die nach dem einmaligen Gebrauch im Müll landen – wenn überhaupt. Es sind eher ganz normale Endkunden, die bei uns ordern. Erzählt Hendrik Single dem erstaunten Zuhörer. Die mit der PizzaBow unter dem Arm zur Pizzeria gehen, dem erstaunten Pizzabäcker Verpackung mitsamt Pappinlay unter die Nase halten und dann wieder damit nach Hause gehen.

„Im Internat haben wir die gebrauchten Pizzakartons in jeder Ritze versteckt, die wir finden konnten.“

Vielleicht muss das Ganze so funktionieren, von unten nach oben. Müssen sich mehr Pizzaliebhaber eben nicht nur für Belag und Teig, sondern auch für die Verpackung interessieren. Und selbst das nutzen, was irgendwie schlau wirkt. Und vor allem irgendwie zu früh am Markt. Vielleicht war und ist das mein größter Fehler gewesen. Fragt sich Hendrik Single heute, viele Jahre nach seiner zündenden Idee. Denn auch wenn er sich Gebrauchsmuster und einige Detailideen schützen ließ, so war das große Ganze natürlich nicht zu schützen. Und schnell nachgemacht. Nicht im Detail, nicht in Gänze. Aber generell. Es gibt kaum eine wiederverwertbare Verpackung, die jede Pizza aufnimmt, ganz gleich ob 28 oder 33 Zentimeter im Durchmesser. Die viele hundert Male in den Geschirrspüler wandern kann, die nicht vom Pizzamesser zerkratzt wird, weil ja auf der Pappe, nicht auf dem Kunststoff geschnitten wird. Wer weiß, dass große Lieferdienste auch mal bis zu 1.000 Pizzen am Tag ausliefern, der braucht einen Taschenrechner mit vielen Stellen, um ausrechnen zu können, wie viele Pizzakartons bei uns täglich gefaltet, befüllt und weggeworfen werden. Irgendwann wird auch die Regierung diesen Taschenrechner in die Hand nehmen, den Fokus umlenken, sich um dieses Problem kümmern.

Natürlich fährt Hendrik Single die Pizza nicht selbst aus – sondern wendet sich an die, die ihre Pizza nachhaltig genießen wollen.

Ob PizzaBow dann ganz vorne mit dabei ist? Schwer zu sagen. Noch und weiterhin sind wir ein Start-up. Mein Vater hilft mit bei der Abarbeitung der Aufträge, ebenso Freunde und Bekannte. Rechnet Hendrik Single vor und erzählt, dass all das ja nicht seine einzige unternehmerische Tätigkeit sei. Da gibt es noch ein Logistikzentrum, das er betreibt. Und die Kosmetikmarke Samtiq, bei der es um das sanfte, ganzheitliche Bekämpfen von Hautunreinheiten geht. Im Mittelpunkt steht aber weiterhin PizzaBow, eher nicht im B2B-, sondern dann eben im B2C-Bereich.

Bis in die Schweiz gehen die schwarzen Verpackungen und die hellen Pappinlays, die gerne im 50er-Pack gekauft werden und sich auch individuell bedrucken lassen. Und wer weiß, vielleicht kommt ja doch noch der große Dreh, folgt die Einsicht, dass Pizzen zwar lecker, aber Pizzakartons irgendwie nicht so richtig nachhaltig sind. Sondern dafür sorgen, dass jede Menge Müll durch die Landschaft geweht wird. Nur das Problem im Internat wird auch PizzaBow nicht lösen. Wenn wir die Kunststoffbehälter hätten immer waschen müssen, wären wir bestimmt früher aufgeflogen. Weiß Hendrik Single heute.

Nr 32

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