Backen und zuhören, verzieren und antworten? Für Manon Oltersdorf-Stuwe kein Problem, schließlich fühle sich die Arbeit in einer Konditorei und Bäckerei heute eben genau so an: Immer alles gleichz eitig machen, hier einspringen, dort aushelfen, organisieren und produzieren, um Vertrieb und Ausrichtung kümmern, die 18 Mitarbeitenden einteilen.
Backen und zuhören, verzieren und antworten? Für Manon Oltersdorf-Stuwe kein Problem, schließlich fühle sich die Arbeit in einer Konditorei und Bäckerei heute eben genau so an: Immer alles gleichz eitig machen, hier einspringen, dort aushelfen, organisieren und produzieren, um Vertrieb und Ausrichtung kümmern, die 18 Mitarbeitenden einteilen.
Mittendrin: Die 44-jährige Konditor- und Bäckermeisterin, für die all das normal ist. Dabei war es damals, vor 25 Jahren, gar nicht mal ihr Traumberuf, auch wenn sie heute die Bäckerei Oltersdorf in Lübbecke schon in dritter Generation führt. Das Wirtschafts-Abi in der Tasche, sollte es eigentlich beruflich im Mediendesign-Bereich weitergehen. Aber Plätze waren rar, und warum dann nicht direkt etwas machen, was ihr in die Wiege gelegt zu sein schien. Nur bitte nicht im elterlichen Betrieb, gerne möglichst weit weg. Also absolvierte Manon Oltersdorf-Stuwe erst einmal die Lehre in Bad Oeynhausen, wechselte nach Bad Kreuznach, zog weiter in ein 5-Sterne-Hotel nach München, ehe es mit einem 99 Euro-Flugticket ins kanadische Calgary ging – wo sie ein Jahr lang in einem kleinen Ort in den Rockey Mountains arbeitete und drei weitere Monate kreuz und quer durchs Land reiste.
Warum sie dann doch wieder zurückgekehrt ist, nach Ostwestfalen, in das Eckgebäude, in dem ganz klassisch vorne der Verkaufsraum zu finden ist, sich hinten die Backstube anschließt? „Wahrscheinlich, weil man seine Familie dann doch nicht im Stich lässt, die Tradition doch fortführen möchte“, sagt die, die nebenbei noch den Betriebswirt machte, die Prüfungen zur Konditor- und zur Bäckermeisterin erfolgreich ablegte und nun mittendrin steht – nicht nur in der Backstube, sondern auch in einer Branche, in der sich gerade sehr viel verändert.
Die größten Sorgen? Da muss Manon Oltersdorf-Stuwe nicht lange überlegen. Nachwuchs und steigende Kosten lautet die Antwort. Weil nur noch wenige bereit sind, so zu arbeiten wie sie. Sich mittags hinzulegen, dann wieder aufzustehen, abends sehr früh ins Bett zu gehen, zu nächtlicher Stunde wieder aufzustehen. Dabei haben sie hier schon die Fünf-Tage-Woche eingeführt, haben sich dazu entschlossen, montags nicht zu öffnen, damit die Kollegen auch ein Zwei-Tages-Wochenende haben. Aber auch das entspreche nicht dem, was junge Menschen heute erwarteten. Sie haben die Öffnungszeiten verkürzt, geöffnete Nachmittage gestrichen, sind bei Social Media eingestiegen, um irgendwie an neue Kolleginnen und Kollegen zu kommen. Mit mäßigem Erfolg. „Jetzt denken wir tatsächlich darüber nach, neue Mitarbeitende im Ausland, etwa in Vietnam, zu suchen. Und zu finden“, erzählt die 44-Jährige, wundert sich zwar selbst darüber, weiß aber auch, dass man zu solchen Mitteln greifen muss, wenn die Alternativen fehlen. Denn für den Kunden – und der kauft hier vor allem Brötchen – ist Frische alles. Und selbst wenn ein Brot am Folgetag eigentlich besser als frisch aus dem Backofen schmecke, gelte das für das Brötchen eben nicht. Und der Kunde? Ist weiterhin der König.
Gepaart mit den Kostensteigerungen bei Zutaten und Energie, mit fehlendem Geld in den Portemonnaies derer, die hierher zum Einkaufen kommen, wird es irgendwann eng. Aber auch das kennt der, der in der Branche arbeitet. „Wir Innungsbetriebe stemmen uns gegen die Großen der Branche, gegen die Supermarktketten, gegen die Backshops, gegen die, für die Masse vor Klasse geht“, sagt Manon Oltersdorf-Stuwe. Dabei gäbe es durchaus den Kunden, der wertschätzt, dass sie hier eben nicht das leben, was sie „Maggibäckerei“ nennen. Also Backmischungen kaufen, die zusammenrühren und fertig ist etwa Bernd, das Brot. Hier wird noch alles selbst zusammengestellt, wird bei der Zutatenqualität nicht gespart, wird auf Handwerk, nicht auf Massenproduktion gesetzt. Der Kunde? Mag es im doppelten Wortsinn. Wie lange er sich das aber noch leisten kann und will? „Schwer zu sagen“, sagt Manon Oltersdorf-Stuwe und setzt darauf, dass auch hier ein Wandel einsetzt, dass sich der Mensch wieder mehr dafür interessiert, was er denn zu sich nimmt, wovon er sich ernährt. Und von was nicht.
Kleine, im wahrsten Sinne des Wortes, Kostprobe gefällig? Kein Problem. Einmal im Jahr schnappen sich die Innungsbäckereibetriebe der Region ihre Christstollen. In diesem Jahr geht's damit in den Werre-Park nach Bad Oeynhausen. Hier steht die offizielle Stollenprüfung des Deutschen Brotinstiturs mit Blindverkostung an. Also blind eher für den, der sich nicht richtig gut auskennt mit Stollen und den Betrieben vor Ort. „Wir schauen drauf und wissen, welches Gebäck von welchem Betrieb kommt. Handwerk heißt ja irgendwie auch Handschrift“, erklärt Manon Oltersdorf-Stuwe. Der Laie aber weiß davon nichts, staunt und probiert. Und auch der offizielle Tester vom Deutschen Brotinstitut interessiert sich nur für den Stollen, nicht für den Betrieb, der ihn gefertigt hat. All das sei natürlich imagebildend, Werbung in eigener Sache. „Aber das neutrale Feedback von einem echten Kenner ist tatsächlich auch sehr interessant für uns, damit wir an unseren Produkten Verbesserungen vornehmen und eine noch bessere Qualität abliefern können“, sagt Manon Oltersdorf-Stuwe und lädt jede und jeden ganz herzlich ein, zu kommen, zu probieren, sich auszutauschen.
Welchen Stollentyp sie selbst in diesem Jahr mitnehmen wird? Ist noch nicht entschieden. Dazu müsse sich der Sturm, der hier gerade täglich durch die Backstube fegt, noch legen. Sagt die Innungsmeisterin, überlegt kurz, lacht und weiß: Das ist eher nicht zu erwarten. Doch sie weiß auch: Auch dieses Problem wird gelöst und wie selbstverständlich wird sie mit ihrem Stollen pünktlich bei der Qualitätsprüfung mit Blindverkostung stehen. Und sich selbst die Daumen drücken. Von all der Hektik? Ist spätestens dann nichts mehr zu spüren. Und schon gar nichts zu schmecken. Ganz im Gegenteil.
Stollenprüfung, 11.11.2025
Werre-Park, Bad Oeynhausen
10.30Uhr – 14.30Uhr
Klingel drücken. Hallo sagen. Treppe hoch. Durch die Tür. Kurzes Hallo zurückbekommen. Zum Chef geführt werden. Ankommen. Frederik…
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