Ach, wir wären gerne dabei gewesen. Als Lena mit ihrem Mann Felix im eigenen Wohnzimmer saß und 800 Trockene Schneebälle anfertigte. Es muss, so glauben wir zumindest, sehr chaotisch oder sehr, sehr organisiert ausgesehen haben. Wobei Lena, die mit Nachnamen Burmeister heißt, einen alles andere als chaotischen Eindruck macht. Sie ist Grundschullehrerin mit dem Schwerpunkt Sport, ihr Mann Dozent für Sport an der Uni und ebenfalls Lehrer.
Ach, wir wären gerne dabei gewesen. Als Lena mit ihrem Mann Felix im eigenen Wohnzimmer saß und 800 Trockene Schneebälle anfertigte. Es muss, so glauben wir zumindest, sehr chaotisch oder sehr, sehr organisiert ausgesehen haben. Wobei Lena, die mit Nachnamen Burmeister heißt, einen alles andere als chaotischen Eindruck macht. Sie ist Grundschullehrerin mit dem Schwerpunkt Sport, ihr Mann Dozent für Sport an der Uni und ebenfalls Lehrer.
Beide waren für das Sportbudget ihrer Schulen verantwortlich. Und wenn du irgendwann merkst, dass du dein gesamtes Geld nur noch für Softbälle ausgibst, dann machst du dir schon Gedanken, ob es nicht eine bessere und gleichzeitig günstigere Alternative gibt.
Dabei sind die Bälle, die für das Spiel eingesetzt werden, das früher Völkerball hieß und heute Zweifeldball heißt, eigentlich ganz robust. Aber irgendwann nimmt sie dann doch eine Schülerin, ein Schüler nicht in die Hand, sondern nutzt sie als Fußball. Dann reißt die sogenannte Elefantenhaut, kommt das Innere zum Vorschein und ist der Softball unbrauchbar. Lena und Felix experimentierten also mit verschiedenen Materialien, waren am eigenen Ehrgeiz gepackt und landeten am Ende bei einem Recyclingstoff, der übrig bleibt, wenn Malerrollen gefertigt werden.
Wer unsere Trockenen Schneebälle zum ersten Mal sieht, sagt immer direkt: Sieht ja aus wie eine Walnuss, wie ein Gehirn. Und fragt sich dann: Fliegt der überhaupt? Die Antwort müssen Lena und Felix fast nie gegeben. Sie lassen lieber ausprobieren. Drücken dem Verdutzten wahlweise einen weißen, schwarzen, blauen, orangen oder roten Ball in die Hand. Das Ergebnis? Eines, das weit fliegt. Und erstaunt.
Wir sind mittlerweile von vielen Schulen eingeladen worden, um unsere Trockenen Schneebälle vorzuführen. Wir nehmen an Events teil, führen vor und merken schnell: Wenn ein Lehrer einem anderen etwas Neues vorstellt, dann ist die Akzeptanz sofort da. Ist sich Lena Burmeister sicher. Das Ergebnis: Im Wohnzimmer der beiden sieht es wieder normal aus, die Produktion haben sie ausgelagert, mittlerweile auch eine Hilfskraft eingestellt. Bislang sind – Stand jetzt – so 13.000 der rund 100 Gramm schweren Bälle hergestellt und verkauft worden. Der Preis startet bei 6 Euro pro Stück, wer mehr ordert, erhält natürlich Rabatt. Vor allem aber bekommt er einen oder mehrere Bälle, die sehr viel länger halten als die bisherige Variante. Im Grunde sind sie unkaputtbar. Nur der weiße Trockene Schneeball wird schmutzig, wenn man draußen mit ihm spielt. Aber dafür ist er nicht gedacht – was ja hoffentlich direkt ersichtlich ist.
Sagt Lena und weiß auch, warum so viele Schulen sich deshalb für dunklere Bälle entscheiden. Produziert wird mittlerweile in den Werkstätten in Gütersloh, wo Menschen mit Behinderung dafür sorgen, dass aus dem Abfallmaterial Bälle werden, die wie überdimensionale Schneebälle aussehen. Natürlich kann hier nicht jeder Mensch jeden Handgriff erledigen, ist gerade bei der Bearbeitung mit Messer oder Schere Vorsicht geboten. So wandern die Bälle durch viele Hände, ehe sie ganz am Ende darauf warten, doch in eine Halle geworfen zu werden und ihr Ziel zu finden.
Die Nachfrage reißt dabei nicht ab, längst verbringen Lena und Felix Feierabend(e) und Wochenenden damit, die Idee des Trockenen
Schneeballs vorzustellen, Produktion und Vertrieb zu organisieren. All das: nebenberuflich. Und das soll auch so bleiben: Wir sind ja unheimlich gerne Lehrer, wissen auch, dass wir gerade durch unseren Beruf eine so große Akzeptanz bei unseren Kunden haben. Sagt Lena. Auch wenn das Geschäft mit den Trockenen Schneebällen zu jeder Jahreszeit gerade erst richtig Fahrt aufnimmt.
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