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Schomäcker in Melle: Wie Dr. Joachim Sommer die Krise als Chance nutzt

Federleicht

Es gibt den Typ Unternehmer, der in der Krise erzählt, wie schlimm alles läuft. Wie schlecht die Gesamtumstände sind, wie sehr sich globale Krisen auf das eigene Geschäft auswirken, wie arg Zölle den Absatz bedrohen, wie politisches Vakuum das eigene Handeln einschränkt. Alles verständlich. Alles zigfach gehört.

Bei Schomäcker in Melle ist all das nicht anders. Und doch klingt es so nicht. Zumindest, wenn man Dr. Joachim Sommer zuhört. Der Geschäftsführer und Gesellschafter erzählt an diesem Mittwochmorgen Ende November auch, dass gerade gefühlt niemand LKW-Auflieger kauft – und sich damit auch niemand für die Federsysteme von Schomäcker, die daran verbaut werden, interessiert. Er berichtet, dass die Umsatzkurve längst nicht mehr nach oben geht, die Belegschaft in Kurzarbeit sei. Aber: All das nicht mit dem aktuell typischen Seufzer, sondern mit, ja, man kann das so sagen: einem Lächeln im Gesicht. Nicht, weil er über die Situation lächelt, ganz im Gegenteil. Sondern, weil er in der Krise auch eine Chance sieht.

Es gibt den Typ Unternehmer, der in der Krise erzählt, wie schlimm alles läuft. Wie schlecht die Gesamtumstände sind, wie sehr sich globale Krisen auf das eigene Geschäft auswirken, wie arg Zölle den Absatz bedrohen, wie politisches Vakuum das eigene Handeln einschränkt. Alles verständlich. Alles zigfach gehört.

Bei Schomäcker in Melle ist all das nicht anders. Und doch klingt es so nicht. Zumindest, wenn man Dr. Joachim Sommer zuhört. Der Geschäftsführer und Gesellschafter erzählt an diesem Mittwochmorgen Ende November auch, dass gerade gefühlt niemand LKW-Auflieger kauft – und sich damit auch niemand für die Federsysteme von Schomäcker, die daran verbaut werden, interessiert. Er berichtet, dass die Umsatzkurve längst nicht mehr nach oben geht, die Belegschaft in Kurzarbeit sei. Aber: All das nicht mit dem aktuell typischen Seufzer, sondern mit, ja, man kann das so sagen: einem Lächeln im Gesicht. Nicht, weil er über die Situation lächelt, ganz im Gegenteil. Sondern, weil er in der Krise auch eine Chance sieht.

Wir haben jetzt 14 neue Projekte angestoßen. Einige stehen noch ganz am Anfang, andere in der Entwicklung, kurz vor der ersten Prototypenbestellung. Erzählt der 61-Jährige, als wir mit ihm durch die Fertigungshallen in Melle gehen. Hier sieht es so aus, wie man sich produzierende Industrie vorstellt. Der Laie denkt: Donnerwetter, das ist aber eine unwirtliche Umgebung. Hitzeabstrahlende Maschinen und Werkstücke, mit schwarzem Staub überzogene Maschinenteile, schwitzende Männer mit Oberarmen, die den Umfang eines ausgewachsenen Oberschenkels haben. Es dampft, es donnert, es pfeift. Der Kenner aber sieht etwas ganz anderes: Einen hochmodernen Maschinenpark, viele individuelle Eigenentwicklungen, Effizienz, Nachhaltigkeit. Und sogar eine Frau, die die gesamte Produktion hier leitet.

Man muss schon, sagt Dr. Joachim Sommer, etwas tiefer einsteigen, um all das hier, das Unternehmen, die Perspektiven, auch die Nöte, vor allem aber die neuen Chancen zu verstehen. Um das zu tun, beschäftigt man sich am besten erst mit der Geschichte des Unternehmens, dann mit der des Unternehmers selbst. 150 Jahre ist Schomäcker heute alt. Über Generationen steuerte hier eine Familie, die sich irgendwann, vor ein paar Jahren, in vier Gesellschafter und Urenkel aufteilte, deren Interesse sich am operativen Geschäft, nun, etwas verringert hatte, irgendwann gen Null ging. Drei von ihnen, allesamt Nachkommen des Firmengründers, hatten ganz andere Berufe ergriffen. Der Vierte war bereits in Rente, in ihm war noch die Begeisterung für das Unternehmen vorhanden, aber jenseits des 70. Lebensjahres fehlte es an Motivatio

ZEIT, UM DURCHZUSTARTEN

Apropos durchstarten, das tat Dr. Joachim Sommer bereits im Maschinenbaustudium. Noch währenddessen wechselte er in die USA und arbeitete dort mit Unternehmen, die sich um Trucks und Eisenbahnen kümmerten, und ihn vor allem vor Ort brauchten. Nach der Umsiedelung lernte er seine heutige Frau, eine Brasilianerin, kennen, ging mit ihr Jahre später zurück nach Deutschland, zur SKF nach Schweinfurt. Von dort aus arbeitete er international mit Unternehmen zusammen, baute neue Produktionsstätten auf. Bis schließlich der Wunsch an ihn herangeführt wurde, doch mit Sack, Pack, Wissen und Familie nach China, in die chinesische Provinz gar, zu ziehen und sich dort um den neuesten Standort zu kümmern. Willst du das noch? Fragte er sich und gab sich so die Antwort gleich selbst. Er wechselte noch einmal, erst nach Herford, dann nach Osnabrück zu jeweils heimischen Familienunternehmen. Und fand immer mehr Freude daran, sich einerseits um technische, vor allem aber um unternehmerische Herausforderungen zu kümmern. Als er dann in den Beirat von Schomäcker berufen wurde, fügte sich vieles Glückliches, zusammen. Was, wenn die vier, oder zumindest drei der Geschwister ihre Anteile abgeben und er zusammen mit den langjährigen Prokuristen Hubert Temmen und Klaus Borchelt und seinem Sohn Luiz einsteigen könnte? Vom Unternehmenden zum Unternehmer – das schien folgerichtig. Und wenn man heute so mit ihm durch die Produktion läuft, wenn er fasziniert von neuesten Techniken nicht nur erzählt, sondern sie auch bis ins letzte Detail erklärt, dann weiß man: Er ist angekommen.

NEU AUFGESTELLT

Seit knapp zwei Jahren heißt es also: Alles, oder zumindest vieles, neu bei Schomäcker. Das Logo: neu. Die Webseite: auch neu. Der Umgangston: jetzt alle per Du. Es geht nicht mehr um weiter so, sondern um neu aufgestellt, nicht mehr um Probleme, sondern um Lösungen. Und davon braucht es aktuell jede Menge. Wenn du Trapezfedern, Parabelfedern, vor allem Parabellenker herstellst, über Patente dazu verfügst, über eine moderne Produktionsstätte, über einen riesigen Erfahrungsschatz und das passende Know-how, dann fragst du dich: Wenn die notleidende deutsche LKW-Branche schon nicht kauft, wie sieht es global aus und wie etwa mit der Agrarbranche? Also reist das Schomäcker-Team um die Welt, stellt seine Produkte und die Argumente, die sich in ihnen verstecken, vor. Und das erfolgreich. Wir können optimistisch sein, sagt Dr. Joachim Sommer. Anfang des Jahres startet die erste Produktionsphase für Agrarprodukte, dann geht es los, fernab der LKW-Branche. Die ächzt derweil unter der Wirtschaftskrise, darunter, dass aktuell rund zwei Millionen Autos weniger in Deutschland verkauft werden – die dann auch nicht mehr per LKW durch die Republik gekarrt werden. Früher, da wurde ein Auflieger drei Jahre bewegt, ehe er nach Russland verkauft wurde. Da wurden schon vor dem Ukraine-Krieg die Zölle so erhöht, dass ein Verkauf nicht mehr lohnt; und die gebrauchten Auflieger immer noch zu teuer waren, um sie gen Afrika zu veräußern. Heute stehen sie herum – auch mangels Aufträgen –, und nur wenige Unternehmen denken daran, in den eigenen Fuhrpark zu investieren.

Gut, dass Schomäcker noch das Ersatzteilgeschäft hat, mit dem sie gut 40 Prozent ihres Umsatzes bestreiten. Gut auch, dass die eigene Technologie, gepaart mit maximaler Flexibilität so groß ist, dass das rund 200 Mitarbeiter starke Team schnell umdenken, umschwenken kann. Wenn Deutschland schwächelt, dann ab ins Ausland. Wenn der LKW schwächelt, dann rüber zu Agrarmaschinen. Wenn man Dr. Joachim Sommer so zuhört, wie er von den Chancen erzählt, von begeisterten Zuhörern, von ersten Feldversuchen, dann wird einem nicht bange um das Meller Traditionsunternehmen.

WÄRME FÜR DIE NACHBARSCHAFT

Ganz nebenbei wird noch geplant, die immense Abwärme, die bei den auf 950 Grad erhitzenden Öfen auftritt, in Fernwärme umzuwandeln und an die Wohngebiete drumherum zu leiten. Und es wird – auch entgegen dem Trend – nicht überlegt, irgendetwas ins Ausland zu verlagern. Die Produktion? Könnte auf den ersten Blick natürlich verlockend sein. Sagt. Dr. Joachim Sommer und schüttelt direkt wieder den Kopf. Im Ausland zusätzliche Werke aufbauen, ja, aber all das hier einfach einpacken, umsiedeln, neu aufbauen? Chancenlos. All das Wissen, die Erfahrung in ein anderes, billigeres Land exportieren? Schlicht nicht möglich. Wir bleiben hier und wollen uns weiterentwickeln. Sagt er. Mit all den Problemen ..., nein, mit den Herausforderungen, denen wir uns hier stellen. Und den innovativen Lösungen, die daraus erwachsen.

Sieht der Zukunft optimistisch entgegen: 
Dr. Joachim Sommer.

Außen gar nicht mal so warm, 
innen ganze 950 Grad heiß.

Moderne Technik: Der Robotergreifarm nimmt sich die glühend heißen Federelemente aus dem Ofen.

Nr 36

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