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Flipperparadies in Bad Salzuflen: Zu Besuch bei den Electric Fans

Die Flippers

Keine Erklärung, kein Eintauchen in die Flipperhistorie, kein Fachsimpeln, keine Flippervorstellung. Das charakteristische Klackern der Kugeln, gepaart mit diesem ebenso leicht wiedererkennbaren Flippersound ist noch zu hören – aber Kim und Margit sind längst entrückt, abgetaucht.

Irgendwann kommt nichts mehr.

Keine Erklärung, kein Eintauchen in die Flipperhistorie, kein Fachsimpeln, keine Flippervorstellung. Das charakteristische Klackern der Kugeln, gepaart mit diesem ebenso leicht wiedererkennbaren Flippersound ist noch zu hören – aber Kim und Margit sind längst entrückt, abgetaucht.

Oder besser: stehen jeweils vor einem Flipper, lassen die Oberkörper hin- und herwandern, damit sie die Kugeln noch besser einschätzen, ihre Perspektive einnehmen können. Wir? Sind längst vergessen. Aber das ist mehr als okay so. Denn was zieht mehr an als eine ehemalige Möbeltischlerei, in der jetzt rund 50 Flipper stehen, man kein Münzgeld braucht und niemand hinter einem stehend auf die Schulter tippt und drängelt. Das hier, das ist das Flipperparadies. Eingerichtet und ausgestattet von den Electric Fans, wie sich die 83 Vereinsmitglieder nennen, deren Wurzeln in Lemgo liegen und die irgendwann – da waren sie nur gut 20 Spieler – hier nach Bad Salzuflen gezogen sind.

Wer den schmalen Pfad nimmt und an einer auch heute noch aktiven Tischlerei vorbei auf eine Art Wohnhaus zusteuert, da noch ein paar Treppenstufen hochsteigt, keine Klingel findet und so einfach die nicht abgeschlossene Tür aufdrückt, der steht, nun, in einer Art Riesenkneipe. Es gibt XXL-Getränkekühlschränke, Musikboxen, blinkende Neon-Reklame und vieles mehr, was man so in Kneipen findet – wenn man 30, 40 Jahre zurückdenkt. Mittendrin: jede Menge Ledersessel und Sofas, auf denen auch Kim und Margit sitzen. Beide sind lange schon verheiratet, vor allem aber teilen sie ein Hobby: Flippern. Gefragt, wie viele Flipper sie denn ihr Eigen nennen, gibt es erst Stille (zum Rechnen), dann eine erste vage Zahl (die direkt korrigiert wird) und am Ende ein Ergebnis: 46. Oder 48. Je nachdem, wen von den beiden du fragst. Hier im EFVereinsheim stehen viele davon, andere in ihrem, sie nennen das wirklich so, Spielzimmer. Und als die Tochter auszog, winkten die beiden nicht lange traurig hinterher, sondern bauten auch hier Fipper auf. Einmal vom Virus gepackt, lässt er dich nie wieder los. Weiß Kim aus Erfahrung. Der ist im eigentlichen (Berufs-) Leben Leiter einer IT-Abteilung, im Herzen aber Flipperspieler. Nur in seinem Wohnzimmer ist der letzte Flipper längst ausgezogen. So richtig kommunikativ sei das ja nicht, zu spielen und es sich gleichzeitig gemütlich zu machen. Sind sich beide Gott sei dank auch einig.

Meist aber spielen sie hier. So wie die 81 weiteren Vereinsmitglieder, von denen der ein oder andere freitags öfter hier ist. An jedem vierten Samstag im Monat aber öffnet sich die Tür für jedermann – allerdings mit einer Vorgabe: Spontan vorbeikommen geht nur mit Glück, wenn noch Tageskarten übrig sind; es gilt, sich einen Slot via Webseite zu buchen, ehe die vierstündige Spielerei beginnen kann. Zur Verfügung stehen dafür historische Schätze und neueste Modelle – und alles dazwischen.

Wer mit Kim, der mit Nachnamen Danielmeier heißt, durch die Ausstellung, also den eigentlich Spielraum schlendert, der erfährt zu jedem Flipper eine Geschichte. Angefangen bei einem Schätzchen aus dem Jahr 1933, das zeigt, wo der Name Pinball eigentlich herkommt. Der Wirt hatte es aufs Kleingeld abgesehen.

Sagt Kim, zeigt auf den Bagatelle-Automat, bei dem man die silberfarbene Kugel nur auf die Reise schicken kann, alles Weitere erledigen die Nägel (daher der Begriff Pin), die mit verschiedenen Zahlen ausgewiesenen Löcher und vor allem die Portion Glück. Am Ende? Gewinnt meist der Wirt. Das wussten sie schon damals. Aber es hat sie nicht davon abgehalten, Geldstück auf Geldstück in den Schlitz zu stecken, den Abzug zu drücken – und zu hoffen.

Heute sind alle Flipper hier so eingestellt, dass es kein Kleingeld braucht. Ein Knopfdruck, die Kugel rollt in Position, alles um dich herum ist vergessen. Sagt Kim und stellt klar: Flippern hat mit Können zu tun. Wer zweifelt, der versuche es erst selbst und schaue dann ihm oder Vereinskollegen über die Schultern. Es ist ein himmelweiter Unterschied. Plötzlich rollen gleich eine Handvoll Kugeln über die bunt beleuchtete Spielfläche, es piept und rattert, blinkt und klackert. Es gebe Naturtalente und Spieler, die Jahre brauchten, um weit(er) zu kommen. Alle hier sind sich einig: Übung macht den Meister.

Und natürlich der Wettkampf, das Gegeneinanderantreten, das sich messen. Wobei – Mein größter Gegner bin immer noch ich selbst. Sagt Kim, schaut kurz auf und dann wieder zurück auf die Kugeln, die sich gerade reihenweise verabschieden. Es ist auch für ihn noch ein weiter Weg, ehe er diesen Flipper, wie man so sagt, zu Ende gespielt hat. Tritt das wirklich ein, ist jedes Level erreicht, dann ist die Faszination erloschen, wird verkauft, besser getauscht. So oder so: Die Stelle, die er hinterlässt, bleibt nicht lange ungenutzt. Es sei wie bei Uhren, bei Oldtimern: Eine Sammelleidenschaft. Alle hier scheinen ständig auf der Suche, reparieren und setzen selbst in Stand, bauen aus und weiter, perfektionieren und starten dann wieder von vorn. Ein Ende? Nicht in Sicht.

Hier in der Halle ist noch ein bisschen Platz. Für weitere Mitspieler. Und weitere Flipper. Wie viele genau? Schwer zu sagen. Und auch nicht so wichtig. Die, die hierher kommen, finden beides: Raum für ihre Leidenschaft. Raum für sich. Und das zählt.

Wo sonst kann man auch so schön abtauchen?

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