Detail

Abschied nach acht Jahren: Geschäftsführer Michael Schoenfeld im Interview

„Ich bin für alles offen“

Seit gut acht Jahren ist Michael Schoenfeld Geschäftsführer der Diakoniestationen im Kirchenkreis Herford, ehe er zum 31. März 2026 in dieser Position aus dem Unternehmen ausscheidet. Im Gespräch erzählt er, wie er zu den Diakoniestationen gekommen ist, was die größten Herausforderungen waren, was ihn angetrieben hat und wie es für ihn weitergeht.

Seit gut acht Jahren ist Michael Schoenfeld Geschäftsführer der Diakoniestationen im Kirchenkreis Herford, ehe er zum 31. März 2026 in dieser Position aus dem Unternehmen ausscheidet. Im Gespräch erzählt er, wie er zu den Diakoniestationen gekommen ist, was die größten Herausforderungen waren, was ihn angetrieben hat und wie es für ihn weitergeht.

Auf dem Absprung: Michael Schoenfeld verlässt Ende März die Diakoniestationen im Kirchenkreis Herford als Geschäftsführer.

Sie sind seit rund acht Jahren als Geschäftsführer hier tätig – wie lange sind Sie denn generell Teil der Diakoniestationen?

Michael Schoenfeld: Ich kenne die Diakoniestation seit Gründung der gGmbH im Jahre 1997, weil damals die Diakoniestationen wie auch das Evangelische Krankenhaus Enger den gleichen Geschäftsführer hatten und ich als Prokurist mit ihm häufig im Austausch stand. Ab 2010 war ich dann für die Diakoniestationen freiberuflich beratend tätig, habe im ersten Schritt mit einer Kollegin gemeinsam das Qualitätsmanagement aufgebaut, das wir bereits ein Dreivierteljahr danach komplett zertifizieren ließen. 2014 habe ich dann das Controlling und eine entsprechende Software entwickelt – ebenfalls freiberuflich.

Neben meiner Tätigkeit als Prokurist am Ev. Krankenhaus Enger bin ich dann zum 01.01.2017 als Geschäftsführer bei den Diakoniestationen ernannt worden – und habe dies auch nach meiner offiziellen Berentung am 31.03.2023 im Krankenhaus Enger weiter fortgeführt, ehe nun am 31.03.2026 auch damit Schluss ist.

Wie war es denn, zwei solcher Posten auf einmal zu bekleiden? Kam es da nicht manches Mal auch zu Konfliktsituationen?

Michael Schoenfeld: Heute ist es ja so, dass Aufgaben in Unternehmen grundsätzlich nicht abnehmen, sondern eher wachsen. Mit meiner Berufung zum Geschäftsführer habe ich hier ein Unternehmen übernommen, das schon eine gewisse Stabilität vorweisen konnte, aber auch viele Potenziale hatte. Wir haben in den vergangenen Jahren immer an diesen Potenzialen gearbeitet, etwa in Digitalisierung und Software investiert und immer an der Optimierung aller Leistungsprozesse gearbeitet. So ist ein wirtschaftlich sehr stabiles und erfolgreiches Unternehmen entstanden. Dabei war eine solche Doppelfunktion manches Mal natürlich anstrengend, aber als Prokurist oder Geschäftsführer darf man über Anstrengung nicht klagen. Natürlich hat das auch mal zu Terminkonflikten geführt, aber im Großen und Ganzen ließ sich das gut organisieren und abfangen.

Was war denn der Grund, dass Sie nach der Verrentung überhaupt noch weitergearbeitet haben?

Michael Schoenfeld: Der Grund ist ganz einfach: Ich arbeite gerne – übrigens auch heute noch. Ich habe dieses Unternehmen immer als meine Firma bezeichnet und betrachtet. Ich führe es also so, als sei es wirklich meins und stelle mir häufig die Frage: Würdest du diese Entscheidung treffen, wenn deine Existenz davon abhängt? Auf der anderen Seite muss aber Irgendwann auch mal Schluss sein. Ich gehe jetzt auf die 70 zu, da muss sich ein Unternehmen auch mal verjüngen.

Der 31.03. dieses Jahres ist Ihr letzter Arbeitstag hier. Wie begegnet man dem?

Michael Schoenfeld: Ich habe davor Respekt, weil ich keinen konkreten Plan B besitze. Ich bin mir aber sicher, dass ich irgendetwas tue. Etwas, das mich davon befreit, die alltäglichen Probleme mit ins Bett zu nehmen, nachzugrübeln, wie ich dieses Problem wohl lösen könnte und werde

Räumt man dann einfach seinen Schreibtisch und geht nach Hause? Wobei es ja bei Ihnen so ist, dass Sie nicht einmal einen eigenen Schreibtisch, geschweige denn ein eigenes Büro haben. Oder sind Feierlichkeiten geplant?

Michael Schoenfeld: Ich weiß da noch nichts Konkretes. Wir haben in den vergangenen Jahren außergewöhnliche Dinge gemacht, etwa Betriebsfeste mit Livemusik organisiert und gefeiert. So etwas kann ich mir für meinen persönlichen Abschied gut vorstellen. Vielleicht in einer Kirche, als diakonischer Geschäftsführer wäre das ja passend. Es sollte ein schönes Event für alle sein – woran auch ich Freude habe. Ich bin einfach nicht der Mensch, der gerne mit salbungsvollen Worten verabschiedet wird.

Gehen Sie denn zu hundert Prozent oder ist, so wie zu Beginn hier, eine freiberufliche Weiterbeschäftigung denkbar?

Michael Schoenfeld: Das kann ich heute tatsächlich nicht beantworten, ich bin im Grunde immer für alles erstmal offen. Wenn mich mein Unternehmen oder ein neuer Geschäftsführer braucht, dann kann ich auch immer helfen. Erst einmal arbeite ich mit ihm den gesamten März über zusammen. Danach weiß man sicherlich mehr.

In die Zeit wird dann ja auch – aller Voraussicht nach – der Umzug in das neue Verwaltungsgebäude in Herford fallen. Bekommen Sie da wenigstens noch ein Büro?

Michael Schoenfeld: Das ist vorgesehen – aber das war und ist mir nie wichtig. Ich setze mich dahin, wo Platz ist. Ich brauche nur einen Laptop, einen Stuhl und einen Schreibtisch. Ich war immer der Meinung, dass Räume auch genutzt werden müssen. Dieser Besprechungsraum hier war genau so ein Fall: Er war da, aber nur zu zehn Prozent belegt. In der restlichen Zeit kann ich doch gut hier sitzen. Und an der Abschaffung meines ehemaligen Büros war ich übrigens selbst nicht unschuldig. Ich hatte es früher drüben im Krankenhaus, im sogenannten Pfarrwitwenhaus. Als ich dann den Antrag für den neuen Anbau im Krankenhaus geschrieben habe, war mir klar, dass das Büro dem Abriss zum Opfer fallen würde, wenn der Antrag Erfolg hat.

Wie gehen Sie denn eigentlich, mit lachenden oder weinenden Augen?

Michael Schoenfeld: Ich muss mich schon ein wenig selbst disziplinieren, nicht mehr Dinge anzustoßen, die ich nicht zu Ende bringen kann. Dinge, von denen ich überzeugt bin, dass ich sie bis zum 31.03. abgeschlossen habe, setze ich noch mit Freude um. Aber zurück zur Frage: Es ist am Ende beides, ein lachendes und ein weinendes Auge.

Worauf freuen Sie sich denn?

Michael Schoenfeld: Wenn ich mich auf etwas freue, dann ist das vielleicht, dass ich jeden Tag so gestalten kann, wie ich das möchte. Auch darauf, trotzdem und weiterhin eine Aufgabe zu haben, bei der ich sage: die ist mir wichtig, die mache ich auch mit Freude und sie führt mich nicht in die typische Berentung.

Dennoch wird die Arbeit ja – hoffentlich für Sie – nicht mehr so viel Zeit in Ihrem Leben beanspruchen. Womit füllen Sie diese freie Zeit aus?

Michael Schoenfeld: Ich habe eine relativ große Immobilie, zwei Fachwerkhäuser, die einfach viel Arbeit machen. Daneben betreibe ich seit ewigen Jahren regelmäßig und intensiv Ausdauersport – dafür musste ich mir manches Mal die Zeit wirklich abknapsen. Das ändert sich dann hoffentlich.

Wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken, wie fällt dann Ihr Fazit aus?

Michael Schoenfeld: Als Geschäftsführer hast du dafür Sorge zu tragen, dass sich das Unternehmen stets rentabel entwickelt. Häufig spricht man auch von wirtschaftlich, aber das muss nicht heißen, dass ein Unternehmen auch wirklich rentabel ist, dass man sich Freiräume für Innovation und Wachstum erarbeitet hat – und genau das war und ist bei uns der Fall. Am Ende des Tages wird ein Geschäftsführer am Erfolg gemessen – aber für mich hängt der eben nicht nur von den wirtschaftlichen Zahlen, sondern auch von der Organisation, der Struktur, der Stimmung unter den Mitarbeitenden ab. Und da kann ich, glaube ich, schon ein durchweg positives Fazit ziehen.

Ist die Aufgabe eines Gschäftsführers hier bei den Diakoniestationen denn generell anspruchsvoller und anstrengender geworden?

Michael Schoenfeld: Die Gewinnung neuer Mitarbeitender, gepaart mit dem chronischen Fachkräftemangel, ist etwas, was wirklich kräftezehrend ist. Wo finde ich die Person, die dafür geeignet ist, die gestellten Aufgaben erfüllen zu können? Die Beantwortung wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Da befinden wir uns in einem starken Wettbewerb mit anderen, also muss ich mir sehr viele Gedanken darüber machen, wie ich unser Unternehmen attraktiver als andere gestalten kann.

Welche Momente sind denn als besonders schön in Erinnerung geblieben?

Michael Schoenfeld: Das gibt es natürlich jede Menge. Wenn man etwa über einen längeren Zeitraum hinweg einen Förderantrag über mehr als vier Millionen Euro schreibt und der dann bewilligt wird, dann freut man sich. Bei den Diakoniestationen gab es daneben viele kleine Momente, etwa die Anschaffung einer komplett neuen Software, bei deren Einführung man merkt, dass sie zum Nutzen aller ist. Im Alltag spürst du dann: Das hat Unternehmen und Mitarbeitenden gutgetan. Neben meiner alltäglichen Arbeit habe ich sehr gerne außergewöhnliche Betriebsevents organisiert. Wenn dann meine Mitarbeiter gemeinsam eine großartige Zeit verbringen, dann hat sich das gelohnt. Es gibt natürlich einen bunten Strauß kleiner Augenblicke mehr, die mich bei der Fahrt nach Hause denken lassen: Heute war ein guter Tag.

Apropos: Sie wohnen nicht in Enger, sondern fahren seit 30 Jahren aus dem Osnabrücker Land hierher.

Michael Schoenfeld: Ja, das stimmt. In den 30 Jahren sind so mehr als zwei Millionen Kilometer zusammengekommen.

Und empfinden Sie das als Nachteil, weil Sie so viel Lebenszeit im Auto verbracht haben, oder auch mal als Vorteil, um abschalten zu können?

Michael Schoenfeld: Ich habe das als Lebenszeit nie nach- und ausgerechnet, Morgens ist es manches Mal ärgerlich, weil ich eine Strecke fahre, in der ich häufig im Stau stehe. Abends bummele ich nach Hause, da will niemand etwas von mir, da kann ich den Tag noch einmal Revue passieren lassen. Das tut mir gut, aber ich bin nicht böse, wenn ich zukünftig nicht mehr so viel im Auto sitze.

Kurz vor Ihrem Abschied hier ziehen Sie jetzt mit der Verwaltung von Enger nach Herford. Was hat für diese Entscheidung den Ausschlag gegeben?

Michael Schoenfeld: Früher hat das Krankenhaus Enger immer Verwaltungsaufgaben für die Diakoniestation mit übernommen, jetzt sind wir aber schon seit Jahren vollkommen autark. Gleichzeitig gehören wir nun organisatorisch zur Evangelischen Diakoniestiftung. Da ist es nur sinnvoll, dass wir auch räumlich zueinanderfinden und jetzt in einem Gebäude platziert sind.

Wo genau sehen Sie die Vorteile?

Michael Schoenfeld: Der Vorteil ist, dass wir im Laufe der Zeit auf unterschiedlichen Ebenen zusammenwachsen können. Wenn man sich den Bauplan anschaut, dann sieht man, dass wir ganz bewusst eine Verbindungstür, einen Durchgang geschaffen haben. Mal rüber gehen, sich austauschen, transparenter werden, sich aushelfen oder nur mal einen Kaffee trinken – das wird so deutlich einfacher und wichtiger.

Wenn Sie heute den Blick in die Glaskugel wagen, wie sieht die Zukunft der Diakoniestationen aus?

Michael Schoenfeld: Wenn es dem Unternehmen gelingt, notwendiges Personal auch zukünftig zu akquirieren und es sich in der betriebswirtschaftlichen Unternehmensführung weiterhin gut entwickelt, habe ich überhaupt keine Sorge, dass wir nicht gut dastehen.

Keine Sorge macht mir die Nachfrage. Es gibt zunehmend mehr hilfe- und pflegebedürftige Menschen, aber weniger pflegende Angehörige, das Geschäftsfeld ist also auch weiterhin krisenfest. Vieles in der Zukunft wird also davon abhängen, dass wir an unseren Standorten entsprechend qualifizierte Menschen finden, die sich langfristig an unser Unternehmen binden wollen. Gelingt das, sehe ich optimistisch in Glaskugel und Zukunft.

Zum Abschluss eine ganz andere Frage: Wenn Sie heute ein junger Mensch fragt, was für den Beruf in der Pflege spricht, was würden Sie ihm antworten?

Michael Schoenfeld: Ich hatte gerade gestern ein Treffen mit unseren Auszubildenden. Da fiel häufig das Argument, dass man gerade in der Ausbildung überdurchschnittlich viel Geld verdient – und das ist auch so. Das ist sicherlich nicht der einzige Vorteil, aber einer von vielen. Es ist aber auch so, dass heute immer noch das Vorurteil vorherrscht, dass man in der Pflege ausgenutzt wird, alle unterbezahlt sind und man schwer arbeiten muss. Das kann ich so nicht nachvollziehen. Die Rahmenbedingungen sind vielleicht nicht immer günstig, wenn man über Mindestbesetzungen, Wochenend- und Nachtarbeit spricht. Wenn man diesen Beruf aber bewusst wählt, dann weiß man das. Pflege erfordert einen Einsatz an 365 Tagen im Jahr und auch an 24 Stunden am Tag – das wird so bleiben, da wird auch die KI nicht helfen. Ich muss für mich selbst zu schätzen wissen, anderen Menschen zu helfen. Berufung allein kann es dabei nicht sein, das brennt dich schnell aus. Wir bieten hier Berufsorientierungstage und Praktika, an denen man den Alltag bei uns erleben kann. Danach weiß man sehr gut , was einen Beruf in der Pflege ausmacht. Am Ende ist vieles eine reine Imagefrage – und wir alle haben in den vergangenen Jahren viel dazu beigetragen, dieses Image nicht positiv zu gestalten. Vielleicht ist das die größte Herausforderung, die auf meinen Nachfolger zukommt: Am generellen Pflege-Image zu arbeiten, damit sich wieder mehr Menschen vorstellen können, in der Pflege zu arbeiten.

„Berufung allein reicht nicht aus, sie brennt einen schnell aus.“

Nr 38

Dieser Artikel erschien in:

Artikel aus dieser Ausgabe

Die Agentur hinter
          den Beiträgen
Zurück
Jetzt zu HOCH5 wechseln!
Du suchst etwas Neues? Möchtest die Werbeagentur wechseln? Dein Projektvorhaben mit uns besprechen? Werbung, die wirkt?

Na dann los. Wir freuen uns.

Auf deine Anfrage. Auf dich.


Und melden uns. Direkt.

Schneller, als du erwartest.
Versprochen.

Jetzt wechseln

Kleine Pause gefällig?
Am besten mit einem klitzekleinen Tipp:
Wir von HOCH5, die wir das hier machen, machen noch viel mehr.
Mehr Content, mehr Werbung, mehr Print und Web.
Neugierig? Dann hier entlang, zur Website unserer Werbeagentur.
Und ansonsten:
Viel Freude beim Weiterlesen!

HOCH5HOCH5HOCH5HOCH5