Schneetreiben.
Auch im Sommer.
So richtig fertig? Ist man als Modelleisenbahner nie. Sagt Michael Arnold, Vorsitzender des Modelleisenbahnclubs Bielefeld e. V., und hat sich deshalb wie selbstverständlich damit abgefunden, dass hier im Clubhaus immer weiter ausgebaut und abgerissen, umgestellt und neu formiert, in die Jahre gekommen und auf neuesten Stand gebracht wird.
So richtig fertig? Ist man als Modelleisenbahner nie. Sagt Michael Arnold, Vorsitzender des Modelleisenbahnclubs Bielefeld e. V., und hat sich deshalb wie selbstverständlich damit abgefunden, dass hier im Clubhaus immer weiter ausgebaut und abgerissen, umgestellt und neu formiert, in die Jahre gekommen und auf neuesten Stand gebracht wird.
Wobei Clubhaus natürlich nicht der richtige Begriff für das Haus ist, das direkt an den Ravensberger Park grenzt, früher mal unter Prokuristengebäude lief und heute die beherbergt, die herkommen, um auf drei Stockwerken Landschaften zu erschaffen, Gleis zu verlegen, Züge fahren zu lassen. Seit 1978 ist der Verein hier zuhause, nimmt alles ein, nicht nur vom Keller bis zum Dach, sondern auch jeden Winkel, ach was, jeden Quadratzentimeter, auf den sich noch eine Schiene quetschen, ein Baum mit Grün beflocken, ein Gleis schottern lässt. Dabei sind die Etagen hier nicht mit Zahlen, sondern mit Buchstaben gekennzeichnet – passend zu den Modellbahnspuren, die hier gezeigt und befahren werden.
Schneetreiben.
Auch im Sommer.
N, H0 und 0. Was den Laien die Schultern zucken lässt, sorgt beim Fachmann für in die Höhe schnellende Augenbrauen. Alle drei Spuren in einem Gebäude? Ja. Sagt Michael Arnold und nickt zur Verstärkung noch dazu. Auch wichtig für den Kenner: Hier wird nur im Gleichspannungsbereich gefahren. Was so viel heißt wie: Märklin- Eisenbahnen gibt es hier nicht. Die haben wir aber fast alle zuhause, sagt Arnold und der Zuhörer ist verwirrt. Wieso wird denn zuhause etwas anderes als im Club gefahren? Weil die Tradition das so will. Und ein Umbau nun wirklich nicht mehr zu stemmen sei. Dafür gibt es ja Lokomotiven und Waggons von Roco und Fleischmann, von Brawa und weiteren Herstellern, die nun nicht nur hier in dem schönen Steingebäude ihre Runden drehen, sondern meist von den Vereinsmitgliedern her- und wieder weggebracht werden. Soll heißen: Steht ein Tag der offenen Tür bevor, setzen sich die Mitglieder zusammen, überlegen, was wie rollend, rasend, rangierend gezeigt werden soll und dann bringt der eine diese, der andere jene Lok mitsamt Waggons mit. Man könnte da, sagt Michael Arnold, auf einen riesigen Fundus zurückgreifen. Und – gendern hin oder her – hier darf man sogar Mann schreiben, denn unter den 43 Mitgliedern findet sich leider, so der Vereinsvorsitzende, keine Frau. Dafür aber jede Menge junge Menschen, die sich nicht nur für die Modelleisenbahn an sich, sondern auch für die Freizeit im Modelleisenbahnclub begeistern können. Die sieht meist so aus: Dienstag von 18 bis 22 Uhr treffen sie sich hier, nehmen sich einen Streckenabschnitt, ein Gebäude, manchmal auch nur wenige Zentimeter der einen oder anderen Anlage vor und verändern, verbessern, arbeiten nach und um und erneuern vieles, damit auch das, was hier in Miniaturform seine Runden dreht, mit der Zeit geht.
Alles natürlich vorab abgestimmt, alles möglichst originalgetreu, optimalerweise sogar irgendwie ostwestfälisch, so, als sei das hier Klein-Bielefeld, das nachgebildet wird. Darauf hat nicht nur Michael Arnold ein wachsames Auge, das fast sein gesamtes Berufsleben lang vom Lokführerstand auf die Gleise geschaut hat. Arnold, heute 66 Jahre alt, war, ach, ist Eisenbahner seit 1981. Erst im Rangierbetrieb unterwegs, dann mit der Klein-Lok, später mit der legendären V90, ehe er erst zu den Privaten und dann wieder zurück zur DB wechselte – ein im doppelten Wortsinn bewegtes Berufsleben. Heute kümmert er sich wieder um Lokomotiven, nur eben in einem anderen Maßstab. Gefragt, wie viele Lokomotiven er denn zuhause geparkt hat, fällt die Antwort stockend aus. 100? Oder gar 150? Er müsste mal wieder nachzählen.
Wer genau hinschaut, bei den Gebäuden, nicht bei den Lokomotiven, der erkennt sogar den Bahnhof Hillegossen wieder. Und viele weitere Nachbildungen, die zeigen, wie tief die Anlagen hier mit der Zug-Wirklichkeit da draußen verbunden sind. Triebwagen, die hier über die Gleise rollen, fahren auch im Maßstab eins zu eins von Bielefeld nach Lemgo oder Rahden. Nur die großen, schweren Dampfloks, die hier noch schnaubend die Güterwaggons über die Strecke ziehen, sind leider, so Michael Arnold, fast ausgestorben. Ebenso wie „seine“ V90, das Arbeitstier, hundertfach eingesetzt – und heute fast genauso häufig außer Dienst gestellt. Als Modelleisenbahn aber fahren sie alle noch, die Raritäten und die Oldtimer, die Arbeitstiere und die Luxuszüge. Am Trafo, oder besser an der digitalen Leitstelle: immer mindestens eines der 43 Vereinsmitglieder. Die anderen begrüßen an Schautagen die Gäste, die meist als Gespann hierherkommen: Vater und Sohn. Und so richtig erkennen, wer sich mehr auf den Rundgang durch unsere Anlagen und Stockwerke freut, kann man eigentlich gar nicht. Sagt Michael Arnold. Manchmal fühle sich all das hier so an, als stecke man noch in den Kinderschuhen. Auch wenn das Rentenalter längst erreicht sei.
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