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Das Blaue Kreuz Eilshausen bietet Hilfe für alle Süchtigen

Erster Schritt ist der schwerste

Wer einfach nur an dem Gebäude Meierstraße 18 in Eilshausen vorbeifährt und einen flüchtigen Blick aus dem Fenster wirft, könnte meinen, dass es sich bei dem Haus um eine Kneipe handelt. Wobei es doch eigentlich das genaue Gegenteil ist. „Dabei gibt es sogar viele Menschen, die hier immer wieder vorbeifahren, mit sich hadern, ob sie nun anhalten, bei uns vorbeischauen sollen, oder lieber nicht“, sagt Hermann Hägerbäumer vom Blauen Kreuz Eilshausen. Die Überwindung, der erste Schritt sei dabei immer das Schwerste, weiß auch Peter Mathias. Der erlebte vor vielen Jahren, was nach offiziellen Zahlen rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland ereilt. Wobei die Dunkelziffer noch einmal so hoch sein soll.

Wer einfach nur an dem Gebäude Meierstraße 18 in Eilshausen vorbeifährt und einen flüchtigen Blick aus dem Fenster wirft, könnte meinen, dass es sich bei dem Haus um eine Kneipe handelt. Wobei es doch eigentlich das genaue Gegenteil ist. „Dabei gibt es sogar viele Menschen, die hier immer wieder vorbeifahren, mit sich hadern, ob sie nun anhalten, bei uns vorbeischauen sollen, oder lieber nicht“, sagt Hermann Hägerbäumer vom Blauen Kreuz Eilshausen. Die Überwindung, der erste Schritt sei dabei immer das Schwerste, weiß auch Peter Mathias. Der erlebte vor vielen Jahren, was nach offiziellen Zahlen rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland ereilt. Wobei die Dunkelziffer noch einmal so hoch sein soll.

Der heute 64-Jährige hatte erst Probleme, dann das Gefühl, dass sich diese Probleme in Luft auflösen, wenn er Alkohol konsumiert. „Was dann passiert, wenn man immer weiter trinkt, ist typisch für uns Menschen. Wir nennen das den Aufbau des Suchtgedächtnisses. Irgendwo im Unterbewusstsein wird abgespeichert, dass sich Probleme mit Alkohol lösen – und das bleibt ein Leben lang bestehen“, so Peter Mathias. Der suchte irgendwann, als er längst deutlich zu viel trank, das Gespräch mit einem Geistlichen, suchte weiter, ehe er über viele Umwege auf das Blaue Kreuz in Eilshausen traf. „Hier fühlte ich mich schnell zu Hause, auch wenn der Start auch für mich nicht einfach war. Sollte ich mich hier wirklich Fremden öffnen, sollte ich einfach mal vorbeischauen, würde mir hier wirklich geholfen?“, fragte sich Peter Mathias, der seit gut 14 Jahren Teil des Blauen Kreuzes und seit zwei Monaten der erste Vorsitzende des Vereins ist.

Ein Betroffener erzählt ganz offen

Noch deutlich länger kümmert sich Hermann Hägerbäumer hier um die, die Suchtprobleme haben. „Gegründet wurden wir vor genau 125 Jahren – und mein Großvater war einer der Mitbegründer. Anfangs ging es allein um Alkoholismus, während wir uns heute um jegliche Süchte kümmern“, erklärt der bisherige Vorsitzende, der auch hauptberuflich als Bundesgeschäftsführer beim Blauen Kreuz arbeitete. Nach seinem Ruhestand begann er, sich weiterhin im Blauen Kreuz Eilshausen ehrenamtlich zu engagieren. Die Facetten der Alkoholkrankheit kennt er längst bis ins letzte Detail. Weiß, dass es irgendwann „klick“ in den Köpfen der Menschen macht, wenn sie hierherkommen, an den Gruppenabenden freitags teilnehmen, Teil einer Gruppe werden, die irgendwann zur neuen Familie wird.

„Anfangs, bei den ersten Gesprächen am Telefon oder in der Gruppe, kann man sich nicht vorstellen, dass man sich hier wirklich öffnet. Aber schnell merkt man: Das Problem, das ich habe, haben und kennen hier alle“, sagt Hermann Hägerbäumer.

Wer kommt, dem wird zugehört

Wunder dürfe man auch hier nicht sofort erwarten, sagt Peter Mathias. So ist er in den ersten Wochen tatsächlich nach den ersten Treffen direkt zur Tankstelle gefahren und hat sich mit Alkoholischem versorgt. Doch irgendwann – den Tag, das Datum werde er nie vergessen – war Schluss mit dem Trinken von Alkohol, bis heute. „Wichtig sind die Treffen hier beim Blauen Kreuz immer noch für mich. Es gibt im Leben eines Alkoholkranken immer wieder Situationen, wo sich sein Suchtgedächtnis meldet, wo er schwankt, in Versuchung kommt. Und genau dann bekomme ich hier Hilfe“, sagt Peter Mathias, der mit seiner Geschichte, mit seinen Erfahrungen vielen Menschen hilft, die neu hierherkommen. Die sind meist etwas älter, „rund 40 Jahre alt sind die meisten, die auf uns stoßen, aber es gibt auch sehr junge und deutlich ältere Männer und Frauen, die es schaffen, uns zu kontaktieren“, weiß Hermann Hägerbäumer. Annähernd 30 Prozent von ihnen, so die Statistik, schaffen es allein durch die Selbsthilfegruppe. Bei den anderen kommt es zu Rückfällen, zur Abschottung oder zu Aufenthalten in der stationären Therapie. „Wir sind für alle Fälle, für wirklich jeden da. Wir vermitteln weiter, wir beraten, wir können auf ein riesiges Netzwerk zurückgreifen und lassen ganz sicher niemanden allein“, versichern die vielen ehrenamtlichen Helfer des Blauen Kreuzes Eilshausen gerne und immer wieder. Wir bieten auch Angehörigen Hilfe, die durch die Suchtkranken über Jahre mitbetroffen sind und stark leiden.

„Die Dunkelziffer ist doppelt so hoch wie die offizielle Zahl der betroffenen.“

Werben für Verständnis: Hermann Hägerbäumer und Peter Mathias (rechts).

25 bis 30 Betroffene und Angehörige treffen sich so jeden Freitagabend zur Gruppenstunde hier in dem Vereinsheim, das mithilfe der Gemeinde und der Sparkassenstiftung barrierefrei umgebaut wurde. Die Gruppenstunden beginnen nach der Begrüßung mit einem geistlichen Impuls. Danach teilen sich die Besucherinnen und Besucher in drei kleine Gesprächsgruppen auf.

In den Gruppen gilt vor allem ein Grundsatz: Was in den Gruppen besprochen wird, wird von niemandem nach außen getragen. „Darauf kann man sich zu hundert Prozent verlassen“, weiß Peter Mathias aus eigener Erfahrung. „Einmal, da war es bei mir richtig knapp. Hätte ich da eine Flasche im Haus gehabt, wäre ich wohl rückfällig geworden – und das nach zehn Jahren“, sagt der 64-Jährige und ist froh, dass es nicht so war. Und dass er vor allem wusste, mit wem er das sofort besprechen konnte. Hier, beim Blauen Kreuz in der Gruppe.

Blaues Kreuz in Deutschland E.V.

Ortsverein Eilshausen

Meierstraße 18, 32120 Hiddenhausen
Telefon: 0 1573 55 87 736 (P. Mathias)
Telefon: 0 5223 18 05 306 (H. Hägerbäumer)
Gruppenabende jeden Freitag ab 19:00 Uhr
Mail: eilshausen@blaueskreuz-owl.de
www.blaues-kreuz-eilshausen.com

Text / Fotos: Tobias Heyer / HOCH5

03 / 2024

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