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Im Gespräch mit Philip Kleineberg

ProElectrify

Eben noch Autoverkaufsfläche, jetzt Handwerkszentrum für Solar.

Gibt's nicht? Gibt's doch!

Rot und allein. Genau ein Ordner verliert sich in den Regalen von ProElectrify

Wenn immer mehr Menschen Elektroautos kaufen, dann fragen sich auch immer mehr Menschen: Wo kommt eigentlich der Strom für all die, vor allem aber für mein Auto zukünftig her?

Gar nicht lange her, da standen hier exotische Sportwagen und warteten auf finanziell potente Käufer. Heute herrscht hier reges Treiben, wurden ein paar Büros abgetrennt, stapeln sich zu Demozwecken Solarmodule und Stromspeicher für den, der nicht nur den Gedanken gefasst hat, mit Sonne Strom zu produzieren. Sondern der anschauen, auch mal anfassen will. All das: Verständlich für den, der hier das Sagen hat, der selbst gerne den Schraubenzieher, den Akkuschrauber zur Hand nimmt und sich auf dem Bau kein X für ein U vormachen lässt.

Philip Kleineberg empfängt uns an der vielbefahrenen Goebenstraße, Firmensitz der ProElectrify AG, und als er so erzählt, dass sie erst am 1. November vergangenen Jahres gestartet sind, sein Blick zurück zu den absoluten Anfängen geht, da wirkt es so, als müsse er sich selbst kneifen. Auch sein Werdegang: Keiner, der vermuten ließe, dass all das einmal hier enden würde. Kleineberg, gerade einmal 36 Jahre alt, ist gelernter Automobilkaufmann, bewegte sich immer in diesem Umfeld, erst bei den Daimler Nutzfahrzeugen, später beim Autohaus Mattern, auch in der Nutzfahrzeugsparte. Es ging weiter zu einer Leasingbank, Philip Kleineberg baute Teams und Strukturen auf, ließ aber alte Verbindungen nicht abreißen. Und blieb so immer in Kontakt mit der Familie Mattern, vor allem mit Jürgen Mattern.

Der wird von Kleineberg als Mann mit Sinn für das Geschäft charakterisiert und genau der fragte sich immer häufiger: Wenn immer mehr Menschen Elektroautos kaufen, dann fragen sich auch immer mehr Menschen: Wo kommt eigentlich der Strom für all die, vor allem aber für mein Auto zukünftig her? Naheliegend, dass man dann auch gleich darüber nachdenkt, dass „aus der Steckdose“ nimmer die passende Antwort sein dürfte und „selbst mithilfe der Sonne produziert“ besser, wirtschaftlicher und zukunftsorientierter wirkt.

Blau oder schwarz? Die Optik entscheidet mittlerweile beim Solarmodulkauf mit.

Es wurde also zum Telefon gegriffen, telefoniert und fest stand: Philip Kleineberg macht das. Für den stand auch da schon fest: Wenn ich das mache, dann richtig. Nicht so, wie die, die gerade die Welle aus Angst und Förderung, Versprechen und handwerklichem Unvermögen reiten und gefühlt als Drückerkolonnen über die Dörfer ziehen. Wenn, dann so: Ein Unternehmen für drei Leistungen – E-Technik, Dachdeckerei, Haustechnik. Weil du eh alle drei brauchst, wenn du dein Zuhause umstellen willst. Und weil du eins nicht brauchst: Ein Wirrwarr von drei individuellen Unternehmen, das erst einmal entwirrt werden will. Also sucht sich Kleineberg für den Start drei Meister, sattelt dann personell weiter auf und dirigiert heute 33 Mitarbeitende – und das vor allem digital. Wenn ich etwas von Anfang an wusste, dann, dass ich keine Zettelwirtschaft, nicht mal in Ordnern abgelegte, ausgedruckte Schreiben haben will. Hatte sich der 36-Jährige vorgenommen. Und durchgezogen.

Wer bei ProElectrify arbeitet, der steht auf dem Dach, am Stromzähler, hinter der Heizung. Und sitzt nicht im Büro.

Wenn, dann so: Ein Unternehmen für drei Leistungen – E-Technik, Dachdeckerei, Haustechnik. Weil du eh alle drei brauchst, wenn du dein Zuhause umstellen willst.

Wobei: Ganz hat das nicht geklappt. Ein einzelner, signalroter Ordner verliert sich dann doch im Designerregal. Weil das Finanzamt eben keine Mails schickt. Sagt Kleineberg. Und lacht. Und es immer noch Lieferanten gibt, die nicht digital unterwegs sind. Was irgendwie nicht zum Lachen ist. Sagt Philip Kleineberg auch.

Noch wichtiger als die Digitalisierung: Die Abschaffung derer, die nichts schrauben und verbinden, montieren und anschließen. Soll heißen: Wer bei ProElectrify arbeitet, der steht auf dem Dach, am Stromzähler, hinter der Heizung. Und sitzt nicht im Büro. Zweieinhalb Leute – ich eingerechnet – sind unproduktiv. Sagt der Chef selbst und rudert natürlich gleich wieder zurück. Wichtig sind die natürlich auch. Aber eben nicht das, was die neue Firma nun einmal ist: Ein Team von Handwerkern.

Öl- und Gasheizungen? Da kommt noch einiges. All das: Stimmt Philip Kleineberg sehr optimistisch.

Das weiß auch: Die Welle, die da jetzt gerade durch Deutschland schwappt, wird abebben. Und das schon bald. Weil die Strompreise wieder sinken und irgendwann fast jeder versorgt sei. Aber Dächer? Müssen immer irgendwann geflickt werden. Und Solaranlagen? Kommen irgendwann in ein Alter, wo sie abgebaut, ersetzt, erneuert werden müssen. Öl- und Gasheizungen? Da kommt noch einiges. All das: Stimmt Philip Kleineberg sehr optimistisch. Für sich, für die Firma, für den alleinigen Gesellschafter. Der kann jetzt, wenn ein E-Auto-Kunde fragt, wie er denn laden solle, einfach weiterverweisen. An Kleineberg und das, was dieser als Riesenchance bezeichnet. Wo kannst du das schon, mal eben ein Handwerksunternehmen einfach aus dem Boden stampfen? Genau hier.

Nr 34

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