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Martina Hannen: Vom Landtag zur Geschäftsführung im Handwerk

"Handwerksteht für Qualität!"

Der Beagle macht artig Platz im Körbchen, kurzer Blick ins Handy, tatsächlich nichts, was die volle Aufmerksamkeit benötigt, also rein ins Gespräch. Martina Hannen ist darin Profi; wer im Landtag gesessen und vor allem gearbeitet, geredet, diskutiert hat, der braucht keinen Anstubser, der legt direkt los. Nach der verlorenen Wahl galt es, sich erst einmal zu sortieren. Das sollte nicht lange dauern, denn FDP, das heißt Unternehmertum und wo kann man das an seiner Basis besser erleben als im Handwerk? Also führte ihr Weg nach Lübbecke, wo sie Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Wittekindsland wurde.

Sieht goldenen Boden für das Handwerk: Martina Hannen

Der Beagle macht artig Platz im Körbchen, kurzer Blick ins Handy, tatsächlich nichts, was die volle Aufmerksamkeit benötigt, also rein ins Gespräch. Martina Hannen ist darin Profi; wer im Landtag gesessen und vor allem gearbeitet, geredet, diskutiert hat, der braucht keinen Anstubser, der legt direkt los. Nach der verlorenen Wahl galt es, sich erst einmal zu sortieren. Das sollte nicht lange dauern, denn FDP, das heißt Unternehmertum und wo kann man das an seiner Basis besser erleben als im Handwerk? Also führte ihr Weg nach Lübbecke, wo sie Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Wittekindsland wurde.

Lange einarbeiten musste sich die 53-Jährige nicht, als Juristin und vor allem Dozentin für Rechtswissenschaften kannte und kennt sie sich aus mit denen, die sich selbstständig machen, ein Unternehmen gründen wollen – und das häufig auch im Handwerk. Die Zahlen dabei kontinuierlich steigend. Handwerk, das ist heute wieder goldener Boden. Vollkommen zu Recht, sagt Martina Hannen, lehnt sich ein wenig nach vorn und fängt an aufzuzählen. Monetär, also wenn man wirklich mal die Studienzeit auch mit ein-, das erste Gesellengehalt gegenrechnet? Da gibt es kaum finanzielle Unterschiede, wenn überhaupt. Wer heute Meister ist, einen eigenen Handwerksbetrieb hat, der brauche sich wirtschaftlich wahrlich nicht zu verstecken. Perspektivisch? Auch nicht so wie landläufig geglaubt zu beantworten. Wenn Handwerker zu einer raren Spezies werden, ist es dann nicht folgerichtig, dass es die, die es noch gibt, gut am Markt, in der Zukunft haben werden? Na sicher, sagt Martina Hannen und man mag nicht widersprechen. Sicher, in der Baubranche bröckele es gerade mächtig, aber wo sind denn bitte die 400.000 Wohnungen, die die Regierung errichten lassen wollte? Wir würden die jetzt gerne bauen. Sagt die, die immer noch Politikerin ist – im Ehrenamt – und sich vor all die Betriebe stellt, die freiwillig Mitglieder in der Kreishandwerkerschaft sind. Ihre Aufgaben dabei? Vielfältig. Sie, ihre Kolleginnen und Kollegen und der Kreishandwerksmeister kümmern sich um die Lossprechung der Gesellinnen und Gesellen, betreiben Lobbyarbeit, sprechen mit allen Beteiligten und kümmern sich um die Ausbildung von rund 3.000 Auszubildenden; organisatorisch, versteht sich. Ihr Terminkalender also: voll. Aber irgendwie brauche sie das auch, das Gebrauchtwerden, das Im-Team-Anpacken, sich mit ihrem Geschäftsführerkollegen um insgesamt nicht weniger als 25 Innungen zu kümmern. Als Rheinländerin weiß sie:

im zurückhaltenden Ostwestfalen musst du erst einmal ankommen. Punktest aber direkt, wenn du sagst, dass das Handwerk das Rückgrat der Gesellschaft ist. Erntest Beifall, wenn du forderst, dass Zoll und Ordnungsamt doch mal an einem normalen Samstagvormittag Baustellen abklappern sollten – der Erfolg wäre vorprogrammiert. Aber Martina Hannen geht es nicht um Beifall, nicht (mehr) um Wählerstimmen. Wie sie da so sitzt, in ihrem Büro, eben noch draußen der Kollegin herzlich zum Geburtstag gratuliert, jetzt mitten im Plädoyer fürs Handwerk, da merkt das Gegenüber: das passt. Gefragt, wie sie zur Meisterpflicht stehe, kein Moment des Zögerns. Meister? Da stehe doch der Begriff für das, was man bekomme: Qualität. Und wie solle der dringend benötigte Nachwuchs denn ausgebildet werden, wenn es keine Meister, keine Meisterbetriebe gäbe? Apropos Ausbildung, da sitzt sie noch etwas gerader, das ist ihr Steckenpferd, da hat die Kreishandwerkerschaft die Hoheit. An sechs Standorten – alle sehr gut ausgestattet –, gehe es nicht nur darum, das Rüstzeug zu vermitteln, sondern vor allem: zu begeistern. Dafür fährt die 53-Jährige jeden Morgen seit dem 1. Januar 2023 aus dem Lippischen hierher nach Lübbecke, nutzt die Fahrt für Telefonate, netzwerkt, strukturiert, stößt an und hakt ab. Lange Anlaufphase, längere Übergangsphase von der Landtagsabgeordneten zur Geschäftsführerin hier in Lübbecke, damit aber auch mitverantwortlich für den Kreis Herford? Ach was. Ankommen. Anpacken. So sei das für sie schon immer gewesen.

Bei uns geht es nicht nur darum, zu lernen. Sondern vor allem: zu begeistern.

Kurzer Rückblick auf die Finanzkrise 2011, auf die Coronakrise: Wer hat denn da weitergeackert, den Laden am Laufen gehalten, nicht geschlossen, nicht geklagt, sondern vorangemacht? Die Handwerksbetriebe. Wer stemmt sich gegen die stets steigende Bürokratiemesslatte, wer verlegt keine Firmensitze ins Ausland, zahle seine Steuern, werde immer digitaler? Auch hier: die Handwerker. Und immer häufiger auch Handwerkerinnen. Aber das will Martina Hannen nicht betonen, es sei einfach selbstverständlich, gelernt, gelebt.

Wer hat denn während der Coronakrise den Laden am Laufen gehalten? Die Handwerksbetriebe.

Wer fragt, wie es denn gelingen könne, dem Handwerk wieder die Aufmerksamkeit zu bieten, die es benötige, verdiene, erntet eine deutliche Antwort: Nicht lockerlassen. Image aufbauen, Image aufbessern, nach außen kehren und vor allem: Nicht im Gestern verweilen, alles rausholen aus der verstaubten Ecke, in der Azubis noch gelangweilt den Besen über den Hof schieben und Meister ihre Bestellung noch per Fax schicken – das war gestern, aber es gibt immer noch viel zu tun.

Sie freut sich drauf. Ist längst schon mittendrin. Jetzt ist sie hier, mit Hund hinter sich, dem Bild der Liebsten direkt im Blick und dem festen Willen, das Handwerk zu stärken, wo es nur geht.

Nr 35

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