Detail

Zu Besuch bei Sascha Potthoff-Wenner in seiner Versmolder Manufaktur

PIWI Naturkosmetik

Während die Geräuschkulisse der Bundesstraße leise herüberschwappt, schaue ich mich fragend um. Bin ich hier wirklich an der richtigen Adresse? Jemand hupt – und reißt mich aus den Gedanken. Einmal. Zweimal. Hinter einer kleinen Industriehalle biege ich um die Ecke. Der Lärm verfliegt – und hinter Bäumen und Sträuchern erkenne ich ein kleines Haus. Noch ein prüfender Blick in den Terminkalender. Hausnummer 29a? Ja, hier soll es sein.

 

Während die Geräuschkulisse der Bundesstraße leise herüberschwappt, schaue ich mich fragend um. Bin ich hier wirklich an der richtigen Adresse? Jemand hupt – und reißt mich aus den Gedanken. Einmal. Zweimal. Hinter einer kleinen Industriehalle biege ich um die Ecke. Der Lärm verfliegt – und hinter Bäumen und Sträuchern erkenne ich ein kleines Haus. Noch ein prüfender Blick in den Terminkalender. Hausnummer 29a? Ja, hier soll es sein.

Die fragenden Blicke seiner Besucherinnen und Besucher kennt Sascha Potthoff-Wenner nur zu gut. Eine Naturkosmetik-Manufaktur, hier? In einem Bungalow, in einer für ihre Fleischund Wurstwaren bekannten, ostwestfälischen Klein- stadt, irgendwo zwischen Discounter und Indust- riegebiet gelegen? Zugegeben: Man stellt sich all das anders vor. Dabei könnten die Gegebenheiten für Sascha und sein Naturkosmetik-Label PIWI besser kaum sein.

Denn: In seiner Heimatstadt Versmold, im ehe- maligen Haus seiner Tante, hat sich der 34-Jähr- ige genau die Umgebung geschaffen, die er für sich und seine tägliche Arbeit benötigt.

Dort, wo einst gekocht und gegessen wurde, liegt heute sein Labor, wo das Wohnzimmer war, sein Büro. Zwei weitere Räume dienen als Lager- und Versandfläche, ein paar Zimmer sind noch frei. Entstanden? Ist all das mithilfe von Familie und Freunden, erinnert sich Sascha an die Um- bauarbeiten vor knapp drei Jahren. Inmitten der Corona-Pandemie, parallel zur Unternehmens- gründung, Namensfindung und Rezepturent- wicklung für seine Produkte, bauten sie das Haus gemeinsam zu dem um, was es heute ist – und vor allem: zu dem, was wohl die wenigsten an diesem Ort erwarten würden. Skeptische Fragen gab es schon damals zu genüge: Geht das, Naturkosmetik in einer Kleinstadt produzieren und bundesweit vertreiben? Dafür, dass es ging – und geht – arbeitet Sascha Potthoff-Wenner tagtäglich mit großer Leidenschaft. Denn PIWI, das ist nicht nur sein Spitzname aus Schulzeiten, sondern seine Idee, sein ganz eigener Traum von Selbstständigkeit.

Warum nicht einfach das väterliche Kartonagen- Unternehmen fortführen, sondern ganz von vorn beginnen mit der Selbstständigkeit? Weil ich es nicht musste, sagt Sascha, und lächelt. Natürlich habe sich auch in seiner Familie, da steckte Sascha noch zwischen Abi und dualem BWL- Studium, die große Nachfolge-Frage gestellt. Doch bevor Sascha diese für sich beantworten konnte und wollte, zog es ihn für sein Master- Studium nach Salzburg. Dort angekommen, verbrachte er nicht nur viel Zeit draußen auf dem Rennrad, sondern auch in der österreichischen Biokosmetik-Manufaktur Pieper. Ein Bürojob neben dem Studium sollte es werden – nicht weniger, nicht mehr. Während Sascha zunächst bei verschiedenen organisatorischen Aufgaben und der Rohstoffbestellung unterstützte, zog es ihn bald selbst in die Produktion.

Kontinuierlich wuchs sein Interesse an und seine Begeisterung für die Herstellung von Naturkosmetik, floss immer mehr Zeit in das, was mal als Nebenjob gedacht war. Hier lernte Sascha nicht nur, wie hoch- wertige vegane Biokosmetik handwerklich hergestellt wird, sondern hatte seine Aufgabe gefunden, seine berufliche Leidenschaft entdeckt. Drei Jahre lang arbeitete der Quereinsteiger schließlich als Betriebs- leiter bei einem der europäischen Pioniere für Bio- kosmetik und war – so schien es jedenfalls – im Job angekommen.

Doch genau das, dieses Fest-im-Sattel-Sitzen, fühlte sich eines Tages nicht mehr richtig an, erinnert sich Sascha. Stattdessen wollte der damals 30-Jährige nur vor allem eines: raus.

Raus aus der beruflichen Tretmühle, raus aus der Stadt, raus aus der Wohnung, raus in die Welt. Also kündigte er Job und Wohnung, lagerte sein Hab und Gut ein – und ging auf Weltreise. Australien, Neusee- land, Japan, Taiwan, Malaysia, Singapur, Südafrika: 2019 bereiste Sascha – mal allein, mal in Begleitung von Freunden – unterschiedlichste Länder und Konti- nente, bis er an Weihnachten seine Eltern in Versmold überraschte. Und dann? Einfach blieb.

Heute gibt es kein Team mehr, für das Sascha die Verantwortung trägt, keine vorgegebenen Abläufe, in die er sich einfügen muss. Stattdessen macht er bei PIWI alles selbst – von der Produktentwicklung über die Herstellung bis hin zum Versand und zur Doku- mentation. So verbringt er den Vormittag oftmals am Schreibtisch – für E-Mails, für die Pflege des Web- shops, fürs Onlinemarketing – und den Nachmittag im Labor. Hier, wo Flaschen, Pipetten, Geräte, sein weißer Kittel und die Schutzbrille ein wenig an Chemieunter- richt erinnern, fertigt Sascha heute eine neue Charge seines Gesichtsserums an und füllt es anschließend in braune Glasflaschen mit grün gepunktetem PIWI-Label ab. Wer mag, kann ihm dabei sogar über die Schulter schauen, erklärt Sascha, der besonderen Wert auf den Manufaktur-Charakter von PIWI legt, und vor Ort regelmäßig auch Naturkosmetik-Workshops anbietet. Transparent und ehrlich möchte er seinen Kundinnen und Kunden zeigen, welche Inhaltsstoffe in seinen Seren, Cremes und Gesichtspflegeölen stecken, möchte aufklären und ja, das könne man ruhig so sagen, das System ein wenig aufbrechen.

So ist seine Unisex-Naturkosmetik nicht nur handwerklich hergestellt und vegan, sondern darüber hinaus aus ökologisch angebauten und erneuerbaren Rohstoffen aus möglichst regionaler Herkunft gefertigt. So kommt beispielsweise Holun- derkernöl ins Gesichtspflegeöl, finden sich Gurkensamenöl, Himbeersamenöl oder Birkensaft auf der Liste der Inhaltsstoffe wieder, die auf der Innenseite jeder Verpackung aufgedruckt ist. Qualität und Sicherheit der PIWI-Produkte werden regel- mäßig von einem unabhängigen Labor in Hamburg geprüft und bestätigt, der Versmolder Produktionsstandort von offizieller Stelle kontrolliert.

Ja, man stellt sich das erst mal anders vor. Größer, indust- rieller – und vor allem: anonymer. Doch warum wollen wir eigentlich nicht genauer wissen, was in unserer Hautpflege steckt? Sehen, von wem sie wie hergestellt wird – und wo? Romantisieren, sagt Sascha, dürfe man all das dennoch nicht. Natürlich werde sein Unternehmen – wenn es gut liefe – in den nächsten Jahren wachsen, werde es ein größeres PIWI-Team geben, eine noch breitere Produktpalette entstehen. Vielleicht könne er auf den landwirtschaftlichen Flächen seiner Großeltern eines Tages sogar seine eigenen Rohstoffe anbauen, als Lohnhersteller Aufträge für andere fertigen. Der Manufaktur-Charakter jedoch, der Anspruch an die Qualität seiner Produkte soll für ihn stets an erster Stelle stehen. Damit es hier auch in Zukunft kleiner, handwerklicher und persönlicher bleibt als bei konventionellen Kosmetikproduzenten.

Wieder draußen angekommen, schaue ich noch einmal zurück. Fragen? Habe ich keine mehr. Antworten? Dafür jede Menge. Und noch dazu die Gewissheit: Das Haus mit der Nummer 29a ist genau die richtige Adresse. Und für Sascha? Der Ort, an dem er endlich eins ist: angekommen.

Herbst 2023

Dieser Artikel erschien in:

Artikel aus dieser Ausgabe

Es dauert nicht lang. Nicht mal fünf Minuten sind vergangen, seit der SPIEGEL Online-Artikel erschienen ist. Fünf Minuten, die im Internet…

Artikel lesen

Ach, wir wären gerne dabei gewesen. Als Lena mit ihrem Mann Felix im eigenen Wohnzimmer saß und 800 Trockene Schneebälle anfertigte. Es…

Artikel lesen

Der Weg nach Werther ist alles andere als weit – eigentlich aber müsste man viele hundert Kilometer weiterfahren, um die Geschichte der…

Artikel lesen

Hektik? Kommt nicht auf. Nicht einmal jetzt, wo die Eröffnung kurz bevor, der Lieferant der Fensterbeklebungen aber irgendwie noch auf dem…

Artikel lesen

Vanlife? Das klingt nach einsamen Stränden, nach winzigen Lichtungen in unendlichen Wälderweiten, nach menschenleeren Bergwelten, nach nicht…

Artikel lesen

Nur noch 6 Monate

Eigentlich sollte es ja Whisky werden. Aber das dauert. Lange. Sehr lange. Dann vielleicht doch mit einem echten, einem…

Artikel lesen
Die Agentur hinter
          den Beiträgen
Zurück
Jetzt zu HOCH5 wechseln!
Du suchst etwas Neues? Möchtest die Werbeagentur wechseln? Dein Projektvorhaben mit uns besprechen? Werbung, die wirkt?

Na dann los. Wir freuen uns.

Auf deine Anfrage. Auf dich.


Und melden uns. Direkt.

Schneller, als du erwartest.
Versprochen.

Jetzt wechseln

Kleine Pause gefällig?
Am besten mit einem klitzekleinen Tipp:
Wir von HOCH5, die wir das hier machen, machen noch viel mehr.
Mehr Content, mehr Werbung, mehr Print und Web.
Neugierig? Dann hier entlang, zur Website unserer Werbeagentur.
Und ansonsten:
Viel Freude beim Weiterlesen!

HOCH5HOCH5HOCH5HOCH5