Der Blick wirkt irgendwie neugierig. Die Gefahr aber, dass die Australische Riesenstabschrecke die Gunst der Stunde nutzt und aus der Hand von Holger Stoppkotte, Leiter des Biologiezentrums auf dem Gut Bustedt, davonfliegt, besteht nicht. Sie kann gar nicht fliegen.
Der Blick wirkt irgendwie neugierig. Die Gefahr aber, dass die Australische Riesenstabschrecke die Gunst der Stunde nutzt und aus der Hand von Holger Stoppkotte, Leiter des Biologiezentrums auf dem Gut Bustedt, davonfliegt, besteht nicht. Sie kann gar nicht fliegen.
Dabei ist es eher selten, hier eine exotische Tierart zu finden. „Eigentlich sind wir ja dafür da, den Menschen vor allem die heimische Flora und Fauna näherzubringen“, so Stoppkotte. Also hereinspaziert in die historische Wasserburg, die seit mehr als 40 Jahren das Biologiezentrum beherbergt. HIER hat einen Blick hinter die Burgmauern und in das Zentrum geworfen.
Biologiezentrum Bustedt steht schlicht und einfach auf dem Hinweisschild, das den Weg zur Burg weist. Auch außen um das Herrenhaus herum sieht alles mehr als malerisch aus. Ein wundervoll sonnendurchfluteter Innenhof und die typische Gräfte. Direkt nebenan ein Tierdorf mit Ziegen, Hühnern, Gänsen und Schafen, ein weitläufiges naturbelassenes Freigelände und ein nostalgischer Bauerngarten. Hier und da sind größere und kleinere Kids grüppchenweise auf Entdeckungstour unterwegs.
Und damit sind wir genau beim Thema. Über 20.000 Kinder und Jugendliche vom Kita Alter bis zur Sekundarstufe II besuchen jedes Jahr das Biologiezentrum Bustedt. Entweder auf mehrtägigen Klassenfahrten oder als Tagesexkursion. In über 800 Kursen kommen sie auf einzigartige, erlebnisreiche Weise in Kontakt mit der Natur.
"Das pädagogische Konzept stammt aus den frühen 80er Jahren, also aus einer Zeit, als das Umweltbewusstsein durch Probleme wie ‚Saurer Regen‘ immer mehr geweckt wurde“, berichtet Holger Stoppkotte, Biologielehrer und seit 2021 Leiter des Biologiezentrums:
"Die Idee damals: einen außergewöhnlichen Lernort schaffen, an dem praktische Umweltbildung wirklich möglich ist. Kurz: Raus aus den Klassenzimmern und rein in die Natur.“
Entwickelt und umgesetzt wurde diese Idee federführend von den Biologielehrern Dr. Hermann Diekmann und Burkhard Kriesten. Letzterer arbeitet auch jetzt noch ehrenamtlich im Zentrum mit. Heute sind hier über 30 Lehrerinnen und Lehrer, Honorarkräfte, Angestellte und Ehrenamtliche aktiv. Etwas Vergleichbares zum Biologiezentrum Bustedt ist damit kaum zu finden. Teil der Anlage ist auch ein Bettenhaus mit rund 70 Betten. Erst so werden mehrtägige Klassenfahrten überhaupt möglich. Dabei ist das Ganze wie am ersten Tag als gemeinnütziger Verein organisiert.
„ARBEITEN IM BIOLOGIE ZENTRUM BUSTEDT IST KEIN JOB. ES IST JEDEN TAG AUFS NEUE EINE FASZINIERENDE BEGEGNUNG MIT DER NATUR – UND EINE AUFGABE, DIE UNGEMEIN BEREICHERT.“
Insgesamt bietet das Biologiezentrum zu über 30 Themen halb- oder ganztägige Kurse an. Inhalte und Didaktik richten sich nach dem Alter der Schülerinnen und Schüler. Holger Stoppkotte dazu: „Der Tümpelkurs zum Beispiel ist einer unserer Klassiker. Da heißt es raus auf das Freigelände und mit Keschern alles, was in den Tümpeln kreucht und fleucht, vorsichtig einsammeln. Im Klassenraum werden die kleinen Fische, Frösche, Kröten und Wasserinsekten dann genau betrachtet und besprochen … und zum Schluss natürlich wieder in der Natur ausgesetzt.“
Für die Sekundarstufe 2 gestaltet sich solch ein Kursus schon wesentlich wissenschaftlicher. Der Kurs „Gewässergütebestimmung“ beispielsweise beinhaltet die chemisch-physikalische Untersuchung eines Gewässers und thematisiert komplexe ökologische Zusammenhänge.
Aber ganz egal, ob eher spielerisch oder mehr wissenschaftlich: Für die Kinder und Jugendlichen sind es in jedem Fall spannende Stunden und Tage, in denen sie sich der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren auf eine ganz neue Weise nähern: anfassbar, lebendig und erlebbar.
Funktionieren kann dies alles nur durch das Zusammenspiel zahlreicher Förderer. So stellt die Ge meinde Hiddenhausen als Eigentümerin der unter Denkmalschutz stehenden Wasserburg das Gebäude zur Verfügung. Der Kreis Herford unterstützt finanziell und die Bezirksregierung in Detmold genehmigt die Freistellung der Lehrkräfte für deren pädagogische Arbeit im Biologiezentrum – und hiermit sind nur einige der Unterstützer genannt. Teamwork ist auch das Erfolgsrezept in der täglichen Arbeit. Lehrkräfte, Gärtner, Küchen und Gästehaus Team, Festangestellte und Ehrenamt liche – sie alle haben alle Hände voll zu tun, um den „Laden am Laufen“ zu halten.
„Man schützt nur, was man kennt“, betont Holger Stoppkotte zum Abschluss unseres Gesprächs noch einmal. Genau diese Kenntnis über Artenvielfalt und biologische Zusammenhänge ver mittelt das Biologiezentrum Bustedt. Offensicht lich ein Wissensbereich, dem es an Aktualität nicht mangelt. Die Reservierungen für Klassenfahrten reichen bis in das Jahr 2029. Als Besucher haben Sie es da einfacher. Das Gelände ist öffentlich zugänglich und kann jederzeit betreten werden. Bis bald im Gut Bustedt.
Dann werden Sie Fördermitglied im „Biologie zentrum Bustedt Ostwestfalen-Lippe e. V.“ Mit nur 20 € – ermäßigt 10 € – Jahresbeitrag sind Sie dabei. Als Neumitglied erhalten Sie 2023 einen Meisen Nistkasten aus eigener Herstellung geschenkt.
Den Mitgliedsantrag finden Sie hier
Seit vielen Jahren ist die Wasserburg übrigens auch das Zuhause des Aquarien- und Terrarienvereins im Biologiezentrum Gut Bustedt e. V. Die Aquarianer, einziger Verein dieser Art im Kreis Herford, betreuen mit viel Engagement und Fachwissen eine Dauerausstellung mit momentan 16 Aquarien. Besuche sind jeden Sonntag zwischen 11:00 und 13:00 Uhr möglich und werktags während der Öffnungszeiten des Biologiezentrums.
Wer sich für Tiere und Pflanzen interessiert, handwerklich geschickt ist und erste pädagogische Erfahrungen sammeln möchte, ist im Biologiezentrum Bustedt bestens aufgehoben. Zurzeit sind fünf FÖJler und drei BFDler hier tätig. Die Bewerbungsfrist startet am 1. Februar 2024.
Wir haben ein tolles Team, das gemeinsam die unterschiedlichen Herausforderungen des Beherbergungsbetriebs, der Bildungseinrichtung sowie der Versorgung der Tiere und Pflege der Burg und seiner Umgebung bewältigt. Wenn mir Kinder dann begeistert zum Beispiel einen Wasserskorpion zeigen, den sie aus dem Teich gekeschert haben, ist das eine wunderbare Bestätigung für die gemeinsamen Anstrengungen. So kann Umweltbildung gelingen
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