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Handgemacht in Bethel: Rainer Wollenburgs Grillzange fürs Leben

Leise gefertigt. Für Flammen gemacht

Einfach das Stück Holz nur so, für das Foto, an die Schleifmaschine halten? Ist nicht das Ding von Rainer Wollenburg. Wenn, dann macht der 62-Jährige das richtig. Und das schon, also hier arbeitend, da muss er nicht lange überlegen, seit dem 5. November 1985. Lang her.

Einfach das Stück Holz nur so, für das Foto, an die Schleifmaschine halten? Ist nicht das Ding von Rainer Wollenburg. Wenn, dann macht der 62-Jährige das richtig. Und das schon, also hier arbeitend, da muss er nicht lange überlegen, seit dem 5. November 1985. Lang her.

Sagt auch Konrad Sagemüller, Mitarbeiter bei proWerk, einem Stiftungsbereich der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Hierher kommt Rainer Wollenburg jeden Arbeitstag und kümmert sich um das, was gerade in der Sommerzeit besonders gut läuft: die Grillzange. Rainer – hier wird sich wie selbstverständlich geduzt – ist einer von 70 Menschen mit Beeinträchtigung, die in den Werkstätten mit Holz arbeiten. Schleifen, Bohren, Sägen und Ölen gehören zu ihren typischen Aufgaben. Und davon gilt es bei der Grillzange jede Menge abzuarbeiten.

Zu kaufen gibt es sie später im Onineshop der Manufaktur Bethel, Manufactum vertreibt sie auch, manchmal findet sie sich sogar – dann mit passendem Branding – im Webshop von Arminia Bielefeld. Erst aber startet alles mit wahlweise Eichholz- oder Buchenstücken, die erst verleimt werden, ehe aus ihnen zwei Teile der Grillzange entstehen. Erledigen hier noch zwei große Maschinen die Arbeit, geht es danach weiter zum Arbeitsplatz von Rainer. Der nimmt sich Zeit. Weil man mit Hektik nicht weiterkomme. Und jeder Handgriff sitzen, jede noch so kleine Stelle mit Leim versehen werden muss, später mit Öl benetzt werden will. Schraubzwingen halten die Werkstücke in Position, drücken zusammen, was möglichst lange halten soll. Und wird. Bei richtiger Pflege, sagt Konrad Sagemüller, Tischler mit Zusatzausbildung für die Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung, dürften das ruhig viele, sehr viel Grillsaisons werden. Zu beachten ist dabei: Nicht draußen liegen lassen, nicht in den Geschirrspüler stecken, gerne auch mal nachölen. Dann stehe dem langen Grillzangenleben nichts im Wege. Davor aber liegt das Verleimen, das Bohren von zwei Löchern, in die Holzzapfen gesteckt werden, damit die Verbindung eine noch engere, beständigere ist. Dazwischen: immer wieder schleifen. So vergeht die Zeit, kann es schon mal einige Wochen dauern, bis eine neue Charge, eine Bestellung abgearbeitet ist. Dabei sei aber immer sichergestellt, dass Zangen am Lager liegen, damit auch Spontankäufe jederzeit möglich sind. 29,90 Euro kostet das gute Stück, ein bisschen was kommt noch für den dazu, der seinen Namen, sein Logo ins Holz lasern lassen will. Danach folgte noch eine großzügige Ölung, wird ein Lederband durch die Öse am Griffende gezogen, ehe das Verpacken ansteht, das Lager aufgefüllt wird.

„Zwischen Schleifen, Bohren und Ölen entsteht mehr als eine Grillzange – ein Stück Handwerk fürs Leben.“

In ihm findet sich auch – in deutlich geringerer Stückzahl – eine Version für Linkshänder. Wir haben ja Griffmulden für Finger und Daumen, gleichzeitig eine glatte Ober- und eine geriffelte Unterseite, mit der sich gleich mehrere Würste auf einmal wenden lassen können. Sagt Konrad und erklärt damit gleich auch, warum es Links- und Rechtshändervarianten gibt. Da musst du schon aufpassen. Weiß auch Rainer und lässt die weiße Flasche mit dem Holzkleber wieder sorgsam über die beiden Holzstücke gleiten.

Wie viele Grillzangen er denn wohl schon zusammengebaut, geschliffen, poliert habe? Schwer zu sagen. Er mache das ja schon, Moment, seit elf Jahren. Also von Anfang an dabei, sozusagen. Während um ihn herum vor allem Insektenhotels und Nistkästen, Therapiefiguren und Holztabletts von den rund 70 Kolleginnen und Kollegen gebaut werden, ist sein Aufgabengebiet klar und nicht diskutabel umrissen: Ich mache hier die Grillzange. Unzählige sind dabei durch seine Hände gewandert, ach was, erst durch seine Hände entstanden. Und das nicht nur in den Sommermonaten, sondern längst ganzjährig, weil doch eigentlich immer Grillsaison ist. Und kaum ein Geschenk so gut wie dieses in den Händen liegt.

Am Grill aber, egal ob Zuhause oder hier bei proWerk, wo auch das Mittagessen von der Kantine schon mal an die frische Luft verlegt wird, lässt Rainer die Zange links liegen. Grillen, wenn plötzlich jede Menge Menschen hungrig hinter mir stehen? Lieber nicht. Dann nimmt er sich lieber die Zeit, setzt sich im sicheren Abstand hin, schaut einfach zu. Und erfreut sich daran, wie leicht das Umdrehen der Bratwürste, das Wenden des Fleisches, das Grillen an sich geht. Mit der, mit seiner Grillzange.

528 Nr.37 // H5 Sommer 2025

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