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Bigfoot-Guitars in Schloss Neuhaus: Wo gebrauchte Gitarren besser als neu werden

Aus alt mach neuer

Da wird es ja wohl laut sein. Gitarrenriffe, die durch die Flure jagen, Soli, die sich von Raum zu Raum hin und her bewegen, zumindest aber mal rockige, mal jazzige Musik aus der Konserve, die hier an jedem Arbeitsplatz gespielt wird. Dachten wir zumindest, als wir endlich einen Parkplatz an der stark befahrenen Straße in Schloss Neuhaus, dann auch noch den Hinterhof-Eingang gefunden hatten und die Treppen hochgestiegen sind, ehe wir –, ja, wo eigentlich? – gelandet waren.

Da wird es ja wohl laut sein. Gitarrenriffe, die durch die Flure jagen, Soli, die sich von Raum zu Raum hin und her bewegen, zumindest aber mal rockige, mal jazzige Musik aus der Konserve, die hier an jedem Arbeitsplatz gespielt wird. Dachten wir zumindest, als wir endlich einen Parkplatz an der stark befahrenen Straße in Schloss Neuhaus, dann auch noch den Hinterhof-Eingang gefunden hatten und die Treppen hochgestiegen sind, ehe wir –, ja, wo eigentlich? – gelandet waren.

Bigfoot-Guitars heißt das Unternehmen, das ganz bewusst ein örtliches Schattendasein führt, über keinen Showroom verfügt und bei dem es vor allem eins ist: unglaublich still. Wer ganz genau hinhört, der kann das Stimmen einer Gitarre hören. Wer aber Fragen stellt, so wie wir, der erhält erstaunliche Antworten. Gegründet hat das hier, was irgendwie ausschaut wie eine Mischung aus Wohngemeinschaft und Musikgeschäft, Fotostudio und Instrumentenlager, Felix Dütting. Der war mal Verkehrspilot, dann Lehrer, spielt leidenschaftlich Gitarre und merkte irgendwann: Biete ich meine gebrauchten, aber perfekt wieder auf Vordermann gebrachten Gitarren auf einschlägigen Portalen an, gehen sie direkt weg – in wenigen Augenblicken. Das könnte, dachte sich Felix, eine Geschäftsidee sein, die beides perfekt miteinander verbindet: Lebensunterhalt und Leidenschaft.

Als dann noch Tobias Kersten als Partner hinzukommt, von Hause aus Banker, auch Gitarrenspieler und der Mann für die Zahlen, den Service, die Außendarstellung, ist die Firmenstruktur komplett. Ein ehemaliger Anwalt wollte die Räumlichkeiten hier loswerden, die beiden Geschäftsführer schlagen zu und bleiben damit ihrem Motto treu: Was wirtschaftliche Zwänge und Verpflichtungen angeht, den Ball flachhalten, lieber in Technik investieren. Letzteres gelingt mit dem Kauf zweier sogenannter Plek-Maschinen, die sie weit von den Mitbewerbern, gar von Gitarrenproduzenten, abheben. Mit ihnen machen sie aus gebrauchten nicht nur neuwertige, sondern Instrumente, die besser als die sind, die neu gekauft werden. Wie das geht, ist ein bisschen ein Firmengeheimnis und ein anderes bisschen sehr, sehr technisch. Für den Laien: Die Maschinen vermessen und stellen die Gitarren optimal ein. So gut, dass jede Menge Profimusiker hier ihre Instrumente vorbeibringen, sich neue kaufen, die schon mal gespielt wurden. Genannt werden wollen sie lieber nicht, auch das: Firmengeheimnis.

Viel wichtiger aber sind all die Gitarrenspieler, die hier ihre Instrumente hinschicken, neue bestellen. Wer durch die Firmenräume geführt wird, der sieht vor allem eins: Gitarrenkästen, die sich bis zur Decke stapeln. Gekennzeichnet mit Klebestreifen, die mit Eddings beschriftet wurden, mal schon komplett aufgearbeitet, dann noch darauf wartend, dass etwa Mitarbeiter und Profimusiker Nils sie in die Hand nimmt, kurz abschätzt, was zu tun ist und dann aufpoliert und Saiten ersetzt, die weitere Technik checkt und alles für die Nacharbeitung in den Maschinen vorbereitet. Zwischendurch: die Saiten stimmen, ganz leicht an ihnen zupfen, nochmal genau hinschauen, wieder nachjustieren, das Prüfprotokoll auslesen, das maschinelle Finetuning starten.

Ganz gleich, wie hochwertig die Gitarren sind, ob Jazz- oder Metal-Modell, ob nur aus Prestigegründen gekauft und ins Wohnzimmer gestellt oder auf den Bühnen dieser Welt durchgespielt: Alle erhalten den gleichen Check, die gleiche Hingabe bei der Aufarbeitung. Ist die abgeschlossen, wird professionell fotografiert und in den eigenen Webshop gestellt – ehe meist schon nach wenigen Stunden das Paket gepackt werden kann. Lange liegen – beziehungsweise hängen – hier nur die wenigsten Modelle.

Allerdings zeigt sich hier – zumindest bei einem von zehn Verkäufen – der Schwachpunkt des Onlinevertriebs. Eine Gitarre einfach so online zu kaufen, gerade wenn sie mehrere tausend Euro kostet, ist nicht so einfach. Mal kommen sie mit aufwändigen Erklärungen, dann ganz ohne Worte zurück. All das entlockt den Kollegen von Bigfoot- Guitars meist nur ein Achselzucken. Vorbeikommen, mal in die Hand nehmen, Alternativen ausprobieren, mal einfach anspielen wäre die deutlich bessere Möglichkeit. Aber weil hier eben nicht OWL, sondern halb Europa einkauft, wird dann doch meist verkauft, was sich der Kunde virtuell ausgesucht hat. Was ja auch meistens klappt und für Begeisterung und Verwunderung bei der Kundschaft sorgt. Kann eine gebrauchte Gitarre tatsächlich besser als die fabrikneue Variante klingen? Kann sie. Weiß er dann. Und wissen sie bei Bigfoot-Guitars sowieso.

Natürlich könnten sie einen Showroom in Hamburg, in Berlin eröffnen – da, wo die Musik im doppelten Wortsinne spielt. Aber wer weiß, was er will, ist mit dem Onlinekauf bestens bedient. Und wachsen, sich vergrößern, mit all den Nöten und Sorgen, die damit verbunden sind? Wollen sie hier bei Bigfoot eh nicht. Rund 2.000 gebrauchte Instrumente packen sie hier jährlich aus und später wieder besser als neu ein. Es kommen Liebhaber her, die gleich die gesamte Sammlung im Kofferraum haben und loswerden wollen, dann die, die auf ein Tauschgeschäft aus sind, Enthusiasten, die sich das Objekt der Begierde nur gebraucht leisten können. Möglich? Ist dann fast alles. Sagt Tobias Kersten, der nicht nur das für den Erfolg ausgemacht hat. Noch wichtiger: das rasante und fachlich fundierte Beantworten von An- und Nachfragen, nicht nur von 8 bis 17 Uhr, sondern auch mal zu später Stunde, an Feiertagen und sogar einmal an Heiligabend, als Tobias gerade auf dem Weg zur Kirche war. Hier antwortet kein Computer, hier chattet niemand aus dem Callcenter, hier greifen Chefs und Kollegen zum Handy – oder wie jetzt Nils – zum Mobilteil der Telefonanlage und beantwortet auf Englisch, was eigentlich klar sein sollte: Hypothetische Vorbestellung, quasi ein Bestellen von dem, was irgendwann erst einmal reinkommen könnte, ist nicht möglich. Was da ist, findet sich im Webshop. Was sich da nicht findet, gibt es nicht.

Wie lange das noch so weitergeht, mit der Nachfrage, mit dem Gitarrenspiel nicht für Insta & Co., sondern für die eigenen und viele fremde Ohren, wird sich zeigen. Auch die Beantwortung der Frage, wie lange noch Menschen bestimmte Gitarren bestimmten Musikern wie etwa Jimmy Page zuordnen können, ist nicht einfach. Das wird wahrscheinlich alles abnehmen. Schätzen die beiden Firmeninhaber realistisch ein. Aber die, die nicht nur blenden, sondern spielen, genießen wollen, wird es immer geben. Und wenn dann aus gut besser entsteht, wenn aus gebraucht besser als neu wird, dann wird ihnen – natürlich ostwestfälisch zurückhaltend, keinesfalls laut, sondern eher bescheiden leise, nicht bange.

Frühsommer 2026

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Frühsommer/2026

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