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Selbstversorger aus Überzeugung: Wie Familie Wellmann ihren Traum vom nachhaltigen Leben wahr macht

Alles. Nur keine Schweinerei.

Selbstversorger sein? Davon träumen viele. Aber umsetzen? Tun es nur ganz wenige Menschen. Zu ihnen gehören: Alexander Wellmann und seine Familie. Erst entdeckten sie in Bruchmühlen, in Sichtweite zur niedersächsischen Grenze, einen kleinen Bauernhof, den sie kaufen wollten. Auf dem großen Grundstück war Platz für ein paar Hühner, drei Schafe. Katzen aus dem Tierheim wurden hier auch heimisch, der Gemüsegarten war schnell angelegt, das Ziel Selbstversorgung gar nicht mehr unerreichbar.

Selbstversorger sein? Davon träumen viele. Aber umsetzen? Tun es nur ganz wenige Menschen. Zu ihnen gehören: Alexander Wellmann und seine Familie. Erst entdeckten sie in Bruchmühlen, in Sichtweite zur niedersächsischen Grenze, einen kleinen Bauernhof, den sie kaufen wollten. Auf dem großen Grundstück war Platz für ein paar Hühner, drei Schafe. Katzen aus dem Tierheim wurden hier auch heimisch, der Gemüsegarten war schnell angelegt, das Ziel Selbstversorgung gar nicht mehr unerreichbar.

Als dann der Nachbargrund, immerhin ein Hektar landwirtschaftliche Fläche, frei wurde, begann der 37-Jährige zu rechnen. Was, wenn da mehr Schafe, vor allem aber Schweine der vom Aussterben bedrohten Rasse Bunte Bentheimer ein Zuhause bei Wind und Wetter, Tag und Nacht finden würden? Zahlen sind sein Metier auch beruflich, arbeitet er doch als Controller in der Bekleidungsindustrie, aber hier wird es noch einige Zeit dauern, ehe die Zahl unter dem Strich eine schwarze Farbe angenommen hat.

Es sei, da müsse man realistisch sein, ein Hobby. Eines, das Zeit frisst, Nerven kostet, mal für Ärger sorgt, dann mit Bürokratie einengt. Jetzt gerade kündigt sich die Schweinepest an, führt der Weg zu den schwarz gefleckten Borstentieren erst einmal durch eine Schleuse, dahin, wo hohe Zäune die wilden von den freundlichen Hausschweinen trennen sollen.

Rüber über die Elektrodrähte und hin zu den Tieren, aus denen längst so viel Fleisch wird, dass es Familie Wellmann nicht alleine verbrauchen kann. So entstand die Idee der „elseLiebe“, dem Label, das für Biofleisch aus Bruchmühlen steht. Meist im Glas abgefüllt, aber auch in vom regionalen Schlachter gefertigten Cuts geht das Fleisch meist über die virtuelle Ladentheke. Im eigenen Onlineshop und neuerdings auch bei Wochenmarkt24 bietet Alexander Wellmann seine Produkte an, packt Genussboxen zusammen, die Fleisch und Getränke miteinander kombinieren. Auch ein Verkaufsanhänger wartet für Events auf seinen Einsatz, während treue Kunden direkt zum Hof kommen, entweder vorab auf der Webseite geschaut oder einen neugierigen Blick vor Ort in die großen Kühltruhen geworfen haben und erkennen: Hier weiß ich, woher mein Fleisch kommt, dass die Tiere meist doppelt so alt wie in den Mastbetrieben geworden sind, bestes Futter und vor allem viel frische Luft und noch mehr Auslauf genossen haben.

Es ist Futterzeit. Alexander Wellmann trägt schwarze Eimer voller geschrotetem Futter zu den Tieren, die die Fütterung kaum erwarten können.

Das allererste Mal, als der Hobbylandwirt mit Anhänger und Tieren zum Schlachter gefahren ist, hat er sich die Schlachtung ganz bewusst und aus der Nähe angesehen.

Weil es dazugehöre. Weil er genau wissen wollte, was das Tier mitbekommt. Und was nicht. Überraschend schnell sei alles gegangen – für ihn und das Schwein. Also bekommen jetzt die, die hier landen, keine Namen, wird die persönliche Bindung möglichst reduziert, auch wenn sich die eigenen, noch sehr jungen Kinder so langsam wünschen, dass dieses Lamm, jenes Schwein dann doch nicht die Fahrt zum Schlachter antritt.

Wenn man sich aber für den eingeschlagenen Weg, für die Produktion von nachhaltigem, regionalen Biofleisch entscheide, dann gehöre das Ende dazu. Sagt Alexander Wellmann und weiß auch: Viele verschließen davor ihre Augen und kaufen dann doch Fleisch mit dem „Gütesiegel“ Tierwohl 1 ein.

Dann doch lieber den Tieren ein Leben ermöglichen, das ihren Bedürfnissen am nächsten kommt. Zwei Sauen stehen gerade in der ehemaligen Scheune und schauen Besuchern eher skeptisch entgegen. Kein Wunder, ein paar Meter weiter hinten drängen sich wenige Tage alte Ferkel unter der wärmenden Rotlichtlampe.

Mal eben reingehen, eins auf den Arm nehmen? Keine gute Idee, so Alexander Wellmann.

Denn der Mutterinstinkt sei hier noch richtig ausgeprägt. Kräftig weggeschoben wird, was und wer sich dem Nachwuchs zu sehr nähert.

Ähnlich mit Vorsicht zu genießen ist der drei Jahre alte Eber, der oben im Feld auf sein Futter wartet. An seinem Kopf sind mittlerweile schon die Hauer zu erkennen, die sich nach und nach aus dem Maul schieben und zur echten Waffe werden können. An sich aber ist er ein gutmütiges Tier, eines, das sich auch mal streicheln lässt, wenn nicht der Hunger an ihm nagt. Aber eben auch eines, das jede Chance nutzt, um die beiden Sauen nebenan noch etwas glücklicher zu machen. „Neulich haben wir gesehen, dass wir den Zaun mal wieder reparieren müssten – es aber leider auf den nächsten Tag verschoben“, so Alexander Wellmann. Das Resultat eines nächtlichen Ausflugs: ein glücklicher Eber und eine trächtige Sau.

Wer so mit Alexander Wellmann an den Ausläufen vorbeispaziert, wer zusieht, wie die Schafe angelaufen kommen, wenn sie gerufen werden, der schmilzt dahin vor so viel landwirtschaftlicher Romantik. Wer sich dann noch erzählen lässt, dass der passionierte Hobbykoch bei den TV-Formaten „Die Küchenschlacht“ und „Das perfekte Dinner“ erfolgreich teilnahm und weitere Fernsehaufnahmen nicht ausgeschlossen sind, der möchte gerne direkt mit einziehen. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn wenn du dich um Familie und Hof, jede Menge Tiere und die Vermarktung kümmern willst, dann wird es selten, dass du in Ruhe in der Küche stehst. Und wenn all das hier nicht nur Geld schlucken, sondern sich zumindest tragen soll, dann ist der Begriff Hobby einer, der dann doch wirtschaftlich geprägt ist und nicht viel mit Freizeit zu tun hat.

Lohnen aber? Tue sich das hier allemal. Sagt Alexander Wellmann und muss erst gar nicht erklären, was das hier für ihn, seine Frau und seine beiden Kinder bedeute, wenn sie drüben bei den Hühnern die Eier einsammeln, wenn der Hund auf der Fensterbank liegt und einen wachsamen Blick über die Weiden und Wiesen schweifen lässt, sich die Ziegen, selbst die wenige Tage alten Lämmer streicheln lassen. Es sei genau so, wie sie immer leben wollten. Sagt der 37-Jährige und will gar nicht zu weit in die Zukunft schauen. Gerade klappt es gut mit Vollzeit-Job als Controller und Freizeitbeschäftigung als Landwirt. Und das könne ruhig noch ein bisschen so bleiben.

528 Nr.37 // H5 Frühling 2025 // DUI 04 2025

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