Detail

Wenn du hinwirfst, als Beamtin, dann ist das Sicherheitsnetz ein löchriges.

Ach, leck mich.

Keinen Gründerzuschuss, kein Hartz IV, eher ein Schön-doof gibt es für den, der geht. Aber lange über den Abschied, den Schlussstrich nachdenken, musste Jette dennoch nicht. Weil sie nach einigen Jahren im Schulbetrieb als Lehrkraft in einem, so sagt sie selbst, so desolaten Zustand war, dass nichts mehr ging. Und alles, was kommen würde, besser war als das, was war. Und ist.

Keinen Gründerzuschuss, kein Hartz IV, eher ein Schön-doof gibt es für den, der geht. Aber lange über den Abschied, den Schlussstrich nachdenken, musste Jette dennoch nicht. Weil sie nach einigen Jahren im Schulbetrieb als Lehrkraft in einem, so sagt sie selbst, so desolaten Zustand war, dass nichts mehr ging. Und alles, was kommen würde, besser war als das, was war. Und ist.

Also erst einmal wieder klar-, auf die Beine kommen, sich und sein Umfeld sortieren und dann überlegen: Was mache ich jetzt eigentlich? Eis. Wäre eine naheliegende Idee, weil der Mann der Detmolderin selbst ein Eiscafé betreibt. Aber wenn schon was Neues, was Eigenes starten, dann auch so richtig. Also entschied sich Jette für Eis am Stiel. Klassischer geht es kaum. Kennt jeder, mag jeder. Das Logo gestaltete ein Designer aus Hamburg, es zeigt ihre charakteristische Frisur, auch wenn, wieder O-Ton, ich ab sofort meine Haare nicht mehr ändern, nicht mal mehr länger wachsen lassen darf. Erzählt Jette. Und lacht herzlich.

Wir stehen in ihren engen Produktionsräumen, gegenüber vom Wohnhaus, einfach die Straßenseite wechseln. Es ist alles schon gut gefüllt, jeder Quadratmeter ausgenutzt, hier die Eismaschine, da die Verpackungseinheit, Regale mit Lebensmitteln, riesige und viele Eistruhen, in denen sich verbirgt, was es sonst nur in sehr, sehr ausgewählten Locations zu kaufen gibt. Mich rufen ja sogar Menschen aus Frankfurt an und wollen bestellen. Sagt Jette und schüttelt – teils aus Verwunderung, teils als Antwort – mit dem Kopf. Verschicken? Geht kaum. Und Absatzprobleme hat sie eh keine. Dafür ist das Eis eben eins am Stiel. Und nicht von der Stange. Wer ihr beim Zubereiten zuschaut, empfindet eine Mischung aus Sentimentalität und Romantik. Gibt es das wirklich noch? Jemanden, der Erdbeeren per Hand und kiloweise püriert? Der die halbfertigen Eise per Hand und mit viel Augenmaß in heiße, weiße Schokolade genau so weit eintunkt, dass es am Ende nicht nur ein ganz wunderbar schmeckendes, sondern herrlich anzuschauendes Spaghettieis am Stiel gibt? Kein Wunder, dass dieses Eis eines ihrer absoluten Renner ist.

Findet auch Jettes Tochter, die jetzt nach der Schule kurz in der Eismanufaktur vorbeischaut. Willste 'n Eis? Lautet die in diesen Tagen häufig gestellte Frage ihrer Mutter. Die nicht lange bitten muss; schon steht eine Truhe offen, verschafft sich die sommerbesprosste Stupsnase einen schnellen Überblick. Apfel-Minze-Zitrone, kurz AMIZI, vielleicht? Klingt zumindest abenteuerlich. Erfrischt aber auch ganz ungemein. Lieber Mango-Himbeer? Allein die knalligen Farben: zum Reinbeißen. Schoko gibt es auch, oder besser: nicht ganz. Denn wo hier Schokoko drauf steht, ist nur Veganes drin. Auch das: selten zu finden auf dem Markt, auf dem sich die Magnums und Cujamara-Splits nur so tummeln. Essen? Tut Jette die nicht. Viel zu viele Geschmacks-, viel zu viele andere Inhaltsstoffe, die sich unter dem bunten Verpackungspapier verstecken. Und da nicht nur ihrer Meinung nach nicht hingehören.

Eis-am-Stiel-Förmchen
Jette Sauerwald
Spaghettieis am Stiel
Pipapops Packaging

Ein gutes Eis am Stiel braucht nicht viel. Sagt Jette und verrät gerne, was wie wo abgewogen, abgemessen, abgefüllt und verarbeitet wird. Das Geheimnis der Zutaten lautet eh: möglichst frisch, möglichst regional, möglichst hochwertig. Das eigentliche Geheimnis aber, wenn es um das Eis von Frau Sauerwald – so heißt sie, so heißt auch die Marke – geht, liegt sowieso in der Herstellung, in der Handarbeit, in der, auch wenn es kitschig klingen mag, Liebe, die sie da reinsteckt. Das beginnt bei der Auswahl der Zutaten und endet bei einer durchsichtigen Zellophanfolie, die am Ende jedes Eis umhüllt. Dazwischen: jede Menge Arbeitsschritte, deren Summe der Eisschleckende nicht mal erahnen kann. Der greift eh lieber zu, packt aus, beißt rein oder leckt daran – je nachdem, wie viel Zeit sie oder er gerade hat. Apropos Zeit: Ein gutes Jahr ist so ein Eis am Stiel locker haltbar. Immer vorausgesetzt – und da wird Frau Sauerwald, also die Jette, erstmals ernst –, dass man nicht allzu oft in der Truhe, im Gefrierfach nach dem Rechten schaut. Denn jede Öffnung bedeutet auch Temperaturansiteg. Und das mag Eis im Allgemeinen und Eis am Stiel im ganz Speziellen überhaupt nicht. Also besser direkt aufessen.

Für den Fall, dass Jette wirklich einmal kein eigenes Eis am Stiel zur Hand hat, auf Reisen ist, wirklich mal in eine Truhe eines Lebensmittelgeschäfts greifen muss, wählt sie – und empfiehlt zugleich – Cornetto Nuss. Das ginge noch so gerade. Alles andere: viel zu zuckrig, viel zu fettig. Sagt sie. Und verwirft den Gedanken mit dem Cornetto Nuss gleich wieder. Es sei einfach etwas komplett anderes, industriell hergestelltes Masseneis und die Produkte aus ihrer Manufaktur. Die könnte längst ordentlich wachsen, aber wer an der Eismaschine steht, der kann sich eben nicht auch noch um Akquise und Buchhaltung, Expansion und all die Dinge kümmern, die ein Wachstum erforderten.

Schritt für Schritt. Sagt Jette Sauerwald. Das habe ihr schon die Zeit als Lehrerin gezeigt: Aus Hektik entsteht selten Gutes. Also lässt sie es hier ruhig(er) angehen, denkt über erste Mitarbeitende nach, über weitere Eissorten, über Vertriebskanäle, auch darüber, das Eis am Stiel irgendwann dann doch verschicken zu können. Und zu wollen. Bis dahin kaufen die, die sich vorher telefonisch ankündigen. Holen die ab, die auf Biohöfen, in Kiosken ihre Eistruhen für den Verkauf füllen und auch vor so gewagten Sorten wie Holunder-Birne nicht nur nicht zurückschrecken, sondern sie feiern. So wie Jette die Entscheidung, dem Lehrerberuf Lebewohl zu sagen. Und nun, wie man so sagt, in Eis am Stiel, im kleinen Stil zu machen. Aber das könne sich schon noch ändern. Was irgendwie schön wäre. Und irgendwie auch nicht.

528 Nr.37 // H5 Sommer 2025

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