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EASYHORSE löst Spielzeugladen Sundermeier in Bünde ab

Schließen – und wieder öffnen

Nachfolge für Geschäft bei Spielzeugladen Sundermeier ist gefunden.

Es ist ein trauriges Bild. Die Hälfte der Regale ist leer, überall kleben 30 % Rabattschilder, das Sortiment ist ausgedünnt und irgendwie sieht alles nach Abschied aus. „Wenn wir hier am 29. August den Schlüssel umdrehen, weiß ich nicht, wie ich das ertragen werde. Fest steht: es werden Tränen fließen“, sagt Angelika Sundermeier, die sich dazu entschieden hat, ihren Spielzeugladen am Goetheplatz aufzugeben. „Corona hat einfach dafür gesorgt, dass die Menschen ins Internet abgewandert sind – und von da gibt es einfach kein Zurück mehr“, erzählt die 74 Jährige, die das Geschäft am Ende nur noch als teures Hobby sah. „Natürlich hätte ich mich gefreut, wenn meine Tochter Anke den Laden übernommen hätte – aber leben kann man davon

Es ist ein trauriges Bild. Die Hälfte der Regale ist leer, überall kleben 30 % Rabattschilder, das Sortiment ist ausgedünnt und irgendwie sieht alles nach Abschied aus. „Wenn wir hier am 29. August den Schlüssel umdrehen, weiß ich nicht, wie ich das ertragen werde. Fest steht: es werden Tränen fließen“, sagt Angelika Sundermeier, die sich dazu entschieden hat, ihren Spielzeugladen am Goetheplatz aufzugeben. „Corona hat einfach dafür gesorgt, dass die Menschen ins Internet abgewandert sind – und von da gibt es einfach kein Zurück mehr“, erzählt die 74 Jährige, die das Geschäft am Ende nur noch als teures Hobby sah. „Natürlich hätte ich mich gefreut, wenn meine Tochter Anke den Laden übernommen hätte – aber leben kann man davon einfach nicht mehr.“ Das sieht auch ihre Tochter so. „Ich habe einen Sohn und müsste mit den Einkünften meinen Lebensunterhalt bestreiten – und das in einer Zeit, in der ich manchen Verkaufspreis im Internet finde, den wir nicht mal als Einkaufspreis bekommen“, so Anke Sundermeier Schneider. Dabei sei der Kontakt zu den Vertriebs mitarbeitenden der Hersteller immer sehr gut gewesen, „aber am Ende waren wir einfach zu klein – so wie unsere Bestellmenge. Da sind uns die Großen, die auch im Internet aktiv sind, schnell davongezogen“, so die bittere Konsequenz. Vorzuwerfen haben sich Mutter und Tochter aber nichts. „Eigentlich alles, was wir entschieden und gemacht haben, würden wir heute genauso tun. Nur mit dem Thema Webshop hätten wir uns stärker beschäftigen können – auch wenn es bis heute nicht unsere Welt ist“, so Angelika Sundermeier. Die arbeitete früher nachts im Lukas Krankenhaus als Krankenschwester, gönnte sich nach der Schicht wenige Stunden Schlaf, um dann wieder im Geschäft zu stehen.

Ich habe einen Sohn und müsste mit den Einkünften meinen Lebensunterhalt bestreiten.

Ganz zu Beginn wurden hier noch Möbel verkauft, ehe Familie Sundermeier feststellte, dass es in ganz Bünde kein Holzspielzeug gab. „Da haben wir dann selbst diese Lücke gefüllt und sind nach und nach vom Möbel zum Spielzeugladen geworden.“ Wer denkt, dass das ein Paradies für die eigene Tochter war, der irrt. „Es war ein bisschen wie im Süßigkeitenladen, angucken durfte ich mir alles, anfassen nur weni ges und spielen eigentlich mit nichts“, sagt Anke Sundermeier Schneider heute. Gefallen hat ihr das Leben, die Arbeit im Spielzeugladen immer. „Wir hatten immer eine sehr treue, anständige Kundschaft“, wissen Mutter und Tochter. Wer hierherkam, der wollte nicht feilschen, zog keinen Vergleich zu Internetpreisen, sondern schätzte Beratung und Auswahl. Dabei waren die beiden froh, nie alles anbieten zu können. „Eine Barbie ist mir nie ins Regal gekommen. Ein einziges Mal habe ich eine Barbiepuppe für eine Kundin bestellt – und sie direkt angerufen und um Abholung gebeten, als sie geliefert wurde. Bis dahin ist sie im Büro geblieben und hat nie die Verkaufsräume gesehen“, erzählt Angelika Sundermeier nicht ohne Stolz ob ihrer eigenen Standhaftigkeit. Ganz anders war das bei den Holzfiguren bei Ostheimer, von den Autos und LKW von Fagus, „da hatten wir das größte Angebot und Sortiment weit und breit, da sind die Kunden von weit her gekommen, um bei uns einzukaufen“, erzählen die beiden. Selbst während der Corona Zeit, als alles geschlossen hatte, lief das Geschäft weiter – und gar nicht mal schlecht. „Natürlich waren die Zahlen nicht mit denen vergleichbar, die wir erzielt hätten, wenn nicht geschlossen gewesen wäre. Aber wir haben unsere alte Milchkannenklappe genutzt, um unsere Produkte doch verkaufen zu können, haben danach das Kartenlesegerät reingelegt und waren nicht unzu frieden“, so Angelika Sundermeier. Das änderte sich vor allem im vergangenen Jahr, als das Weihnachtsgeschäft fast gänzlich ausblieb. „Früher waren wir schon im Oktober mittendrin, doch da wurden die Zahlen erst im Dezember besser“, so die ernüchternde Bilanz. So nahm Anke Sundermeier Schneider einen Job in einer Tischlerei in Werther an, um über die Runden zu kommen.

Aber wir haben unsere alte Milchkannenklappe genutzt, um unsere Produkte doch verkaufen zu können.

Und schnell stand fest: Weiter wie bisher geht es nicht.

Aber es geht dann doch weiter, auch wenn nicht so, wie geplant und erhofft. „Mich erfüllt es mit Freude, dass wir zwar abschließen, aber, wenn alles glattgeht, schon im Oktober eine Neueröffnung feiern können“, sagt Angelika Sundermeier mit dem nicht nur sprichwörtlichen lachenden und weinenden Auge. Jessica Pollpeter hatte von der geplanten Schließung gehört „und dann ganz vorsichtig und über Umwege fragen lassen, ob die Räumlichkeiten schon vergeben sind“, erzählt die 44 jährige Unternehmerin. Die betreibt aktuell einen Service im Bereich Reitsport und da vor allem im Bereich der Textilreinigung und plant nun, Anfang Oktober ein Ladengeschäft zu eröffnen, „bei dem nicht der Reiter, sondern das Pferd im Mittelpunkt steht“. EASYHORSE nennt sich ihr Unternehmen, das dann einen echten Standort hat und auch Individualbestickungen von Reitutensilien anbietet. „Als ich mir die Räume hier angeschaut habe, wusste ich sofort: Die passen perfekt für mich und mein Unternehmen.“ Handelseinig wurden sich beide Seiten schnell und selbst die Leuchtreklame mit dem Sundermeier Schriftzug wird noch bestehen bleiben. „Der ist so stark verankert, dass ein Abbau zu teuer ist – und irgendwie gehört er ja auch zum Stadtbild, auch wenn er schon lange nicht mehr leuchtet“, sagt Angelika Sundermeier. Die würde sich freuen, wenn sie weiterhin für frischen Kaffee in den Verkaufsräumen sorgen kann. Und vielleicht ist dann sogar eine Tasse für ihre Tochter dabei. „Wir können uns sehr gut vorstellen, dass wir hier zusammenarbeiten“, sagen Anke Sundermeier Schneider und Jessica Pollpeter.

„Wir freuen uns darauf, dass es irgendwie weitergeht, dass unser Laden in gute Hände kommt. Das ist am Ende doch am wichtigsten.“

Bis das so weit ist, sollen die Regale erst einmal noch ein wenig leerer werden. „Natürlich kommen jetzt viele hierher und erzählen uns, wie traurig sie sind. Das ist auf der einen Seite schön – auf der anderen Seite hilft es uns nicht wirklich weiter“, so Anke Sundermeier Schneider. Wichtiger ist, dass der Abverkauf gut läuft, dass am Ende möglichst wenig übrig bleibt, ehe die Puppen und Spiele, Figuren und Bonbons Geschichte sind und alles rund um das Pferd einzieht. Dabei wird dem Besucher in der Ladeneinrichtung vieles bekannt vorkommen. „Ich will hier nicht alles komplett verändern“, hat sich Jessica Pollpeter vorgenommen. Viel wichtiger sei der pünktliche Start mit dem neuen Geschäft – das irgendwie dann doch gar nicht so neu ist. „Wir freuen uns darauf, dass es irgendwie weitergeht, dass unser Laden in gute Hände kommt. Das ist am Ende doch am wichtigsten“, sagt Angelika Sundermeier. Und möchte doch lieber nicht an den 29. August und das letzte Auf und Abschließen vom Spiel zeugladen Sundermeier denken.

September/Oktober 2023

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