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Eine Spritztour im Saab 9-3 Cabrio

Alter Schwede mit Wuschelfaktor

Werber wie wir fuhren früher einen. Architekten natürlich auch. Individualisten sowieso.

Und Freigeister. Bis heute.

Werber wie wir fuhren früher einen.
Architekten natürlich auch.
Individualisten sowieso.
Und Freigeister.
Bis heute.

Saab? Kennt heute ja kaum noch jemand. Was natürlich schade ist. Denn wenn es um Charakter geht, um Eigenständigkeit, auch um ein wenig Bockigkeit, dann ist der Saab das Maß vieler Dinge. Aber dazu später. Wir fahren einen Saab 9-3 Cabrio, also nicht gerade das, was man einen Oldtimer nennt, auch nicht das, was echte Saabkenner mit der Zunge schnalzen lässt. Das passiert nur beim Saab 900, dem Ur-Typ, dem echten Schweden.

Bei diesem hier liegt die Wiege eher in den USA, und wer erst einmal das Zündschloss in ihm gefunden hat, der gleitet so mit ihm dahin, wie das eigentlich nur amerikanische Straßenkreuzer tun. Kleiner Tipp, wenn du ratlos den Zündschlüssel in der Hand hast und dein Blick suchend durch das Wageninnere gleitet: Schau nicht vor, sondern rechts neben dich. Drehst du den Schlüssel, dann erklingt das saabtypische Turbosummen. Irgendwann, wenn wir alle nur noch mit E-Autos fahren und die Soundingenieure am Ende ihres Schaffens angelangt sind, wird es uns ergehen wie mit CD und Vinyl. Natürlich ist der Klang von der CD, der digitale Sound perfekter – und genau deshalb lieben wir Vinyl, mit seinem Knistern, mit all dem Unperfekten. Genauso ist es mit dem Turbosound. Den gibt es nicht gestreamt, nicht aus der Soundbox. Sondern eben nur von einem Turbolader, der oben auf dem Vierzylinder hockt und darauf wartet, dass es endlich losgeht.

Aus heutiger Sicht – der Saab ist gute 20 Jahre alt – geht natürlich gar nicht viel los. 150 Pferdestärken, 219 Newton meter, 10,4 Sekunden von null auf hundert sind Werte, die heute – gefühlt – ein E-Roller erreicht. Aber: Um all das, um Zahlen, Fakten, Werte geht es beim Saab 9-3 nicht. Auch sonst lässt man besser alle Maßstäbe weg, die sonst das Leben bestimmen. Er kommt offiziell als Viersitzer daher. Aber niemand will seinen Gästen zumuten, im Fond Platz zu nehmen.

Er hat ein elektrisches Faltdach, es braucht aber eine halbe Ewigkeit, bis es sich erst aufstellt, dann zusammenklappt und im Kofferraum verschwindet. Und weißt du was? Das ist genau gut so. Denn wo heute alles irgendwie schneller, elektrischer, einfacher gehen muss, ist es ein gutes Gefühl, sich mal Zeit zu nehmen. Sich bewusst zu entscheiden: Jetzt fahre ich offen. Und dann die Metamorphose vom Coupé zum Cabrio eben ein paar Sekunden länger nicht zu erleben, sondern zu genießen.

Natürlich sollte man ein Saab Cabrio 9-3 nie geschlossen fahren. Bei Regen, bei Hagel gar gehört er tief in den hinteren Gefilden der Garage geparkt, und, ganz wichtig, seine Batterie aufgeladen. Denn die entlädt sich schneller als die deines Handys. Also: Ladezustandshaltegeräte angeschlossen, noch einmal zärtlich über den Kotflügel streichen und dann kann der Saab in den Winter schlaf geschickt werden. Wobei: Unsere Winter werden immer milder, sonniger, sodass der Saab so langsam, Jahre nach seiner Ein stellung, zum Alljahresfahrzeug mutiert. Gedacht ist er aber für den Sommer. Für dann, wenn die Luft bei uns steht, man sich ernsthaft fragt, ob Spanien als Urlaubsziel noch wegen der Hitze eine Option ist. Wir lernen im Saab dann auch: Heute ist es das Ziel der Cabrioingenieure, dass der Insasse nicht mehr merkt, ob das Dach nun offen oder zu ist. Wind im Wageninneren? Bitte nicht.

Im Saab fegt es über den Scheitel. Nur ein Frevler baut das Windschott ein, echte Männer – und, ja doch, kaum ein Auto fasziniert Frauen so sehr wie ein Saab – und echte Frauen eben auch lassen alle vier Fenster automatisch nach unten gleiten und sitzen dann quasi im Freien. Auch das nicht sexistisch gemeint: Gibt es etwas Schickeres, als vom Wind kräftig verwehtes Haar? Der Saab spielt hier in der Frisuren-Champions-League, was den Wuschelfaktor angeht.

Wer Glück hat, erwischt einen Saab 9-3 Turbo für ein paar Euros auf dem Gebrauchtmarkt. Wer noch etwas mehr Glück hat, sogar einen Handschalter, und keinen Automatik. Der ist dann doch eher behäbig unter wegs. Aber mal wieder richtig schalten, Verdeck runter, rauf auf die Landstraße und den Kindern mit Fragezeichen über ihren Köpfen zurufen wollen, dass das hier ein Auto ist, deren Hersteller sie nie erraten werden, es aber ganz vorzüglich zum skandinavisch lockeren Dahingleiten einlädt, ist ein famoser Spaß.

Und führt am Ende doch vor allem zu einem: Sentimentalität. Der Saab ist ausgestorben. Nicht mangels Liebe. Sondern weil irgendwelche Investmentfritzen aus dem alten Schweden nen neuen Amerikaner machen wollten. Konnte nicht gut gehen. Ging es auch nicht.

Nr 33

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