Gummistiefel dabei? Nö. Schlecht. Hat er nicht gesagt, aber vielleicht gedacht. Hätte man ja vielleicht dran denken können, nach all dem Regen der ver gangenen Tage. Aber wer auf einer Apfelplantage arbeitet, die sich sogar Obst-Arboretum Olderdissen in Bielefeld nennt, der hat natürlich Gummistiefel in jeglicher Größe da, schaut schnell mal nach, stellt vor die Füße und dann kann es auch losgehen.
Selbst der Laie entdeckt und versteht schnell: Apfelbaum ist hier nicht gleich Apfelbaum. 350 unterschiedliche Sorten stehen hier, kaum eine Sorte, die es zweimal gibt. Eine beeindruckende Zahl, die Simon Avenwedde gleich noch mal toppen kann. 2.000 Apfelsorten sind weltweit bekannt – über den grünen Daumen gerechnet. Den hat Avenwedde auf jeden Fall und seit vielen Jahren. Ließ sich zum Gärtner Fachrichtung Obstbau ausbilden und fand hier das, was nicht nur er als Traumberuf bezeichnet. Wer aber denkt, dass er nur zur Ernte draußen ist, der irrt. Die meiste Arbeit steht eigentlich im Winter an, sagt der Mitarbeiter. Denn da wollen und müssen die Bäume zurückgeschnitten, in Form gebracht werden. All das: mühsam. Und meist auch eine Arbeit, die man witterungsbedingt am besten in Gummistiefeln erledigt.
Jetzt aber steht der vielleicht spannendste Teil der Arbeit bevor, lässt sich in den kommenden Wochen beantworten, wie gut die Ernte wohl werden wird. 2022? War sie sehr gut. In diesem Jahr? Noch schwer zu sagen. Regen gab es viel, Wärme zu wenig, vor allem zu Saisonbeginn. Aber auch da gilt:
Lass die Natur mal machen.
Und dich überraschen.
Am Ende wird sich das Kühllager des Obst-Arboretum schon gut füllen. Und bald vielleicht nicht nur wie gewohnt freitags für die Kunden öffnen. Die Nachfrage ist aktuell so groß, dass wir darüber nachdenken, auch dienstags den Verkaufsraum aufzuschließen. Verrät Simon Avenwedde. Die, die hierherkommen, sind häufig Stammgäste. Die auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Nachhauseweg kurz Halt machen und Äpfel und Apfelsaft direkt einpacken. Dass sie dabei die Qual der Wahl haben, nehmen sie so nicht wahr. Es ist doch schön, dass es hier eben nicht das Einerlei aus dem Supermarkt gibt. Sagt der Obstfachmann und greift selber in eine der grünen Obstkisten. Darin ab Ende Juli auch wieder Klaräpfel, häufig in Gärten vorkommend und meist nicht wirklich geschätzt. Das liege daran, dass sie einfach zu früh gepflückt werden, sie dann noch hart und aromalos sind. Da gibt Hans-Joachim Bannier, Initiator des Obst-Arboretums Olderdissen und Apfelexperte, lieber eine Anleitung, wie es besser geht:
Man greife den Apfel von unten und schwenke ihn vorsichtig hoch.
Löst er sich dabei fast spielerisch vom Baum? Dann ist er reif. Bleiben Stiel und Ast eng miteinander verbunden? Dann lieber noch hängen, noch gelber, noch reifer werden lassen. Wer die Äpfel von mehr als 300 Bäumen per Hand erntet, der ent wickelt schnell ein Gefühl dafür, was fertig, erntereif ist. Und was schmeckt. Dabei hat Simon Avenwedde gar nicht mehr den direkten Vergleich zum Supermarkt-Apfel, weil er hier schon seit Jahren nicht mehr an der Obstauslage gestanden hat. Sein aktueller Favorit: Der Glockenapfel. Aber das könne sich schon bald wieder ändern. Beim Getränk? Greift er natürlich auch zum Apfelsaft. Gepresst bei der Mosterei Feldmann in Gütersloh. Einmal die große Flasche mit Kronkorkenverschluss schütteln, auf den Kopf stellen, öffnen und aaaaaahhh, der Geschmack habe doch wirklich nichts mit dem zu tun, was landläufig als Apfelsaft oder Apfelschorle abgefüllt wird.
Wer hierherkommt, der hat seinen Gaumen an etwas gewöhnt, was er lange nicht geschmeckt hat. Den echten, den puren Apfelgeschmack. Entstanden auf insgesamt sechs Hektar Obstanbaufläche, entstanden auch ohne jegliche Chemie. Vor allem aber: Mit jeder Menge Hingabe für ein Obst, das ansonsten bei uns aus Übersee eingeflogen wird und zu einem geschmacklichen Einerlei geworden ist. Es geht aber auch anders. Sagt Simon Avenwedde, greift mit seinen Händen, denen die Handarbeit anzusehen ist, in den Korb, fischt sich einen Glockenapfel heraus und wiegt ihn abschätzend in den Händen. Das hier, das ist Natur pur. Alles andere? Eben nur alles andere.
Obst-Arboretum Olderdissen (Bioland-Betrieb)
Das Obst-Arboretum Olderdissen ist kein rein kommerzieller Obstbau-Betrieb, sondern eine Initiative zur Bewahrung traditioneller Obstsorten.
Dornberger Str. 197 • 33619 Bielefeld
T 05 21 / 12 16 35
M alte-apfelsorten@web.de
Hofladen
Freitags von 12:00 bis 19:00 Uhr
Erhaltung von > 350 verschiedenen Apfelsorten sowie 150 Sorten anderer Obstarten
Mitglied bei der „Deutschen Genbank Obst“
Mitglied des „Erhalternetzwerks Obstsortenvielfalt“ des Pomologen-Vereins e. V.
Gummistiefel dabei?
Nö.
Schlecht.
Hat er nicht gesagt, aber vielleicht gedacht. Hätte man ja vielleicht dran denken können, nach all dem Regen der ver gangenen Tage. Aber wer auf einer Apfelplantage arbeitet, die sich sogar Obst-Arboretum Olderdissen in Bielefeld nennt, der hat natürlich Gummistiefel in jeglicher Größe da, schaut schnell mal nach, stellt vor die Füße und dann kann es auch losgehen. Jetzt gerade, bei unserem Besuch Anfang Mai, stehen die Bäume in voller Blüte. Und voll, das meint wirklich voll. Mehr weiße Blüten als grüne Blätter, alle bereit, um bestäubt zu werden. Wenn nur fünf Prozent am Ende wirklich befruchtet werden, darf man zufrieden sein. Rechnet Simon Avenwedde vor. Werden es mehr Prozent, werden es auch mehr Äpfel. Aber meist eben auch kleinere. Dass überhaupt fünf Prozent bestäubt werden, ist Aufgabe der Bienen. Die gibt es hier am Hang des Teuto en masse. Ein befreundeter Imker hilft mit seinen Völkern nach und wäre man irgendwann einmal eine Biene: hier würde man leben, summen und Nektar sammeln wollen.
Selbst der Laie entdeckt und versteht schnell: Apfelbaum ist hier nicht gleich Apfelbaum. 350 unterschiedliche Sorten stehen hier, kaum eine Sorte, die es zweimal gibt. Eine beeindruckende Zahl, die Simon Avenwedde gleich noch mal toppen kann. 2.000 Apfelsorten sind weltweit bekannt – über den grünen Daumen gerechnet. Den hat Avenwedde auf jeden Fall und seit vielen Jahren. Ließ sich zum Gärtner Fachrichtung Obstbau ausbilden und fand hier das, was nicht nur er als Traumberuf bezeichnet. Wer aber denkt, dass er nur zur Ernte draußen ist, der irrt. Die meiste Arbeit steht eigentlich im Winter an, sagt der Mitarbeiter. Denn da wollen und müssen die Bäume zurückgeschnitten, in Form gebracht werden. All das: mühsam. Und meist auch eine Arbeit, die man witterungsbedingt am besten in Gummistiefeln erledigt.
Jetzt aber steht der vielleicht spannendste Teil der Arbeit bevor, lässt sich in den kommenden Wochen beantworten, wie gut die Ernte wohl werden wird. 2022? War sie sehr gut. In diesem Jahr? Noch schwer zu sagen. Regen gab es viel, Wärme zu wenig, vor allem zu Saisonbeginn. Aber auch da gilt:
Lass die Natur mal machen.
Und dich überraschen.
Am Ende wird sich das Kühllager des Obst-Arboretum schon gut füllen. Und bald vielleicht nicht nur wie gewohnt freitags für die Kunden öffnen. Die Nachfrage ist aktuell so groß, dass wir darüber nachdenken, auch dienstags den Verkaufsraum aufzuschließen. Verrät Simon Avenwedde. Die, die hierherkommen, sind häufig Stammgäste. Die auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Nachhauseweg kurz Halt machen und Äpfel und Apfelsaft direkt einpacken. Dass sie dabei die Qual der Wahl haben, nehmen sie so nicht wahr. Es ist doch schön, dass es hier eben nicht das Einerlei aus dem Supermarkt gibt. Sagt der Obstfachmann und greift selber in eine der grünen Obstkisten. Darin ab Ende Juli auch wieder Klaräpfel, häufig in Gärten vorkommend und meist nicht wirklich geschätzt. Das liege daran, dass sie einfach zu früh gepflückt werden, sie dann noch hart und aromalos sind. Da gibt Hans-Joachim Bannier, Initiator des Obst-Arboretums Olderdissen und Apfelexperte, lieber eine Anleitung, wie es besser geht:
Man greife den Apfel von unten und schwenke ihn vorsichtig hoch.
Löst er sich dabei fast spielerisch vom Baum? Dann ist er reif. Bleiben Stiel und Ast eng miteinander verbunden? Dann lieber noch hängen, noch gelber, noch reifer werden lassen. Wer die Äpfel von mehr als 300 Bäumen per Hand erntet, der ent wickelt schnell ein Gefühl dafür, was fertig, erntereif ist. Und was schmeckt. Dabei hat Simon Avenwedde gar nicht mehr den direkten Vergleich zum Supermarkt-Apfel, weil er hier schon seit Jahren nicht mehr an der Obstauslage gestanden hat. Sein aktueller Favorit: Der Glockenapfel. Aber das könne sich schon bald wieder ändern. Beim Getränk? Greift er natürlich auch zum Apfelsaft. Gepresst bei der Mosterei Feldmann in Gütersloh. Einmal die große Flasche mit Kronkorkenverschluss schütteln, auf den Kopf stellen, öffnen und aaaaaahhh, der Geschmack habe doch wirklich nichts mit dem zu tun, was landläufig als Apfelsaft oder Apfelschorle abgefüllt wird.
Wer hierherkommt, der hat seinen Gaumen an etwas gewöhnt, was er lange nicht geschmeckt hat. Den echten, den puren Apfelgeschmack. Entstanden auf insgesamt sechs Hektar Obstanbaufläche, entstanden auch ohne jegliche Chemie. Vor allem aber: Mit jeder Menge Hingabe für ein Obst, das ansonsten bei uns aus Übersee eingeflogen wird und zu einem geschmacklichen Einerlei geworden ist. Es geht aber auch anders. Sagt Simon Avenwedde, greift mit seinen Händen, denen die Handarbeit anzusehen ist, in den Korb, fischt sich einen Glockenapfel heraus und wiegt ihn abschätzend in den Händen. Das hier, das ist Natur pur. Alles andere? Eben nur alles andere.
Obst-Arboretum Olderdissen (Bioland-Betrieb)
Das Obst-Arboretum Olderdissen ist kein rein kommerzieller Obstbau-Betrieb, sondern eine Initiative zur Bewahrung traditioneller Obstsorten.
Dornberger Str. 197 • 33619 Bielefeld
T 05 21 / 12 16 35
M alte-apfelsorten@web.de
Hofladen
Freitags von 12:00 bis 19:00 Uhr
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Gummistiefel dabei? Nö. Schlecht. Hat er nicht gesagt, aber vielleicht gedacht. Hätte man ja vielleicht dran denken können, nach all dem…
Alle weg? Kann ja eigentlich nicht. Denken wir.
Für Alex?
Er hat ja neue dabei.
Also schwingt sich Alex Kettermann vom Fahrersitz, öffnet…
Na dann los. Wir freuen uns.
Auf deine Anfrage. Auf dich.
Und melden uns. Direkt.
Schneller, als du erwartest.