Wenn sich die Lufthansa von einem Flughafen gänzlich verabschiedet, bleibt meist vor allem eins: gähnende Leere. Die drohte auch am Flughafen Paderborn, als nicht nur der Flug nach Frankfurt, sondern nun auch die Verbindung, die Nabelschnur nach München gekappt wurde. Mit Leere aber wollten sich vor allem die nicht zufriedengeben, die von hier aus berufsmäßig nach Europa, in die Welt starten wollen. Und müssen. Also haben sie das gegründet, das geschafft, was einzigartig in Deutschland ist: eine eigene Flugverbindung auf die Beine gestellt. Aber was heißt das genau? Wie viele müssen hier fliegen, damit es lohnt, weitergeht? Was kostet der Spaß, wer kann wie mitmachen und was ist, wenn die Lufthansa reumütig zurückkehrt? Ein Gespräch mit dem, der auf all das eine Antwort hat. Mit Matthias Hack, Pressesprecher von skyhub PAD.
Wenn sich die Lufthansa von einem Flughafen gänzlich verabschiedet, bleibt meist vor allem eins: gähnende Leere. Die drohte auch am Flughafen Paderborn, als nicht nur der Flug nach Frankfurt, sondern nun auch die Verbindung, die Nabelschnur nach München gekappt wurde. Mit Leere aber wollten sich vor allem die nicht zufriedengeben, die von hier aus berufsmäßig nach Europa, in die Welt starten wollen. Und müssen. Also haben sie das gegründet, das geschafft, was einzigartig in Deutschland ist: eine eigene Flugverbindung auf die Beine gestellt. Aber was heißt das genau? Wie viele müssen hier fliegen, damit es lohnt, weitergeht? Was kostet der Spaß, wer kann wie mitmachen und was ist, wenn die Lufthansa reumütig zurückkehrt? Ein Gespräch mit dem, der auf all das eine Antwort hat. Mit Matthias Hack, Pressesprecher von skyhub PAD.
Herr Hack, wie groß war das Entsetzen, als die Lufthansa bekanntgegeben hat, dass sie die Strecke PAD/MUC nicht mehr bedienen wird? Und wie lange hat es gedauert, bis das neue Projekt auf sicheren Beinen stand?
MH: Unmittelbar nach der Ankündigung der Lufthansa haben wir die Initiative ergriffen und einen kleinen Kreis zusammengestellt, der sich mit der Aufkündigung nicht abfinden wollte. Mit kräftiger Unterstützung durch unseren Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Linnemann und unseren Landrat Christoph Rüther, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens Paderborn/Lippstadt ist, hat sich die skyhub PAD GmbH & Co. KG unter Federführung von Unternehmer Christoph Plass, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld, innerhalb kurzer Zeit gegründet. Das ging also erstaunlich schnell und reibungslos.
Wie sind denn jetzt, kurz vor dem Start am 1. September, die Erwartungshaltungen bei den Buchungen für die ersten 12 Monate?
MH: Die Lufthansa hat auf der Strecke Paderborn/Lippstadt – München im Jahr 2024 rund 104.000 Fluggäste befördert. Wir sind nicht defizitär, wenn wir eine Größenordnung von 90.000 Passagieren pro Jahr erreichen. Dieses Ziel haben wir fest im Visier.
Wie viele Buchungen muss es überhaupt geben, um zumindest eine schwarze Null zu schreiben?
MH: Wir rechnen schon mit genau diesen 90.000 Passagieren – und zum Start mit jeder Menge Rückenwind aus der Wirtschaft. Wenn sich unser Angebot erst einmal etabliert hat, sind wir optimistisch, dass wir die angestrebte Zahl erreichen.
Die Basis vom skyhub PAD sind ja vor allem Unternehmer, die sich hier engagieren. Suchen Sie noch weitere Gesellschafter – und wenn ja, welche Voraussetzungen müssen diese mitbringen?
MH: Ja, weitere Gesellschafter sind herzlich willkommen – insbesondere auch aus dem Norden von Ostwestfalen-Lippe. Bis auf die Mindesthöhe der Beteiligung von 25.000 Euro gibt es dabei keine Hürde. Mitmachen können hier Unternehmen und Privatpersonen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, skyhub PAD mit Ticket-Kontingenten und Marketing-Aktivitäten zu unterstützen.
Wie groß schätzen Sie den generell den Einzugsbereich für die neue Fluglinie ein?
MH: Unser zentraler Radius ist der Einzugsbereich des Flughafens Paderborn/Lippstadt, also die Regionen Ostwestfalen, Lippe und Südwestfalen.
Sie sind jetzt mit dem eingesetzten Flugzeugtyp ATR72- 600 gut 15 Minuten länger für die Strecke als bisher mit der CRJ 1000 unterwegs, der Preis erhöht sich um rund 10 Prozent. Was stimmt Sie optimistisch, dass die Strecke dennoch gut angenommen und gebucht wird?
MH: Die wenigen Minuten mehr, die das Fluggerät der von uns beauftragten Fluggesellschaft DAT gegenüber einem Jet benötigt, fallen meiner Meinung nach nicht wirklich ins Gewicht. Schließlich sind andere Faktoren wie Gesamtreisezeit, schneller Service am Airport und günstige Parkgebühren sehr starke Argumente, die für unser Angebot sprechen.
Erwarten Sie eine nahezu reine Buchung durch Geschäftsleute, oder rechnen Sie auch mit Urlaubspassagieren?
MH: In der Vergangenheit hat die Lufthansa neben Geschäftsreisenden auch viele Privatpersonen befördert. Wir gehen davon aus, dass sowohl die Pointto- point-Verbindungen zwischen Paderborn/Lippstadt und München als auch die Weiterflüge im Lufthansa-Netz auch von Privatreisenden stark genutzt werden.
Was passiert, wenn das Fluggerät einmal ausfällt, wie schnell ist Ersatz greifbar?
MH: Die von uns beauftragte dänische Fluggesellschaft DAT hat einen tadellosen Ruf in der Branche, verfügt über moderne Maschinen und ist für den operativen Betrieb sehr gut gerüstet. Da sind wir also auf alle Eventualitäten eingestellt.
Bekommt das eingesetzte Flugzeug dann auch eine eigene Lackierung oder fliegt es mit dem DAT-Design?
MH: Hier befinden wir uns noch in Verhandlungen. Es gibt Unternehmen, die starkes Interesse am Branding der Maschine haben. Hier sind wir – in Absprache mit der DAT – frei und offen für eine entsprechende Vermarktung.
Ist es auch denkbar, dass das Flugnetz in Zukunft ausgeweitet wird, wenn die Akzeptanz da ist?
MH: Grundsätzlich ja, der erste Fokus liegt jetzt aber auf der Weiterführung der München- Verbindung. Wir gehen da Schritt für Schritt, sind für vieles offen, wollen aber nicht träumen, sondern erst einmal die für uns so wichtige Verbindung zum Drehkreuz nach München wieder mit Leben füllen.
Wie muss ich mir den Ablauf als Passagier vorstellen, der von München aus den weiterreist? Bekomme ich in Paderborn auch meine Bordkarten für den Weiterflug? Und wenn ja, klappt dies mit Lufthansa und allen Star Alliance Partnern?
MH: Ja, das gesamte Procedere für einen Weiterflug läuft in der bekannten und bewährten Form, die Lufthansa seit vielen Jahren in Paderborn/Lippstadt praktiziert hat. Es fühlt sich also nicht nur so an, als reise man mit der Lufthansa und ihren Partnern weiter, sondern es ist auch wirklich so.
Wie sieht es mit der Preisgestaltung aus, wird es je nach Auslastung/Buchungsfrequenz stark variierende Preise geben, oder in welchem Rahmen bewegen sie sich?
MH: Wir starten mit 149 Euro inklusive Steuern und Gebühren one-way. Je nach Auslastung der Maschinen werden sich die Flugpreise anpassen.
Wird es bei geringerer Auslastung dann auch ein Last Minute-Angebot geben?
MH: Nein, 149 Euro ist die Untergrenze, damit wir im wahrsten Sinne des Wortes mindestens kostendeckend unterwegs sind. Wir verstehen uns ja nicht als Billigflieger, sondern als seriöses und wirtschaftlich denkendes Flugangebot, das über viele Jahre bestehen will.
Ist es eigentlich auch denkbar, dass die Lufthansa an den Standort PAD zurückkehrt?
MH: Diese Frage können wir nicht beantworten – und sie steht auch nicht in unserem Fokus. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, dass wir unser Angebot so gestalten, dass es die notwendige Akzeptanz findet und erfolgreich wird.
Ist es denkbar, dass nicht nur von PAD aus andere Flüge angeboten werden, sondern auch ein zweiter Heimatflughafen hinzukommt, der dann diesen mit MUC/FRA verbindet, weil hier die Lufthansa ihr Angebot auch reduziert hat?
MH: Durchaus. Aber wie gesagt, aktuell liegt der Fokus auf der München-Strecke.
In der Politik war zumindest in der Ampelregierung der Wille da, dass man Inlandsflüge mindestens reduzieren, wenn nicht abschaffen will. Sie machen mit Skyhub PAD genau das Gegenteil. Was spricht dafür?
MH: Diese Intention können wir in der Politik nicht erkennen. Vielmehr stehen im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung vielfältige Maßnahmen, um den Flugverkehr zu stärken. Wir gehen davon aus, dass diese Ankündigungen auch entsprechend umgesetzt werden. Und wir wissen durch zahlreiche Gespräche, dass die Verbindung nach München von Paderborn aus eine Strecke ist, bei deren Bewältigung vieles für das Flugzeug spricht.
Haben Sie sich auch zeitlich eine Art Ziel innerhalb einer Art Probezeit gesetzt? Was passiert, wenn Sie die Ziele nicht erreichen und wann ziehen Sie ein erstes Resümee, aus dem dann auch Handlungen folgen?
MH: Mit diesem Szenario beschäftigen wir uns nicht: Wir sind in das Gelingen verliebt!
Wie darf man sich den Jungfernflug – in Paderborn und bei der Ankunft in München – vorstellen?
MH: Wie einen ganz normalen Flug, bei dem es natürlich einige Besonderheiten geben wird: Am Flughafen Paderborn/ Lippstadt planen wir das Durchschneiden eines roten Bandes und eine Wasserdusche. Auch am Flughafen München sind bei einer neuen Strecke einige Aktivitäten vorgesehen.
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