29 Künstlerinnen und Künstler gemeinsam – das mag man sich lieber erst gar nicht vorstellen. Können die, aus kreativer Sicht, in eine gemeinsame Richtung laufen? Können unterschiedlichste Materialien genutzt, Sichtweisen eingenommen, Perspektiven gesucht, Techniken angewendet, Motive gefunden werden – sich irgendwie im Gleichschritt ausdrücken, an die Wand werfen, mit Farbe malen, mit feinem Strich zeichnen, aus Ton Skulpturen bilden und Installationen kreieren? Also: zusammen?
29 Künstlerinnen und Künstler gemeinsam – das mag man sich lieber erst gar nicht vorstellen. Können die, aus kreativer Sicht, in eine gemeinsame Richtung laufen? Können unterschiedlichste Materialien genutzt, Sichtweisen eingenommen, Perspektiven gesucht, Techniken angewendet, Motive gefunden werden – sich irgendwie im Gleichschritt ausdrücken, an die Wand werfen, mit Farbe malen, mit feinem Strich zeichnen, aus Ton Skulpturen bilden und Installationen kreieren? Also: zusammen?
SICHERLICH NICHT.
Und das ist auch nicht der Anspruch einer Ausstellung in der Lobby der Volksbank, in der man jetzt steht und es doch einen ganz anderen Eindruck macht. 30 Plakate, jedes von einer Künstlerin, einem Künstler gestaltet, warten auf der großen Wand schön in Reihe aufgehängt auf den Betrachter. Das klingt doch gleichförmig, das schaut doch einig und gleich aus. Aber das ist es natürlich nicht. Nur das Format – DIN A0 – bildet die gleiche Basis. Sonst aber hat jede und jeder von denen, die der Kunstgruppe Artists Unlimited e.V. angehören, genau das Gegenteil im Sinn: einen eigenen Kopf, eine eigene Art, sich einem Thema zu nähern, es umzusetzen, sich auszudrücken, anzu-, manchmal auch direkt vor den Kopf zu stoßen.
Umso erstaunlicher, dass passend zum 40. Geburtstag des Vereins die Ausstellung „Wir und jetzt – Einblicke in ein Künstler:innenhaus“ in der Lobby am Kesselbrink zustande gekommen ist – und sich auch auf das angrenzende Bistro „Frische Mische“ ausweitet. Zugegeben, das Thema ist ganz schön frei gewählt – und die Umsetzung noch ein bisschen freier gelungen. Aber auch das: reine Kunst. Wer den Blick über die Plakate streifen lässt, der ahnt: Es eint die Uneinigkeit.
Der eine nimmt es mit Humor,
der nächste politisch,
um die Ecke gedacht,
geradeaus,
bunt oder schwarzweiß,
typografisch oder malerisch.
Und so spaziert der neugierige Betrachter durch eine Vielfalt, die begeistert. Hier eine Ateliersituation, die Frauenskulpturen in körperlich anstrengender Arbeit zeigt, da eine Visualisierung einer Plakatwand, vom Wetter gezeichnet, abgerissen, übergeklebt, collagenartig miteinander poppig bunt verbunden. Weiter hinten plötzlich ein großformatiges, quadratisches Gemälde allein an der Wand, ein paar Meter daneben Animiertes auf einem Computerbildschirm in einer Art Schuhkarton aus Holz auf dem Boden. Das da könnte ein echter Hunderter sein, gebügelt aus Perlen. Hier ein buntes, naja, Ding, das die Lippen spitzt, in dem sich knallig bunte Kreise drehen, die man nur erkennt, wenn man genau hinschaut. Genau so muss Kunst sein:
Überraschen, anecken, nicht gefallen wollen, nicht gefallen müssen.
Das Zuhause eigentlich, seit nun 40 Jahren: Eine ausgediente Papierfabrik im Zentrum der Stadt. Darin: Ateliers und Raum für die, die ohne Begrenzung arbeiten wollen. Auch für die, die per Aufenthaltsstipendium hierher kommen – 120 Stück an der Zahl seit 1986 – und sich austauschen, austoben, ausquetschen, ausdrücken wollen. Jetzt aber sind sie ein paar Meter weiter gezogen. In eine Lobby, die zum Atelier, zur Galerie, zum Ort des Experimentierens, zum Zuhause auf Zeit wird. Mit 30 ganz eigenen Stilen, Richtungen, Meinungen, Werken. Gemeinsam.
Volksbank-Lobby
Kesselbrink 1, 33602 Bielefeld
Öffnungszeiten
Mo., Di., Mi., Fr. 9:00 – 17:00 Uhr
Do. 9:00 – 18:00 Uhr
Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos. Weitere Informationen unter volksbankinostwestfalen.de/lobby
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